Finanznot: Gewerkschaften planen Beteiligungsverkäufe - DER SPIEGEL
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Finanznot Gewerkschaften planen Beteiligungsverkäufe

Weil die Mitgliederzahlen schwinden, müssen die Gewerkschaften wohl einen großen Teil ihrer Firmenanteile verkaufen. Die Beteiligungen am Baufinanzierer BHW und einer kriselnden Hypo-Bank könnten schon rasch abgestoßen werden. Die Firmenholding der Genossen wird hinterher kaum wiederzuerkennen sein.
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Hamburg - Er werde "Desinvestitionen in Bereichen vorantreiben, in denen gewerkschaftliches Engagement nicht mehr gebraucht wird", sagte Helmut Balthasar, der auf Sanierungen spezialisierte neue Vorstand der Gewerkschaftsholding BGAG, der "Financial Times Deutschland". Neben der 40-Prozent-Beteiligung an BHW stünden auch die Beteiligung an der Allgemeinen Hypothekenbank Rheinboden (AHBR) und umfangreiche Immobilienengagements auf dem Prüfstand. "Am Ende des Prozesses wird sich die Frage stellen, ob es die BGAG in ihrer heutigen Form noch geben wird", sagte Balthasar. Es gebe "keine Denkverbote".

Die BGAG, die Einzelgewerkschaften und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (rund 20 Prozent) gehört, soll unter Balthasars Verantwortung auf "Kernaufgaben gewerkschaftlichen Engagements fokussiert" werden. Dazu gehört etwa der Bund-Verlag, ein Fachverlag für Arbeits- und Sozialrecht. Für nicht gewerkschaftsnah hält der Manager dagegen das Immobilienengagement.

Wertberichtigungen nötig

Die Berufung Balthasars erfolgte nach Informationen des SPIEGEL, weil die Finanzaufsicht BaFin Druck auf die BGAG ausgeübt hat. Grund waren die finanziellen Schwierigkeiten der Holding. Die BGAG wies den Bericht am Sonntag in einer Stellungnahme als falsch zurück. Balthasar ist als Anwalt auf Insolvenzen und Sanierungen spezialisiert. Als Finanzvorstand hat er den Industriekonzern Babcock Borsig in der Insolvenz begleitet.

Nach SPIEGEL-Informationen ist die Schieflage bei der AHBR, einer 50-Prozent-Beteiligung der Gewerkschaftsholding, größer als bisher bekannt. Die drittgrößte deutsche Hypothekenbank habe sich mit Zinsgeschäften verspekuliert. Hinzu komme ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf bei der Finanzierung von Ostimmobilien, der gerade durch den Prüfungsverband der privaten Banken ermittelt werde.

Die AHBR habe keine neuen Probleme aus Zinsgeschäften, teilte die Holdinggesellschaft dagegen mit. Die bekannten Risiken im Zusammenhang mit Ostimmobilien würden zu Abschreibungen im oberen zweistelligen Millionenbereich führen. "Das ist ärgerlich für die BGAG, aber nicht dramatisch."