Finanzkrise: Union fordert stärkere Managerhaftung - DER SPIEGEL
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Finanzkrise Union fordert stärkere Managerhaftung

Manager sollen für ihre Fehler haften - das fordert der Finanzexperte der Unionsfraktion Otto Bernhardt. So sollten gefeuerte Vorstände keine Abfindung und keine Vergütung bis zum Beginn des Rentenalters erhalten. In manchen Fällen sollten sie auch Boni zurückzahlen.
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Berlin - Angesichts der Bankenkrise erwägt die Union, die Bestimmungen für die Haftung von Managern zu verschärfen. Ein entsprechendes Gesetz könne festlegen, dass keine Abfindung und keine Vergütung bis zum Beginn des Rentenalters mit 65 gezahlt würden, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Otto Bernhardt, der "Bild"-Zeitung. Eine weitere Möglichkeit sei, dass Vorstände bei vorsätzlichem oder fahrlässigem Handeln bereits erhaltene Boni zurückzahlen müssten.

Es gehe darum, in "die persönliche finanzielle Situation der Betroffenen" einzugreifen, sagte Bernhardt. Der Finanzexperte verwies auf die Haftungsregeln für mittelständische Unternehmen. Danach müssten Mittelständler falsche Entscheidungen heute zum Teil mit der Insolvenz ihrer Firma und dem Verlust ihres Vermögens bezahlen. Das sei bei Vorständen von Kapitalgesellschaften nicht der Fall.

Die Deutsche Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) will die Manager der in Schieflage geratenen Hypo Real Estate   auch ohne neues Gesetz zur Rechenschaft ziehen. Der Verband erwäge eine Schadenersatzklage gegen den Immobilienfinanzierer und dessen Manager. "Wir prüfen Schadenersatzansprüche gegen die Verantwortlichen", sagte DSW-Sprecherin Daniela Bergdolt der "Bild". Als Begründung nannte sie die zögerliche Informationspolitik des angeschlagenen Hypothekenfinanzierers gegenüber den Aktionären, die zu hohen Verlusten bei vielen Anlegern geführt haben. "Es wurde zu spät über die mögliche Schieflage informiert", erklärte sie.

Erst in letzter Minute war einem Krisengipfel am Sonntagabend eine Rettung des Dax-Konzerns gelungen: Bund, Banken und Finanzaufsicht einigten sich auf ein milliardenschweres Finanzierungspaket für Hypo Real Estate. Nach massivem Druck aus der Politik räumte Bankchef Georg Funke am Dienstag seinen Posten, ab Montag übernimmt der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt das Steuer.

Mit Blick auf die Entwicklung an den Finanzmärkten korrigieren Ökonomen nun ihre Prognosen zur deutschen Wirtschaft nach unten. Deutschland befindet sich demnach auf dem Weg in eine "Kreditklemme". "Manche Unternehmen wollen schon gar keine Kredite mehr aufnehmen, weil die Zeiten so unsicher sind", sagte Gustav Horn, Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), der "Frankfurter Rundschau". "Die Banken sind zögerlich, überhaupt Geld rauszugeben. Wir sehen bei den Investitionen, dass wir in eine Abschwungphase hineingleiten."

Zwar sei die Finanzkrise in Europa nicht der einzige Grund für den Abschwung. Dies habe noch andere Ursachen wie den starken Euro und den Ölpreisschock. "Aber die Finanzmarktkrise verschärft das Problem gewaltig", sagte Horn. "Sollten wir in eine Rezession rutschen, dann kann man das schon der Finanzmarktkrise zuschreiben. Es werde nicht mehr genügend investiert.

Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von einer deutlichen Eintrübung der Konjunktur in Deutschland aus. Zwar habe die Finanzkrise bislang nicht zu einer Kreditklemme geführt, sagte der DIHK-Chefvolkswirt Volker Treier der "Berliner Zeitung". "Die Finanz- und Immobilienkrise führt aber zu einer Konjunkturverlangsamung in den USA und in Europa und damit in Regionen, die gut 50 Prozent des deutschen Exportgeschäfts ausmachen." Insofern seien die Wachtumsaussichten für 2009 deutlich eingetrübt.

kaz/AFP/dpa-AFX/dpa/ddp

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