Finanzkrise Rückversicherer erwarten gute Geschäfte
Baden-Baden - Die großen deutschen Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück erhoffen sich von der Finanzkrise positive Auswirkungen auf ihr Geschäft. Die Konzerne rechnen mit teilweise zweistelligen Erhöhungen der Prämien, die sie von Erstversicherern für den Schutz vor übergroßen Risiken verlangen. Das teilten sie am Montag in Baden-Baden mit, wo derzeit die neuen Verträge ausgehandelt werden. "Wir sind zum harten Markt zurückgekehrt", sagte Münchener-Rück-Vorstand Ludger Arnoldussen.
Hintergrund der erwarteten deutlichen Preissteigerungen ist unter anderem, dass bei Versicherern in der Finanzkrise die Kapitaldecke geschmolzen ist, die sie für die übernommenen Risiken vorhalten müssen. Daher kaufen sie mehr Rückversicherungsschutz ein.
Positiv wirkt sich auch aus, dass der Wettbewerbsdruck nachlässt. Denn alle Rückversicherer haben weniger Kapital zur Verfügung, das sie zur Abdeckung von Risiken nutzen können. "Zudem haben private Beteiligungsgesellschaften eher anderes zu tun, als ins Rückversicherungsgeschäft zu gehen", sagte Hannover-Rück-Vorstandsmitglied Michael Pickel. Sie hatten den angestammten Konzernen zuvor zunehmend das Geschäft streitig gemacht.
Die Rückversicherer stehen unter hohem Druck, ihre Preise zu erhöhen, da die Erträge schrumpfen, die sie durch die Anlage der Prämieneinnahmen an den Börsen verdienen. Münchener Rück und Hannover Rück hatten zuletzt millionenschwere Abschreibungen verbucht. Zudem mussten die Konzerne in diesem Jahr zahlreiche Großschäden durch Naturkatastrophen hinnehmen.
Um in der Krise reichlich neues Geschäft zu tätigen, haben die beiden großen deutschen Rückversicherer nach eigenen Angaben genug Geld. "Wir sind in der Lage, mehr Kapazitäten anzubieten als in Vorjahren", sagte Arnoldussen. Allerdings müssten die Konditionen stimmen. Ähnlich äußerte sich Hannover Rück. Dabei sei es auch nicht nötig, in Not geratene Rivalen zu übernehmen, sagte Pickel. "Warum Unternehmen kaufen, wenn man das Geschäft selbst machen kann?"
Nach Ansicht des für das Europageschäft zuständigen Managers des Rückversicherers XL Re, Davin Watson, wird die Preiserhöhung in den verschiedenen Weltregionen allerdings unterschiedlich ausfallen. In den USA würden sie zuerst kommen und wohl am stärksten ausfallen. "Die aufstrebenden Märkte etwa in Asien werden sich als letzte bewegen", sagte Watson.
Zwar profitieren die Rückversicherer in gewisser Hinsicht von der Finanzkrise. "Eine Rezession hat keine direkten Auswirkungen auf Rückversicherungsgeschäfte", sagte Arnoldussen.
So werde etwa weniger Auto gefahren, was ebenso zu weniger versicherten Schäden führe wie eine schrumpfende Industrieproduktion. "Aber wenn die Krise zu lange dauert, hat das letztlich auf alle negative Auswirkungen."
kaz/Reuters