Finanzloch: Gesetzliche Krankenkassen verbuchen Milliardendefizit - DER SPIEGEL
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Finanzloch Gesetzliche Krankenkassen verbuchen Milliardendefizit

Die gesetzliche Krankenversicherung schreibt in den ersten drei Quartalen tiefrote Zahlen. Zum Start des Gesundheitsfonds soll die Bilanz allerdings wieder ausgeglichen sein, hofft das Gesundheitsministerium. Dazu soll unter anderem das Weihnachtsgeld der Versicherten beitragen.
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Berlin - In den ersten neun Monaten des Jahres 2008 hat die gesetzliche Krankenversicherung ein sattes Defizit von 1,5 Milliarden Euro angehäuft, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag mit. Damit steht die Krankenversicherung trotz guter Konjunktur und Rekordeinnahmen kurz vor dem Start des Gesundheitsfonds deutlich schlechter da als noch vor einem Jahr. Dennoch rechnet das Ministerium zumindest mit einem ausgeglichenen Etat zum Jahresende.

Der Grund: Im Ergebnis für die ersten drei Quartale sei noch nicht die zweite Tranche des Bundeszuschusses von 1,25 Milliarden Euro verbucht, die erst im November geflossen sei, erklärte das Ministerium. Zudem seien zusätzliche Beitragsmehreinnahmen auf das Weihnachtsgeld zu erwarten. Tatsächlich verzeichnet die Krankenversicherung regelmäßig zum Jahresende besonders hohe Einnahmen, die auch ein schlechtes Ergebnis nach drei Quartalen noch drehen können.

Allerdings waren die Zwischenergebnisse in den vergangenen Jahren deutlich besser.So verbuchte sie im Jahr 2007 nach drei Quartalen ein Überschuss von 173 Millionen Euro, 2006 gab es zwar auch ein Defizit, aber es lag nur bei 300 Millionen Euro.

Dabei war die Einnahmesituation 2008 bislang so gut wie lange nicht. Insgesamt kamen 117,48 Milliarden Euro bei den Kassen an. Die Beitragseinnahmen stiegen in den ersten drei Quartalen je Mitglied um 2,8 Prozent. Dennoch hielten die Einnahmen nicht mit den Ausgaben Schritt. Diese wuchsen um 4,2 Prozent je Mitglied und erreichten 118,98 Milliarden Euro. Spitzenreiter waren erneut die Arzneimittelausgaben, die um 5,1 Prozent zulegten - und zwar ohne die stark steigenden Ausgaben für Impfstoffe. Das Ministerium appellierte erneut an die Krankenkassen, alle Sparmöglichkeiten und auch die Kosten-Nutzen-Bewertung konsequent zu verwenden.

Auch die Krankenhausausgaben wuchsen mit 2,6 Prozent je Mitglied deutlich schneller als noch ein Jahr zuvor (plus 0,8 Prozent). Für die ambulante ärztliche Behandlung gaben die Krankenkassen je Mitglied 3,9 Prozent mehr aus, und zwar ohne Honorare für Früherkennungsuntersuchungen, die 14,8 Prozent Zuwachs verzeichneten. Das Ministerium wertete dies als Zeichen, dass die viel beklagte Honorarsituation der Ärzte sich bereits deutlich verbessert habe.

Die mit der jüngsten Gesundheitsreform ausgeweiteten Leistungen bei Schutzimpfungen und Mütter-Vater-Kind-Kuren weisen ebenfalls steile Steigerungsraten auf: plus 22,4 beziehungsweise plus 12,7 Prozent.

Ab Januar wird das Kassensystem über den Gesundheitsfonds neu organisiert. Für alle Kassen gilt dann ein einheitlicher Beitragssatz von 15,5 Prozent einschließlich Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, den der Versicherte selbst trägt. Das Geld der Beitragszahler fließt in den Fonds, der es in festen monatlichen Raten an die Kassen ausschüttet.

cvk/AP/AFP