Finanzriese in Existenznot Lehman-Aktien verlieren weitere 40 Prozent
New York - Wegen panikartiger Verkäufe verloren die Lehman-Aktien gleich zu Beginn des US- Börsenhandels mehr als 38 Prozent an Wert gegenüber dem Vortag. Inzwischen haben sie über 41 Prozent an Wert eingebüßt.
Eine Aktie der viertgrößten US-Investmentbank kostet jetzt nur noch 4,47 Dollar. Allein seit Wochenbeginn verlor die Investmentbank damit rund 75 Prozent ihres Börsenwerts, seit Jahresbeginn sogar mehr als 90 Prozent. Umgerechnet beträgt der Verlust mehrere Milliarden Dollar.
Die Investmentbank kämpft hart mit den Folgen der Finanzmarktkrise. Sie hatte am Mittwoch einen Rekordverlust von 3,9 Milliarden Dollar für das dritte Geschäftsquartal bekanntgegeben. Bereits im zweiten Quartal hatte das Haus einen Verlust von 2,87 Milliarden Dollar hinnehmen müssen.
Die Bank will nun unter Hochdruck Konzernteile verkaufen. Hochriskante und notleidende Geschäfte im Immobilienbereich sollen zudem in eine separate börsennotierte Gesellschaft ("bad bank") ausgegliedert werden. Die angekündigten rettenden Schritte müssen aber zum Großteil noch endgültig verhandelt werden.
Laut Analysten läuft dem Institut bei seiner Suche nach frischem Kapital nun die Zeit davon. Je tiefer der Kurs fällt, desto weniger Geld dürfte die Investmentbank beim Einstieg neuer Investoren oder dem Verkauf von Sparten bekommen. Experten halten das Überleben der Bank deshalb für akut gefährdet.
Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Einstieg der Korean Development Bank (KDB) bei Lehman gescheitert ist. Ein Sprecher des südkoreanischen Staatsinstituts nannte als Grund Uneinigkeiten über die Konditionen der Transaktion sowie über das Umfeld auf den heimischen und internationalen Finanzmärkten.
Lehman ist nicht das erste große US-Institut, das durch die Kreditkrise in Existenznot gerät. Wegen ähnlicher Probleme hatte die fünftgrößte US-Investmentbank Bear Stearns im März unter dem Druck der amerikanischen Notenbank Fed ihrem Zwangsverkauf zustimmen müssen. Insider vermuteten, dass gezielt gestreute Gerüchte die Pleite der Traditionsbank beschleunigten.
An Wert verloren haben zudem die renommierten Finanzinstitute Merrill Lynch (minus 11 Prozent) und Goldman Sachs (minus 3 Prozent). In einem lebensbedrohlichen Abwärtsstrudel befand sich Washington Mutual, deren Kurs erneut um mehr als 15 Prozent auf unter zwei Dollar nachgab. Seit dem verschärften Ausbruch der Kreditkrise vor gut einem Jahr verlor die Bank über 90 Prozent ihres Börsenwerts.
Die landesweit größte Sparkasse mit Sitz in Seattle erlitt in den vergangenen drei Quartalen wegen der Kreditkrise Milliardenverluste. Zu Wochenbeginn wechselte sie ihren Chef aus und steht nun unter verschärfter Aufsicht der Behörden. Die Märkte spekulieren bereits über ein staatliches Eingreifen, eine Übernahme oder gar eine Pleite des Kreditinstituts.
ssu/dpa