Flughafen BER: Ramsauer will Anwälte und Wirtschaftsprüfer einschalten - DER SPIEGEL
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Bau-Chaos BER Ramsauer schaltet Anwälte und Wirtschaftsprüfer ein

Rund um den Bau des Hauptstadt-Flughafens gibt es Vorwürfe, Rücktritte, Rauswürfe. Aber niemand will für das Desaster verantwortlich sein. Verkehrsminister Ramsauer setzt nun externe Experten auf die Suche nach den Schuldigen an.
Flughafenbaustelle: Wer hat's verbockt?
Flughafenbaustelle: Wer hat's verbockt?

Flughafenbaustelle: Wer hat's verbockt?

Foto: Patrick Pleul/ dpa
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Berlin/Potsdam - Peter Ramsauer zeigt sich unverdrossen optimistisch: Mit dem Hauptstadtflughafen, das wird noch was. Am Sonntagabend mühte sich der Verkehrsminister den Bürgern zu erklären, dass finanziell am Ende auf jeden Fall kein Desaster dabei herauskommen werde. Der geplante Airport werde die pannenbedingten Mehrkosten in Zukunft wieder einspielen. "Was zusätzlich an Kapital hineinfließt vom Steuerzahler, das muss hinterher im Betrieb des Flughafens auch wieder verdient werden. Das fließt also zurück", sagte er am Sonntag in der ZDF-Sendung "Berlin direkt". Er kündigte an, externe Anwälte und Wirtschaftsprüfer aufklären lassen, wer für das Desaster verantwortlich ist.

"Sämtliche Haftungsfragen und Verantwortlichkeiten werden geklärt. Das gilt auch für das Flughafenmanagement und den Aufsichtsrat", kündigte der CSU-Politiker zudem in der "Bild am Sonntag" an. Schadenersatzforderungen schließt er dabei nicht aus.

Womöglich war er selber schon deutlich vor Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit über die bevorstehende erneute Verschiebung der Eröffnung informiert. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es entsprechende Hinweise darauf, dass er bereits am 19. Dezember unterrichtet war.

Mittlerweile will sich Ramsauer nicht einmal mehr auf das Jahr 2014 als Eröffnungstermin festlegen. "Es wäre völlig vermessen und verantwortungslos, jetzt schon einen neuen Termin für eine Inbetriebnahme zu nennen", sagte der CSU-Politiker der "Bild am Sonntag". "Es müssen planerisch viele Veränderungen erfasst und umgesetzt werden." Jetzt sei es an der Zeit, genau zu hinterfragen, zu analysieren und Lösungswege zu skizzieren. "Am Ende kann 2014 rauskommen, genauso aber ein anderes Datum."

Wowereit zog den Rahmen noch breiter. Er zeigte sich sicher, dass der Airport noch während seiner Amtszeit eröffnet wird; 2016 ist Abgeordnetenhauswahl. Am Samstag scheiterte im Parlament ein Misstrauensvotum der Opposition gegen Wowereit.

Ramsauer für Flughafen-Erweiterung

Ramsauer plädierte dafür, die durch die Bauverzögerungen gewonnene Zeit zu nutzen, um den Flughafen noch vor der Eröffnung zu erweitern: "In Tegel und Schönefeld haben wir rund 25 Millionen Passagiere im Jahr. Mit dem BER können wir 27 Millionen bewältigen. Das heißt: Der BER ist von Anfang an stark ausgelastet. Wir können den Terminalbereich aber deutlich ausbauen, für zusätzlich zehn Millionen und mehr Passagiere."

Für den Rücktritt Wowereits vom Aufsichtsratsvorsitz der Flughafengesellschaft habe er Respekt, sagte Ramsauer am Abend. Die Kritik aus der Union an der Berufung von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) zu Wowereits Nachfolger teile er nicht. Dieser könne sicher sein, "dass er die volle Unterstützung hat bei der Ausübung seines Amtes und er hat auch die Unterstützung von neuen tüchtigen Fachleuten, die wir ihm an die Seite stellen". Platzeck war bisher Wowereits Stellvertreter in dem Kontrollgremium.

Laut einem "Focus"-Bericht soll der Brandenburger allerdings den Aufsichtsrat nur vorübergehend führen und später durch einen erfahrenen Experten ersetzt werden. Die Potsdamer Staatskanzlei wies die Darstellung umgehend zurück. Platzecks Wahl steht am kommenden Mittwoch an. An diesem Montag stellt er sich im Landtag einem Vertrauensvotum.

Schwere Vorwürfe vom Architekten

Inzwischen erhebt der Architekt des Pannenflughafens schwere Vorwürfe gegen die Berliner Flughafengesellschaft. Deren Arbeit habe sich als "großangelegte Täuschung herausgestellt", heißt es in einem Schriftsatz der Anwälte des Hamburger Star-Baumeisters Meinhard von Gerkan.

Die Manager hätten mit ständigen Umbauwünschen den Bauablauf "regelrecht zerschossen", zitiert DER SPIEGEL aus dem Schreiben. Überdies hätten sie "wider besseres Wissen gegenüber ihrem eigenen Aufsichtsrat und der Öffentlichkeit" suggeriert, dass der Terminal "pünktlich und innerhalb des Wunschbudgets fertig werden könne".

Die Flughafengesellschaft hatte Gerkans Architekten, die Teil der Planungsgemeinschaft pg bbi waren, im Mai entlassen und wenig später wegen angeblich massiver Fehlplanung verklagt. In einer 99-seitigen Klageerwiderung werfen die Architekten ihrem ehemaligen Auftraggeber nun vor, das Termin- und Finanzchaos selbst verursacht zu haben. Ein Flughafensprecher wies die Darstellung am Sonntag zurück und bekräftigte die Kritik der Gesellschaft an der Arbeitsweise des Architektenbüros, dem mittlerweile gekündigt wurde.

ler/dpa/dapd