Fliegende Boten - DER SPIEGEL
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KURIERE Fliegende Boten

Ein neuartiger Service macht's möglich: Wohlhabende Bundesbürger können nun auf der ganzen Welt einkaufen und trotzdem zu Hause bleiben. *
• aus DER SPIEGEL 3/1987
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Der Anrufer aus Hamburg-Altona hatte es eilig. Ganz schnell, so bat der Schiffsausrüster die Kurierfirma World Courier, brauche er ein Ersatzteil für eine Navigationslaterne. Sonst dürfe eine Bohrinsel nicht auslaufen, die dringend in der Nordsee gebraucht werde.

Die Kuriere konnten helfen. Sie informierten ihre Niederlassung in London. Ein Bote eilte ins nahe Maidstone zum Hersteller, besorgte das Ersatzteil und flog mit der Nachmittagsmaschine von London nach Hamburg. Am nächsten Morgen war die Lampe repariert. Wie geplant um 13 Uhr konnte die Bohrinsel den Hamburger Hafen am Haken von zwei Schleppern verlassen.

Das jüngste Angebot der flinken Kurierbranche wird »Purchase Service« genannt. Es ist ein ungewöhnlicher Einkaufsdienst.

Was bisher nur auf einem grauen Markt möglich war, daß nämlich schon mal Bedienstete von Fluglinien etwa Uhren und Parfum einschleusten, gedeiht nun zu einem ordentlichen Geschäft: Bei World Courier können Kunden beinahe alles ordern, was es auf der Welt zu kaufen gibt.

World Courier besorgt alles, »was in ein Flugzeug paßt«, sagt der Deutschland-Manager Wolfgang Frick, nicht nur Ersatzteile oder Warenproben. Wenn der Kunde mag, schleppt der Kurierdienst auch frischen Lachs, Kaviar, Austern und Trüffel heran oder Modellkleider aus Paris, Mailand und New York. Selbstverständlich werde auch »ein Teppich aus Teheran« beschafft.

In 40 Ländern unterhält World Courier 400 Niederlassungen mit 1500 Mitarbeitern. Die zwölf Zweigstellen in der Bundesrepublik werden von der Zentrale am Frankfurter Flughafen gesteuert.

Obwohl der Einkaufsservice noch ganz neu ist, berichtet Manager Frick von regen Geschäften.

So wurden schon Kaffeeproben aus Brasilien nach Hamburg geholt, in umgekehrter Richtung deutsche Kugellager nach Sao Paulo gebracht. Die Kuriere kauften Weihnachtsmänner aus Schokolade für einen Kunden in Paris und Brüsseler Brot für einen Belgier in Kanada. Der Wunschzettel der Kundschaft ist lang: Maschinenlager und Computerteile, Medikamente und Blutplasma, Fruchtsäfte und schon mal eine Hochzeitstorte.

Ein schwedischer Autofan ließ sich einen Spoiler für einen Mercedes 500 SEC nach Stockholm schicken, ein französischer Musikfreund verlangte nach zwei deutschen Lautsprecherboxen. Dessenungeachtet sind private Aufträge noch rar. Die großen Order kommen vorwiegend aus Industriebetrieben.

Für Privatpersonen ist der Service reichlich teuer. Beim Kauf des Ersatzteils in England beispielsweise verlangten die Kuriere neben dem Kaufpreis von 291 Mark weitere 1065 Mark für den Transport. »Wir besorgen alles«, sagt Frick, »lassen uns aber auch jeden Handschlag bezahlen.«

Dabei kommt einiges zusammen. Für die Strecke Frankfurt-New York liegt die Grundgebühr bei 550 Mark, für Hamburg-Paris bei 520 und für München-Tokio bei 635 Mark. Aufschläge gibt es für schweres Gut über drei oder sieben Kilo, für das Abholen und Ausliefern der Ware außerhalb der Flughafenstädte oder für Zollgebühren. Zusätzlich wird eine »Einkaufsgebühr« von 150 Mark fällig.

Zuweilen bremsen auch ganz normale Handelsschranken die fliegenden Boten. Der Import von frischen Lebensmitteln in die USA etwa ist nur schwer möglich.

Dem deutschen Bankmanager in New York beispielsweise, der so gern frischen Quark aus der Heimat mag, kann auch World Courier nicht helfen. »Bis wir damit durch den Zoll sind«, sagt Geschäftsführer Frick, »wäre der Quark längst sauer.«

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