Fluggesellschaften Lufthansa und Alitalia wollen kooperieren
Hamburg - Lufthansa und die kurz vor der Pleite stehende Fluggesellschaft Alitalia wollen einem Bericht zufolge von Mitte August an Gespräche über eine Zusammenarbeit führen. Die Zeitung "Il Sole 24 Ore" berichtet, dabei solle es um ein Bündnis für die Zeit nach einer Rettung der italienischen Fluggesellschaft gehen.
Nach Informationen aus der Bank Intesa Sanpaolo, die Alitalia berät, gilt Lufthansa als gute Ergänzung für die italienische Gesellschaft: Lufthansa wolle ihre Italien-Aktivitäten auf Mailand konzentrieren, während sich Alitalia zuletzt für eine Konzentration auf Rom als Drehkreuz entschieden hatte. Der ehemalige Alitalia-Kaufinteressent Air France/KLM sei dagegen nur noch zweite Wahl für eine Kooperation, schreibt das Blatt. Nach dem Scheitern der Verkaufsverhandlungen mit Air France/KLM war die italienische Regierung mit einem Notkredit in Höhe von 300 Millionen Euro eingesprungen, um Alitalia zu retten.
Eine Lufthansa-Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren. Finanzchef Stephan Gemkow hatte den italienischen Markt vergangene Woche als "wichtig und spannend" bezeichnet.
Wie das Blatt "Il Giornale" berichtete, soll Alitalia von Privatinvestoren eine Geldspritze in Höhe von einer Milliarde Euro erhalten. Jeder der Beteiligten solle im Zuge eines von Intesa Sanpaolo entworfenen Rettungsplans 50 Millionen bis 100 Millionen Euro beisteuern. Bislang war in den Medien von einer Gesamtsumme von bis zu 800 Millionen Euro die Rede gewesen. Intesa Sanpaolo war von der Regierung unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi damit beauftragt worden, einen Sanierungsplan auszuarbeiten.
Fusion mit Air One soll Alitalias Marktanteil vergrößern
Wie die Zeitung weiter berichtet, ist zudem eine Fusion mit dem kleineren Rivalen Air One vorgesehen. Auf diese Weise solle Alitalia seinen Marktanteil in Italien von 40 Prozent auf 62 Prozent ausweiten. "Il Giornale" befindet sich im Besitz von Berlusconis Bruder.
Erst kürzlich hatten British Airways (BA) und die spanische Airline Iberia ihre Fusionspläne bekanntgemacht. BA, deren Gewinn wegen der hohen Kerosinpreise und des Kundenschwunds im ersten Quartal um 88 Prozent eingebrochen war, will ebenso wie Iberia durch den Zusammenschluss im "derzeit schwierigen Wirtschaftsumfeld" bestehen und "Synergien nutzen".
Der Chef der irischen Billigfluglinie Ryanair, Michael O'Leary, sprach kürzlich von einer Konsolidierungswelle auf dem Markt. "In fünf Jahren wird es in Europa nur noch fünf große Fluggesellschaften geben - darunter Ryanair", tönte O'Leary. "Wir werden in diesem Winter Pleiten sehen."
Lufthansa sucht derzeit nach Partnern, um sich für den Wettbewerb zu rüsten. Außer Alitalia gilt die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft Austrian Airlines (AUA) als Übernahmekandidat. Lufthansa hat mehrfach Interesse signalisiet. Die Regierung in Wien hat die Privatisierung von AUA beschlossen und will seinen Anteil von 42,75 Prozent reduzieren. Allerdings soll eine Sperrminorität von 25 Prozent plus eine Aktie in Österreich verbleiben.
"Mittelfristig überleben nur fünf Airlines eigenständig"
Eine Kooperation zwischen Lufthansa und Alitalia sieht Stefan Schöppner, Analyst bei der Dresdner Bank, als folgerichtigen ersten Schritt. "Lufthansa wird sich später nur mit Kapital beteiligen, wenn die Italiener den Laden vorher aufräumen", sagte er SPIEGEL ONLINE.
Auch Schöppner rechnet damit, dass in Europa mittelfristig nur fünf Airlines "eigenständig überleben" - andere Fluggesellschaften werden sich mehr oder weniger stark an diese fünf andocken. Als die großen Fünf nennt er Lufthansa, BA, Air France/KLM sowie die beiden Billigflieger Ryanair und Easyjet .
Erfahrungen mit der Übernahme von angeschlagenen Fluggesellschaften hat Lufthansa bereits gemacht: Die Airline übernahm vor drei Jahren die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft Swiss und führte diese erfolgreich unter dem alten Markennamen weiter.
kaz/Reuters/dpa