Werbung Flieg mich
In exotischer Landschaft schwärmt eine malaysische Schönheit von einer Männerbekanntschaft in einem römischen Café: »Ich weiß nun, was er gern hat: ein wenig Zitronenschale in seinem Drink und Sauce auf dem Satay.«
Die auf einer ganzseitigen Anzeige gedruckte Love Story gehört zu einer Werbekampagne der »Malaysia-Singapore Airline« (MSA), in der auf die Reize des weiblichen Bordpersonals aufmerksam gemacht wird.
Auch Kaiser Haue Selassies Fluggesellschaft »Ethiopian Airlines« hofft auf die Zugkraft ihrer Stewardessen. Die Werbemanager der afrikanischen Luftlinie behaupten seit kurzem: »Wir haben die Hostess erfunden. 3000 vor Boeing.«
Mit dem Charme ihrer Borddamen locken seit einiger Zeit sowohl Fluggesellschaften der Dritten Welt als auch renommierte Luftreeder wie Swissair, KLM oder National Airlines. Obwohl der normale Tourist die Wahl einer Fluggesellschaft nicht vom Hostessen-Service abhängig macht -- nach Untersuchung der Lufthansa geben bei Buchungen ein »umfangreiches Flugnetz« und »häufige Verbindungen« den Ausschlag -, stellen Airlines-Manager ihre weiblichen Crews immer wieder in den Mittelpunkt von Werbefeldzügen. Denn die Charme-Offensiven gelten als probates Mittel, sich von der Konkurrenz abzuheben.
Tatsächlich haben es die rund 600 Fluggesellschaften der Welt schwer, mit Vorzügen zu brillieren, die der Konkurrenz fehlen. Die Luftfahrtgesellschaften fliegen nämlich in der Regel nicht nur dieselben Flugzeugtypen, sondern unterscheiden sich auch kaum in Flugpreisen und Service.
Für die Nivellierung des Angebotes sorgt die »International Air Transport Association« (IATA) der die meisten großen Flugunternehmen angehören. Die Verbandschefs haben einen umfangreichen Vorschriften-Katalog aufgestellt, in dem genau festgelegt ist, wie weit der Dienst am Kunden gehen darf.
So ist den Luftkutschern verboten, bei »grenzüberschreitenden Flügen« in der Touristenklasse auch nur eine einzige Flasche Bier gratis abzugeben. Selbst die Größe der Sandwiches ist genau vorgeschrieben, ebenso die Menge des Aufschnitts. Durch das strenge IATA-Reglement geben Preise und Bordservice kaum noch zugkräftige Werbeparolen her.
Auf die eindrucksvollste Reklamemunition, die niedrigen Unfallquoten der meisten Liniengesellschaften, verzichten die Luftschiffer zudem freiwillig. Denn ein ungeschriebenes Gesetz der Branche lautet: keine Publikumswerbung mit dem Thema Sicherheit. Besonders benachteiligt durch dieses Tabu sind jene Gesellschaften, die aus Staaten stammen, denen die Weltöffentlichkeit wenig Begabung für technische Leistung zutraut.
»Von afrikanischen und südostasiatischen Fluggesellschaften glauben viele Europäer einfach nicht, daß sie Flugzeuge ordentlich fliegen und einwandfrei warten können«, so Jeannette Polzer, Ethiopian-Airlines-Werberin bei der Züricher Agentur Advico-Delpire.
Nutznießer dieser Vorurteile sind laut Lufthansa-Direktor Dr. Malte Bischoff die »germanischen Luftlinien«, unter anderem Lufthansa, KLM, SAS, BEA. TWA, Pan Am, die bei vielen Touristen als technisch besonders gut und sicher gelten.
Trotz ihres Wettbewerbsvorsprungs mögen nordische Luftlinien auf Stewardessen-Rummel aber nicht verzichten. Dabei gelingt es ihnen freilich nicht immer, die Grenzen des guten Geschmacks zu wahren. Die englische Gesellschaft BOAC zum Beispiel mußte auf Intervention eines britischen Unterhausabgeordneten eine Anzeige zurückziehen. in der eine attraktive Hostess die zweideutige Frage stellte: »Wollen Sie bei mir landen?«
Ärger mit ihrer Stewardessen-Werbung bekam auch die amerikanische National Airlines. Als sie Ende vergangenen Jahres eine Kampagne startete, in der namentlich vorgestellte Servierdamen an die Adresse der Männer ein »fly me« richteten, gingen Amerikas Hausfrauen auf die Straße. Transparente mit Aufschriften wie »Stoppt den Mißbrauch der Frauen als Sexköder« und »National-Werbung erniedrigt die Frauen« vermochten die Manager bis heute nicht zu bewegen, die Kampagne zu stoppen.
In Zukunft wird es für die Werber der Luftfahrtfirmen jedoch immer schwieriger werden, dem Publikum ihr weibliches Bordpersonal als Sexbienen zu verkaufen. Grund: Stewardessen mit Filmstargesichtern und Idealmaßen von Schönheitsköniginnen werden rar. Bei den jungen Damen hat es sich herumgesprochen, daß die Tätigkeit an Bord körperlich Schwerstarbeit ist. Auf einem Nordatlantikflug zum Beispiel muß eine Hostess rund 300 Mahlzeiten servieren und dabei rund neun Kilometer laufen.
Da die Anziehungskraft des früheren Traumberufes stark nachgelassen hat, mußte die Lufthansa ihre Anforderungen an die Bewerberinnen für diesen Job von Jahr zu Jahr senken. Während die Gesellschaft früher nur jede dreißigste Kandidatin einstellte, engagiert sie heute jede zehnte Dienstwillige.
Dabei haben die Personalchefs die Auswahlkriterien für die Damen schon stark gemildert. So dürfen an Bord von Lufthansa-Maschinen heute verheiratete Stewardessen und selbst Brillenträgerinnen arbeiten. Inzwischen mußte das Unternehmen sogar das Höchstalter der Kabinenmädchen von 40 auf 55 Jahre heraufsetzen.
Die Werbestrategen der Lufthansa haben daraus Konsequenzen gezogen. Dr. Bischoff: »Stewardessen kann man nicht zum tragenden Thema einer Kampagne machen.«