Flughafen Frankfurt Gefahr im Keller
Die Beseitigung schwerer Brandschutzmängel bringt die Fraport AG, Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens, in finanzielle Bedrängnis. Im Investitionsplan des Unternehmens sind in diesem Jahr gut 300 Millionen Euro zur "Erfüllung von behördlichen Auflagen" im Terminal 1 vorgesehen. Dies ist mehr als ein Drittel des beim Börsengang im Juni 2001 erzielten Nettoerlöses von 863 Millionen Euro. Insider gehen davon aus, dass die Modernisierung des Brandschutzes in den kommenden fünf Jahren mindestens weitere 250 Millionen Euro verschlingen wird. Für den Fraport-Vorstand kommt die Misere nicht überraschend. Seit 1997 halten die Flughafenmanager eine Studie des Wuppertaler Brandschutzexperten Wolfram Klingsch unter Verschluss, die auch im Fraport-Börsenprospekt verschwiegen wurde. Klingsch schätzte das Brandrisiko im Terminal 1 als ernst ein: Schon bei kleineren lokalen Bränden entstünde "ein so hohes Risiko, dass dieses als Existenz gefährdend" für den "gesamten Flughafen anzusehen ist". Dringender Handlungsbedarf besteht laut Bauaufsicht unter anderem in den Abfertigungshallen; sie werden jährlich von mehr als 40 Millionen Passagieren frequentiert. Dort existiert noch immer keine Rauchabführung. Im Ernstfall könnte dies zur tödlichen Falle werden. Die Sanierung wird deshalb als "Mussinvestition" eingestuft. Auch die Kabelstränge sind laut Gutachten in einem desolaten Zustand. So sei die Sicherheitsbeschichtung vieler Kabel "stark beschädigt oder nicht vorhanden".
Fraport kann indes keine Versäumnisse erkennen. Der Sprecher Klaus Busch zählt die Brandgefahr zu "den allgemeinen Risiken", denen jeder Großbetrieb ausgesetzt sei. Deshalb sei eine Erwähnung im Börsenprospekt nicht erforderlich gewesen. Außerdem seien die im Gutachten aufgelisteten Mängel "unverzüglich bearbeitet" worden. Bisher habe die Fraport AG für den Brandschutz im Terminal 1 rund 100 Millionen Euro aufgewendet.