Finanzplan So legen Sie 2008 richtig an
Hamburg - "Zur Wahrscheinlichkeit gehört auch, dass das Unwahrscheinliche eintritt", das soll Aristoteles vor mehr als 2300 Jahren gesagt haben. Ein wenig ironisch klingt es, wenn ausgerechnet die Anlagestrategen des Bankhauses Metzler sich in ihrem Ausblick für 2008 auf den griechischen Philosophen beziehen. Tatsächlich meinen die Frankfurter Privatbankiers das als Kritik an den Analysten, die die derzeitige Kreditkrise noch vor einem halben Jahr für unmöglich hielten.
Im weiteren Text halten sich die Experten von Metzler allerdings weniger mit dem Unwahrscheinlichen auf. Der "sehr dynamische Welthandel dürfte auch 2008 um circa sieben Prozent expandieren", heißt es dort zum Beispiel. Eine klare Aussage - wie gemacht für die Anleger: Denn die wollen wissen, wie sie das im vergangenen Jahr verdiente Geld gewinnbringend einsetzen können. Zweifel helfen da nicht weiter.
Der Hinweis auf Aristoteles ist trotzdem berechtigt. Wie bei Metzler sind auch die anderen Analysten, Experten und Strategen nach den Turbulenzen dieses Jahres vorsichtig. Wirklich pessimistisch gibt sich zwar niemand - die Prognosen für den Dax für 2008 liegen allesamt zwischen 8000 und 8500 Punkten, nur wenige Analysten prognostizieren deutlichere Ausschläge nach oben oder unten.
Allerdings sollen die Kurse nach einhelliger Meinung noch stärker schwanken als bisher, die Zielzahlen sind also nicht viel mehr als bloße Mittelwerte. Einen "Berg von Fragezeichen" sieht Christian Heger, Chief Investment Officer von HSBC Investments Deutschland. "Es kann in jede Richtung gehen", gibt auch Kapitalmarktexperte Andreas Utermann von der Allianz-Tochter RCM zu.
Tatsächlich bewegen sich die Vorhersagen auf einem schmalen Grat: Einerseits erwarten die Kunden Rat und die Vertriebsabteilungen Argumente für den Verkauf. Andererseits wollen sie sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Das Risiko, sich zu blamieren, ist hoch. Anlagetipps für 2008 geben die Experten trotzdem - wenn auch mit dem ungewöhnlich deutlichen Hinweis, diese mit Vorsicht zu genießen.
Konjunktur - Alle Augen auf Amerika
Konjunktur - Alle Augen auf Amerika
Für Unsicherheit sorgt vor allem die amerikanische Konjunktur. Hatte die US-Wirtschaft sich im Sommer noch erstaunlich unempfindlich gegenüber den Auswirkungen der Immobilienkrise gezeigt, macht sich jetzt Pessimismus breit. Die Krise könnte neben dem Kreditmarkt auch den amerikanischen Konsum lahmlegen, so die Befürchtung.
Als erste große Investmentbank hat Morgan Stanley eine Rezession für das kommende Jahr prognostiziert. Auch die Konkurrenz ist nicht viel optimistischer: Goldman Sachs schätzt die Wahrscheinlichkeit auf 40 bis 45 Prozent. Mit einem Abschwung in den USA sei auf jeden Fall zu rechnen, auch wenn er sich nicht zur Rezession auswächst.
In Europa - und besonders in Deutschland - kommt die Binnennachfrage dagegen erst in Schwung. "Den Unternehmen geht es sehr gut, daher ist auch der Ausblick auf die Konjunktur gut", sagt Gertrud Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen. Die hohen Wachstumsraten dieses Jahres dürften aber kaum zu halten sein, wenn es in den USA bergab geht.
Traud hofft darauf, dass die Abhängigkeit der europäischen Wirtschaft von der amerikanischen abgenommen hat: "Früher hatten die USA einen Schnupfen, und wir bekamen die Lungenentzündung. Heute haben die USA eine Lungenentzündung, und wir bekommen einen Schnupfen." Die Heilkräfte sollen vor allem aus den asiatischen Schwellenländern kommen, die kaum gebremst weiterwachsen und mehr europäische Exporte nachfragen.
Aktien - Zurück zu Standardwerten
Aktien - Zurück zu Standardwerten
Zum Jahresende steigt der Druck für Deutschlands Privatanleger, attraktive Möglichkeiten zum Investieren zu finden. Denn ab Anfang 2009 tritt die 25-prozentige Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge in Kraft. Kursgewinne von Aktien, die vor dem Jahreswechsel gekauft und mindestens ein Jahr gehalten werden, sind aber noch steuerfrei. Für eine Hausse dürfte diese Extranachfrage allerdings nicht ausreichen.
Im Gegenteil: Vor allem im ersten Halbjahr werde die volkswirtschaftliche Abkühlung in den USA und Europa eine "Welle von Gewinnenttäuschungen" bringen, sagt HSBC-Stratege Christian Heger. Er sieht vor allem Banken, die mit den Folgen der Kreditkrise zu kämpfen haben, und zyklische Branchen wie die Auto- oder Stahlindustrie gefährdet. Auf das Jahr gesehen werde die Gewinnentwicklung in den Industrieländern "allenfalls eine schwarze Null" ergeben. Angesichts der in diesem Jahr erreichten Rekorde wäre das zwar immer noch respektabel, die Bewertung von Aktien würde sich aber verschlechtern.
Ähnlich sieht das die Fondsgesellschaft Fidelity und empfiehlt eine defensive Strategie: "Standardwerte bieten das attraktivste Chancen-Risiko-Verhältnis", sagt Alexander Scurlock, Manager des Fidelity European Growth Fund. Es komme allerdings auf eine gezielte Auswahl der Einzeltitel an. In fast allen Branchen seien Unternehmen mit soliden Bilanzen und freien Mitteln für Investitionen zu finden.
Europäische Aktien seien besser als amerikanische, aber auch die asiatischen Aktienmärkte böten gute Chancen. Nicht nur, weil dort die Wirtschaft wächst. Es gab dort bislang kaum kreditfinanzierte Fusionen und Übernahmen, sodass die Kreditkrise sich weniger negativ auswirkt.
Anleihen - Höhere Risikoprämien
Anleihen - Höhere Risikoprämien
Für Aktien spricht vor allem der Mangel an Alternativen. Nach wie vor ist die erwartete Rendite von Anleihen deutlich niedriger. Trotzdem lassen sich auch im Rentenmarkt Erfolg versprechende Investments finden.
Die Kreditkrise hat in diesen Markt besonders viel Bewegung gebracht. Wegen der zunehmenden Kreditausfälle ist das Risikobewusstsein zurückgekehrt: Die historisch niedrigen Risikoaufschläge für Junkbonds steigen wieder, sind aber längst noch nicht hoch, meint Heger von HSBC. Er empfiehlt, High-Yield-Anleihen weiterhin unterzugewichten, weil das höhere Ausfallrisiko immer noch schwerer wiege als das magere Renditeplus.
Die neue Inflationsangst führe dazu, dass die Zinsstrukturkurve wieder steiler werde: Denn bislang waren die Zinsen für langfristige Anleihen kaum höher oder sogar niedriger als für kurzfristige. Diese ungewöhnliche Situation hat sich nun umgekehrt. Weil sie die latente Inflation fürchten, verlangen die Anleger eine höhere Risikoprämie für langfristiges Investment. Doch zehnjährige Staatsanleihen aus Europa und den USA brächten nur gut vier Prozent als Ertrag, sagt Heger voraus. Das sei nur etwas für Trader, die an kurzfristigen Kursunterschieden verdienen.
Angesichts der schwachen Rendite sind Nischenprodukte im Trend: Die belgische Bank Fortis hält inflationsindexierte Anleihen für interessant und glaubt, dass Wandelanleihen von der hohen Volatilität profitieren: Mit Anleihen, die sich in Aktien umwandeln lassen, können Anleger an den Chancen des Aktienmarkts teilhaben, ohne das dazugehörige Risiko voll einzugehen. Allerdings werde auch das Angebot an Wandelanleihen zunehmen.
Währungen - Ein Bond-Geheimtipp
Währungen - Ein Bond-Geheimtipp
Als möglichen "Geheimtipp" sieht HSBC-Mann Christian Heger in lokaler Währung emittierte Anleihen aus Schwellenländern. Viele dieser Länder hätten nicht nur ein hohes Zinsniveau, die früher labile wirtschaftliche Situation sei in vielen Fällen einer Position der Stärke gewichen: Die Staaten halten ihre Etats im Plus, gleichzeitig fahren die Volkswirtschaften hohe Handelsbilanzüberschüsse ein.
Daraus ergibt sich ein Aufwertungsdruck auf die lokalen Währungen im Vergleich zu Dollar und Euro - nicht nur, weil Merkel, Bush und Kollegen etwa die chinesische Regierung zur Aufwertung des Yuan drängen. Von einer solchen Aufwertung würden die Anleger in Lokalwährungsanleihen zusätzlich zum Zinsertrag profitieren.
Spannend bleibt auch die Entwicklung des Wechselkurses zwischen Dollar und Euro . Während Jürgen Michels, Chefvolkswirt der Citigroup in Deutschland, zu Jahresbeginn einen Anstieg auf bis zu 1,57 Dollar je Euro für möglich hält, verkündet Marco Bargel von der Postbank das Ende der fünfjährigen Abwertung des Dollar: Zum Jahresende werde der Euro nur noch 1,35 Dollar kosten. Voraussetzung dafür wäre allerdings, dass die Wirtschaft der USA schon im Sommer wieder stärker wächst als die der Euro-Zone. Mit dem von Heger skizzierten Szenario schneller sinkender US-Zinsen würde das schlecht zusammenpassen.
Immobilien - Chancen in Deutschland
Immobilien - Chancen in Deutschland
Immobilien waren in diesem Jahr ein schwieriges Investment: In den USA platzte die Hauspreisblase, in Spanien und Großbritannien zeigten sich erste Anzeichen für eine ähnliche Entwicklung. Aktien von Immobiliengesellschaften, zuvor die Mode der Saison, verloren noch deutlicher an Wert als die gebeutelten Finanztitel. Um Reits (Real Estate Investment Trusts), ausgerechnet in diesem Jahr offiziell in Deutschland eingeführt, ist es still geworden.
Da eine Preisblase am Immobilienmarkt in der Regel nur langsam Luft ablässt statt mit einem Knall zu platzen, wagt niemand für das kommende Jahr große Anlagechancen zu verheißen.
2008 werde die Suche nach Substanzwerten an kleineren Märkten im Vordergrund stehen, prophezeit Patrick Sumner von Henderson Global Investors. Aus Sicht der Fondsgesellschaft spreche beispielsweise viel dafür, europäische Einkaufszentren mit Fachgeschäften überzugewichten. Auch auf osteuropäische Bauträger setze man, weil es dort einen hohen Ersatzbedarf an Wohnungen und Ladenflächen gebe.
Chancen könnten sich auch in Deutschland auftun. Die Analysten von Jones Lang LaSalle platzieren den Frankfurter Büroimmobilienmarkt auf ihrer Immobilienuhr auf kurz nach sechs. Das heißt, dort geht der Boom mit beschleunigtem Mietpreiswachstum erst richtig los, während Hongkong oder Moskau auf den Wendepunkt zusteuern.
Rohstoffe - Zu viel Spekulation
Rohstoffe - Zu viel Spekulation
Wirklich reich werden konnte man in den vergangenen fünf Jahren mit Investments in Rohstoffe. Gold , Silber, seltenere Edelmetalle, auch Agrarprodukte wie Zucker oder Orangensaftkonzentrat, Energieträger wie Kohle, Öl oder Uran - alles, was sich handeln lässt, hat seinen Wert vervielfacht.
Solange der Hunger Chinas und Indiens nach Öl und Metall zunimmt, das Angebot aber nicht mit der Nachfrage wachsen kann, drückt der Markt auf höhere Preise. Das ist aber nur einer der Faktoren, die zum aktuellen Superzyklus geführt haben. Die phänomenale Wertentwicklung hat viel damit zu tun, dass immer mehr Investoren sich spekulativ mit Rohstoffpositionen eindeckten und so den Trend verstärkten.
"Rohstoffe sind wenig attraktiv", urteilt trotzdem HSBC-Mann Heger. Die robuste Nachfrage verhindere zwar einen signifikanten Preisrückgang. Wer jetzt einsteigt, komme aber zu spät, müsse sich jedenfalls auf besonders raues Wetter einstellen: "Der hohe spekulative Anteil am jüngsten Preisanstieg sorgt für ein äußerst volatiles Umfeld, das eher zum Trading als zu langfristigen Engagements einlädt."