Flutfolgen im Dax Rückversicherer unter Druck
Frankfurt am Main/München - Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien der Münchener Rück , die im Verlauf rund zwei Prozent verloren. Die Titel von TUI und Lufthansa gaben 1,7 Prozent beziehungsweise 0,7 Prozent nach. Allianz-Titel verloren 0,6 Prozent. Im MDax waren mit zunächst mehr als zwei Prozent Abschlag die Aktien von Hannover Rück die größten Verlierer, erholten sich im Verlauf aber wieder etwas.
Der Dax kletterte dessen ungeachtet zur Eröffnung um drei Punkte auf 4254 Punkte, womit der Aktienindex rund einen Zähler über seinem bisherigen Jahreshoch notierte. Allerdings bröckelte der Index anschließend rasch fünf Zähler ins Minus.
Das Ausmaß möglicher finanzieller Belastungen für die deutschen Rückversicherer im Zuge der Flutwellen-Katastrophe in Südasien blieb zunächst offen. Die Hannover Rück, Nummer vier der Branche weltweit, äußerte sich am Montagmorgen nicht dazu, ob durch die massiven Schäden in der Region das Gewinnziel für das Gesamtjahr 2004 in Frage stellen könnten.
"Wir haben noch keine Zahlen parat", sagte ein Hannover Rück-Sprecher am Montag. Womöglich werde der Konzern im Tagesverlauf erste Angaben machen können. "Zahlen werden wir aber sicherlich noch nicht haben. Das kann noch einige Zeit dauern." Auf die Frage, ob durch die Katastrophe das Gewinnziel von 300 Millionen Euro im Gesamtjahr 2004 gefährdet ist, sagte der Sprecher: "Das kann ich derzeit leider noch nicht sagen."
Ähnlich äußerte sich die Münchener Rück zu möglichen finanziellen Folgen. "Wir können das im Moment nicht seriös einschätzen", sagte ein Konzernsprecher am Montag in München. "Ich gehe aber davon aus, dass wir im Lauf des Vormittags mehr sagen können."
Grundsätzlich schätze die Münchener Rück das Schadensvolumen eher geringer als bei einem großen Hurrikan ein. Hintergrund sei, dass bei Flutwellen lediglich die Küstenregion, nicht aber das Landesinnere betroffen sei. Ob das Gewinnziel 2004 der Münchener Rück von 1,8 bis zwei Milliarden Euro durch die Katastrophe gefährdet ist, konnte der Sprecher nicht sagen.
Geringe Sicherung gegen Naturkatastrophen
Es gilt in der Branche als eher unwahrscheinlich, dass die Flutwelle, von der unter anderem Indien, Indonesien, Sri Lanka, Malaysia, Bangladesch und Thailand betroffen sind, die Rückversicherer schwer belasten wird. In diesen Ländern ist die Abdeckung von Naturkatastrophen durch Versicherungspolicen in aller Regel weitaus geringer als in der westlichen Welt.
Die Konzerne hatten in diesem Jahr bereits unter erheblichen Mehrbelastungen durch ungewöhnlich heftige Wirbelstürme in den USA zu leiden. Diese hatten Milliardenschäden angerichtet. Durch die Flutwellen nach dem schwersten Erdbeben seit vier Jahrzehnten sind nach vorläufigen Schätzungen mindestens 14.000 Menschen ums Leben gekommen.
Lufthansa nicht betroffen
Für die Deutsche Lufthansa ist bisher noch kein direkter wirtschaftlicher Schaden aus der Flutkatastrophe im Indischen Ozean erkennbar. Die betroffenen Regionen seien typisch touristische Ziele, die Lufthansa gar nicht anfliege, sagte eine Unternehmenssprecherin am Montag auf Anfrage. Daher seien im Zusammenhang mit dem Unglück bisher auch keine Flüge gestrichen worden.
Keine Panik an den asiatischen Märkten
An den asiatischen Börsen hat das Beben vorerst keine heftigen Reaktionen ausgelöst. Die Geschäfte liefen am ersten Handelstag nach der Katastrophe "fast wie gewohnt", sagte ein Händler. Weder in Bangkok, noch in Jakarta - die Handelsplätze der mit am schwersten betroffenen Länder - habe es Anzeichen für Panik gegeben. Auch die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag wenig verändert. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab lediglich 3,13 Punkte oder 0,03 Prozent auf 11.362,35 Punkte ab - das erste Minus seit 6 Tagen.
Zwar wurden einige Titel der Reisebranche nach der Naturkatastrophe vom Sonntag abgestoßen. Doch die Auswirkungen auf die Börse scheinen sich fürs erste in Grenzen zu halten, sagte ein Händler in Tokio. Einige Analysten hatte zuvor befürchtet, dass das Beben Kursrückgänge im ganzen asiatischen Raum auslösen könnte.