Finanzmärkte Trichet dämpft Angst von Leitzinsrunden
Berlin - In einem gemeinsamen Interview der Zeitungen "Die Welt", "Liberation" und "La Stampa" betonte er: "Wir haben in der Vergangenheit die Leitzinsen immer dann angepasst, wenn das notwendig war, um mittelfristige Preisstabilität zu gewährleisten." Es könne sich jeder darauf verlassen, dass man genau das weiterhin tun werde. Auch seien die Zinsentscheidungen der Europäische Zentralbank (EZB) bisher immer sehr berechenbar gewesen, sagte Trichet.
Trichet hatte am vergangenen Freitag überraschend angekündigt, dass die EZB die Leitzinsen anheben werde, aber den Zeitpunkt offen gelassen. Auf Kritik an seiner Kommunikationspolitik erwiderte der EZB-Präsident: "Ich habe die Meinung des gesamten EZB-Rats ausgedrückt, und das in einem Moment, wo es für alle nützlich schien: für die öffentliche Meinung, für die politischen Institutionen und für die Finanzmärkte." Trichet verwies darauf, dass es seine Aufgabe gewesen sei, als Sprecher und Präsident des EZB-Rats zu einem Zeitpunkt für Klarheit zu sorgen, an dem zu viele Stimmen außerhalb des EZB-Rats zur Geldpolitik und zu den Leitzinsen zu hören waren.
Der EZB-Rat wird am 1. Dezember über die weitere Geldpolitik beraten. Weithin wird dabei mit einer Zinsanhebung um 25 Basispunkte von jetzt 2,0 Prozent gerechnet. Trichet selbst hat bislang nur von einem moderaten Zinsschritt gesprochen. Bis Ende 2006 sehen die meisten Beobachter den Leitzins bei 2,50 oder 2,75 Prozent.
Eine mögliche Anhebung der Leitzinsen durch die EZB wird nach Ansicht des Vizepräsidenten der Deutschen Bundesbank, Jürgen Stark, keine Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben. Das Zinsniveau wirke sich gegenwärtig nicht auf das Wachstum in Deutschland oder im Rest von Europa aus und werde dies auch künftig nicht tun, sagte Stark heute auf einer Konferenz in Tokio.