Firmenumfrage Deutsche Unternehmen setzen auf 2010
Hamburg - Deutsche Firmen zeigen trotz Flaute Optimismus: Für das Jahr 2010 erwarten gut 60 Prozent eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage - jedes neunte Unternehmen rechnet sogar mit einem deutlichen Aufschwung. Das zeigt eine Emnid-Umfrage für die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). Knapp 200 der 500 nach Mitarbeiterzahl größten deutschen Unternehmen wurden dafür befragt.
Vor allem Gesundheitsdienstleister sind gut durch die Krise gekommen und blicken positiv in die Zukunft: Platz eins des "Optimisten-Indexes" geht an den Pflegeproduktspezialisten Paul Hartmann. Das Unternehmen stellt Pflaster, Verbände und Hygiene-Artikel für Krankenhäuser und Arztpraxen her. Der Index basiert auf einem Durchschnittswert der firmeneigenen Selbsteinschätzungen von Beschäftigungsentwicklung, prognostizierter Nachfrage, Erreichen der finanziellen Ziele und den Forschungs- und Entwicklungsausgaben.
An zweiter Stelle folgt der Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care Deutschland. Überraschend: Rang drei belegt die Firma Valeo, ein Unternehmen aus dem krisengeschütteltem Zuliefersektor für Automobile.
Neben den Gesundheitsdienstleistern sind vor allem Industrieunternehmen besonders optimistisch für das kommende Jahr - etwa 76 Prozent glauben an einen Aufwärtstrend. Im Handel blicken dagegen 53 Prozent und in der Dienstleistungsbranche nur 47 Prozent der Befragten so positiv in die Zukunft. Nur etwa 20 Prozent aller befragten Unternehmen befürchten, dass es auch 2010 mit der Wirtschaft weiter bergab geht.
Es kann nur noch aufwärts gehen
"Die überdurchschnittlich hohen Erwartungen der Industrieunternehmen an das Jahr 2010 sind auch eine Folge der aktuell schwierigen Branchensituation", sagt Norbert Winkeljohann, Mitglied des PwC-Vorstands. Bei vielen könne es nach dem steilen Absturz nur noch aufwärts gehen.
Das bestätigen auch die Umfrageergebnisse. Denn wenn es um das Jahr 2009 geht, sind die Industrieunternehmen nur verhalten optimistisch. 65 Prozent der Befragten bewerten ihre gegenwärtige Lage mit "weniger gut" bis "schlecht" - viele Unternehmen leiden unter massiven Auftragseinbrüchen.
Weitaus positiver schätzen dagegen Handelsunternehmen die aktuelle Position ein. Über die Hälfte bewerten die eigene Situation mit "sehr gut" oder "eher gut". Am besten schneiden Dienstleistungsunternehmen ab - hierzu gehören zum Beispiel Verkehrsbetriebe oder der Bereich Healthcare. Rund 60 Prozent schätzen die derzeitige Lage positiv ein.
Bei der Frage, ob das Unternehmen die gesteckten Budgetziele erreicht, gibt es ein gespaltenes Bild: Nur eine kleine Minderheit von zwei Prozent wird vermutlich besser als erwartet abschneiden. Immerhin die Hälfte erreicht nach eigenen Einschätzungen das geplante Budget - mit 43 Prozent geht aber ein Großteil der Firmen davon aus, dass die Ziele verfehlt werden.
Die Entwicklung für das laufende Geschäftsjahr spiegelt vor allem das schlechte Abschneiden des Industriesektors wieder: Es herrscht hier wenig Optimismus, die für 2009 gesteckten Ziele zu erreichen. 57 Prozent der Industrieunternehmen werden nach eigenen Angaben schlechter abschneiden. Die Konsequenz ist massiver Personalabbau: 64 Prozent der Befragten erwarten, dass Mitarbeiter den Betrieb verlassen müssen.
Die Krise bringt nach der Umfrage aber auch Vorteile für die Industrieunternehmen: 45 Prozent rechnen in diesem Jahr mit sinkenden Rohstoff- und Energiekosten - und jedes zweite sogar mit generell niedrigeren Einkaufspreisen, zum Beispiel bei Vorleistungsgütern wie Verpackungen. Im Dienstleistungs- und Handelssektor sagen dagegen nur 30 beziehungsweise 16 Prozent der Unternehmen günstigere Beschaffungskosten voraus.