Finanznot Hedgefonds greift nach Michael Jacksons Beatles-Songs
New York/Hamburg - Michael Jackson kämpft derzeit an zwei Fronten. Während sich der Musiker vor einem Gericht in Kalifornien gegen den Vorwurf des Kindesmissbrauchs zur Wehr setzt, droht ihm der finanzielle Zusammenbruch.
Die Staatsanwaltschaft bezifferte Jacksons Schuldenstand im Rahmen des laufenden Verfahrens vor wenigen Monaten auf mindestens 300 Millionen Dollar . Der Wirtschaftsprüfer John Duross O'Bryan erklärte vor Gericht Anfang Mai, dass Jackson pro Jahr zwischen 20 und 30 Millionen Dollar mehr ausgibt, als er einnimmt. O'Bryan sprach sogar von Schulden in Höhe von 415 Millionen Dollar. Das "Wall Street Journal" (WSJ) berichtet unter Berufung auf das Umfeld des Sängers, dass Jackson zum Jahresbeginn kaum noch seine Stromrechnung bezahlen konnte.
Wie das "Journal" weiter schreibt, hat sich die Situation für den 46-Jährigen jüngst verschärft. So soll Jackson ein Fax von der Bank of America erhalten haben, in dem das Geldhaus erklärte, dass ein Darlehenspaket von insgesamt 270 Millionen Dollar an den New Yorker Investmentsfonds Fortress verkauft worden sei. Zuvor hatte Jackson die Forderungen der Bank nicht mehr bedienen können, heißt es in dem Bericht.
Fortress gehört zu den Schwergewichten unter den Hedgefonds. Die 1998 gegründete Gesellschaft verwaltet weltweit 15 Milliarden Dollar, eingesammelt hauptsächlich bei institutionellen Investoren, und investiert in unterbewertete Firmen und Immobilien. In Deutschland haben die Amerikaner im vergangenen Jahr Schlagzeilen gemacht, als Fortress die Wohnungsbaugesellschaft Gagfah von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) übernahm.
Das Jackson-Lager versuchte den Deal als Punktsieg für den Popstar darzustellen. Die Vereinbarung mit Fortress biete eine größere finanzielle Stärke und mehr Flexibilität, sagte ein Sprecher. Das Gegenteil könnte der Fall sein. Michael Jackson droht einen seiner am besten gehüteten Schätze zu verlieren: die Abspielrechte an zahlreichen Songs der Beatles.
Heiß begehrte Beatles-Rechte
Jackson hatte sich die Rechte 1985 nach einem Bietergefecht mit Ex-Beatle Paul McCartney für 47,5 Millionen Dollar gesichert. Zu dem Paket gehören unter anderem Klassiker wie "Yesterday" oder "Let it be". Wann immer einer dieser Songs gespielt wird oder eine Platte mit den Liedern über den Ladentisch geht, verdient Jackson mit. Die Einnahmen können sich laut Branchenschätzungen auf mehrere Millionen Dollar pro Jahr summieren.
Angesichts seiner fortschreitenden finanziellen Probleme haben Jacksons Berater bereits seit längerem auf den Verkauf der Abspielrechte gedrängt. Schon Mitte der Neunziger veräußerte er 50 Prozent an dem Paket an den Musikkonzern Sony und erhielt dafür 150 Millionen Dollar. Der heutige Wert seines Anteils wird auf 400 Millionen Dollar geschätzt.
An solventen Käufern mangelte es nicht. Neben McCartney haben auch Hedgefonds wie Goldman Sachs und Blackstone Interesse bekundet, berichtet das "WSJ". Zustande kam der Deal indes nicht. Der Verkauf scheiterte vor allem an Jackson selbst, der sich partout nicht von dem Rechtepaket trennen will. Zu groß soll seine Liebe zu den Beatles sein.
Nun aber könnte Jackson seine Beatles-Rechte endgültig verlieren. Denn das 270-Millionen-Dollar-Kreditpaket, das Fortress der Bank of America abgekauft hat, ist teilweise mit den Songs besichert. Wenn der King of Pop die Forderungen nicht bedienen kann, bekommt Fortress das Zugriffsrecht, um die Schulden zu tilgen.
Beobachter gehen davon aus, dass eben dies der Plan der Hedgefonds-Manager ist. "Wenn Fortress auf Jacksons Schulden wettet, wollen sie genau diesen Deal machen", erklärte ein Berater gegenüber dem Online-Dienst "CNN Money".