Finanzministerium: Telekom-Chef Sommer zum Rapport - DER SPIEGEL
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Finanzministerium Telekom-Chef Sommer zum Rapport

Pech für Ron Sommer. Trotz guter Zahlen der Telekom musste er am Montagabend bei Finanzminister Hans Eichel antreten, um den desaströsen Kursverlauf der T-Aktie zu erklären.
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Berlin - Dies sei kein Routinetreffen, zitiert die "Financial Times Deutschland" Kreise des Finanzministeriums: "Wir haben ihn einbestellt." Bei dem Vier-Augen-Gespräch sollte es vor allem um die Frage gehen, wie Sommer den Konzern mittelfristig wieder auf Kurs bringen will, schreibt die Zeitung. "Wir würden schon gerne wissen, was der Vorstand im Sinne seines Hauptaktionärs und der vielen Kleinaktionäre zu tun gedenkt", habe es vor dem Treffen im Ministerium geheißen.

Das Finanzministerium versuchte am Dienstag morgen, die Bedeutung des Treffens herunterzuspielen: Sommer sei, anders als die Financial Times Deutschland berichtet, keineswegs förmlich "einbestellt" worden. Vielmehr fänden solche Gespräche zwischen dem Telekom-Vorstand und dem Bund als größtem Anteilseigner regelmäßig statt, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums zu SPIEGEL ONLINE. Auch eine vorzeitige Ablösung Sommers als Telekom-Vorstandschefs sei seitens der Bundesreigerung keineswegs geplant.

Allerdings macht auch das Finanzministerium kein Hehl daraus, dass Berlin über die Kursentwicklung der T-Aktie keineswegs glücklich ist. Der Groll richtet sich dabei aber weniger gegen Sommer und seinen Vorstand. Dies sei ein Problem der Märkte, heisst es offiziell im Finanzministerium. Hinter vorgehaltener Hand werden Regierungsmitarbeiter aber deutlicher: Sie sind vor allem über die ungeschickte Art und Weise verärgert, mit der die Deutsche Bank vor drei Wochen einen Paket mit 44 Millionen T-Aktien an der Börse platzierte – und dadurch den jüngsten Kurssturz auslöste.

Haushaltsrisiko T-Aktie

Der Hintergrund: Der Bund ist vor allem deswegen an einem hohen Kurs der T-Aktie interessiert, weil er auf möglichst hohe Privatisierungseinnahmen hofft. Die Einnahme aus künftigen Telekomverkäufen, ergänzt durch den Verkauf von Postaktien und die jährlichen Dividendenzahlungen der beiden Unternehmen, benötigt Bundesfinanzminister Hans Eichel, um damit in den nächsten drei bis vier Jahrzehnten die Pensionen ehemaliger Postangestellter zu bezahlen; jährlich überweist er deshalb mehrere Milliarden Mark an die Postunterstützungskasse. Wie das Finanzministerium gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärt, sind diese Kassen aber noch so gut gefüllt, dass Eichel in den nächsten zwei Jahren notfalls ohne weitere Privatisierungsschritte auskommt. So sind noch sieben Milliarden Mark aus früheren Verkäufen von T-Aktien treuhänderisch bei der Bundesanstalt für Telekommunikation geparkt.

Die Frage nach Sommers Strategie gegen den Kursverfall wird auch die Telekom-Aktionäre auf der heutigen Bilanzpressekonferenz am Rande der Funkausstellung in Berlin interessieren. Das Gleiche gilt für die Frage, mit welchen Argumenten Sommer die Sorgen der Anleger vor einem weiteren Aktienrückfluss in Folge der VoiceStream-Übernahme mindert - oder wann sich das für viel Geld gekaufte US-Mobilfunkunternehmen als profitabel und wirkliche Bereicherung für die Telekom herausstellt.

Dabei hat Sommer, was die Ergebnisse betrifft, durchaus etwas vorzuweisen. Bereits die Ende Juli veröffentlichten Eckdaten machten deutlich, dass sich das Ergebnis im operativen Bereich in den ersten sechs Monaten klar verbessert hat. So konnte im zweiten Quartal bereits ein ausgeglichenes Nettoergebnis verbucht werden, nachdem in den ersten drei Monaten angesichts der hohen Belastungen durch die UMTS-Lizenzen und die Abschreibungen auf die Firmenwerte übernommener Unternehmen ein Verlust von 358 Millionen Euro angefallen war. Von Januar bis Juni 2000 hatte die Telekom allerdings noch einen Überschuss von 4,3 Milliarden Euro eingefahren. In Berlin will sie nun das noch offene Zahlenwerk zwischen Umsatz und Nettoergebnis komplettieren.

Analysten rechnen mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um die 7,3 Milliarden Euro nach 6,5 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Da im ersten Quartal ein Ebitda von 3,6 Milliarden Euro erzielt worden war, hätte sich die Telekom in den Frühjahrsmonaten April bis Juni leicht verbessert. Getragen wird die positive Entwicklung vom Mobilfunk, wo der Konzern den hohen Kosten Zügel angelegt hat. So hat sich das bereits bekannt gegebene Ebitda des Börsenaspiranten T-Mobile - der Handy-Holding des Bonner Unternehmens - auf 1,4 Milliarden Euro im Jahresvergleich mehr als verdoppelt.