Flugzeugbau: Boeing-Manager sieht Airbus auf Platz eins - DER SPIEGEL
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Flugzeugbau Boeing-Manager sieht Airbus auf Platz eins

A380-Verzögerung, Fehlentwicklung beim A350 - der europäische Flugzeugbauer Airbus machte in der letzten Zeit eher mit Krisenmeldungen Schlagzeilen. Der Geschäftsentwicklung tat das offensichtlich keinen Abbruch - ein Boeing-Manager sieht den europäischen Flugzeugbauer beim Absatz vorn.
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Paris - Im Gerangel um den Status der Nummer eins auf dem Weltmarkt zogen beide Rivalen bislang noch jeden abseitige Statistik aus dem Hut, um die eigene Vorherrschaft zu untermauern. Umso überraschender ist das Eingeständnis, das jetzt Scott Carson, Chef der Boeing Commercial Airplanes, gegenüber der französischen Tageszeitung "Le Monde" machte: Airbus werde Boeing in diesem Jahr voraussichtlich überflügeln, sagte er. Die EADS-Tochter werde wohl höhere Neubestellungen und Auslieferungen als Boeing ausweisen.

Ganz ohne Einschränkungen wollte aber auch Carson die Niederlage nicht stehenlassen. Das Jahr sei noch nicht vorüber, erklärte er. Bis Ende November hatte der US-Konzern 1049 Neubestellung verbucht. Außerdem sei ein verlorenes Jahr noch nicht das Ende des Wettbewerbs. Boeing werde 2008 bei Bestellungen und Auslieferungen ein Wachstum verzeichnen, aber hinter dem Rekordjahr 2006 zurückbleiben.

Ungeachtet der guten Verkauflage steht bei Airbus zurzeit jedoch eher das Krisenmanagement im Vordergrund. Der schwache Dollar könnte den Flugzeugbauer sogar dazu zwingen, die geplanten Verkäufe von Airbus-Werken auf Eis zu legen. "Die Idee nimmt Gestalt an, muss aber vom Board of Directors abgesegnet werden", zitierte die französische Tageszeitung "Le Figaro" heute eine mit der Sache vertraute Person.

Ein EADS-Sprecher erklärte allerdings, es gebe keinen neuen Sachstand. "Es ist nach wie vor erklärte Absicht, bis Jahresende eine Entscheidung zu fällen." In der Branche wird erwartet, dass die Werksverkäufe Thema der morgigen Sitzung des Verwaltungsrates (Board of Directors) sein werden.

Im Rahmen des Sanierungsprogramms Power8 für die Tochter Airbus sollen sechs der 16 Werke abgegeben werden. Zusätzlich steht das EADS-Werk in Augsburg auf der Verkaufsliste. Insgesamt gibt es vier Interessenten. Bei den deutschen Werken im niedersächsischen Varel und Nordenham, die im Verbund mit Augsburg abgegeben werden sollen, sind die Tochter des Bremer Raumfahrtunternehmens OHB, MT Aerospace, und der US-Konzern Spirit im Rennen.

Da Spirit vor einigen Jahren aus Werken von Boeing entstanden ist und daher nach wie vor eine große Nähe zum Airbus-Hauptkonkurrenten hat, ist ein Verkauf an den US-Konzern umstritten. OHB kann den Erwerb der Werke jedoch nicht alleine stemmen und braucht finanzielle Unterstützung. Airbus hat stets betont, dass der Nutzen für Airbus das wichtigste Kriterium beim Verkauf der Werke ist. Eine "politische Kuschellösung" aus nationalen Rücksichtnahmen lehnt Airbus-Chef Tom Enders ab.

Auf wenig Verständnis für den Verkauf der Werke stößt Airbus bei den Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft IG Metall. Diese unterstrich gestern noch einmal ihre Forderung nach Kündigungsschutz sowie Standortgarantien und drohte erneut mit Streik. Angesichts der vollen Auftragsbücher könnte Airbus schwerlich als Sanierungsfall bezeichnet werden.

mik/Reuters/AP

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