Flensburger Musterkoffer
Gouverneur William Asbury hatte schon eine Weile in der ersten Parkettreihe des Flensburger Stadttheaters Platz genommen, als sich Bruno Diekmann hastig daneben setzte. Es hatte schon lange zum dritten Male geklingelt. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister murmelte eine Entschuldigung.
Dann hob sich der Vorhang. Das Orchester auf der Bühne wies mit dänischer Melodien einführend auf den Exportgedanken hin. Flensburgs Oberbürgermeister I. C. Möller stellte sich hinter das an die Seite gequetschte Podium und stieß mit einer wohlgesetzten Festrede das »Flensburger Exportschaufenster zun Norden« auf.
Es zeigte sich, daß die Schaufensterdekoration bei Eröffnung der Messe noch nicht ganz fertig war. Oberbürgermeister Möller bat um Anerkennung des guten Willens von Ausstellern und Messeleitung Mr. Asbury übersah daher verständnisvoll noch Auspackende, Einrichtende und leere Stände. Ueber im Wege stehende Koffer setzte er sich mit der gleichen Großzügigkeit hinweg.
Der Flensburger Musterkoffer weist viele Lücken im Sortiment auf. Maschinen-Elektrotechnik, Optik und Chemie sind gut vertreten. Kunstgewerbe und Textilien füllen den größten Raum. Von den 40 Ausstellerfirmen kommen 20 aus Ostdeutschland. Die Textilhändler haben abgeschlossene Einzelräume. Das ist besonders praktisch für den Inter-Kojenhandel.
Die meisten ausländischen Gäste kommen aus Dänemark. Soweit der Sprit reicht, veranstalten sie in ihren modernen Wagen Trümmer-Trips in die zerbombten Städte, um das Gruseln zu lernen. Der Reiseverkehr von Dänemark klappt ausgezeichnet. Man frühstückt drüben, fährt rasch herüber und ist abends wieder zurück.
Mit den Geschäften ist es nicht weit her. Auf der letzten Flensburger Messe wurden für 20 Millionen Dollar Aufträge erteilt. Ganze 6000 Dollar davon sind bis jetzt realisiert. Die große Hoffnung für diesesmal ist der deutsche Handelsvertrag mit Dänemark.