Fluxx.com Immer noch regiert die Phantasie
Frankfurt am Main - Nach dem Börsencrash beschränken sich die Unternehmen nun auf die Bekanntgabe finanzieller Fakten, anstatt mit großartigen Fantasie-Planzahlen den eigenen Kurs in luftige Höhen zu treiben - das hoffte man zumindest. Fluxx.com jedoch betreibt mit einer geradezu phantastischen Ad-hoc-Meldung eher eine Politik des Marktschreiens. Von einem "Umsatzpotenzial für web.de und fluxx.com" von "über 800 Millionen Mark im Jahr" ist in der Meldung über die künftige Kooperation die Rede. Bei näherem Hinsehen stellt sich allerdings heraus, dass diese Zahl lediglich den jährlichen Gesamtausgaben der web.de-Nutzer für Lotterien entspricht.
Fluxx.com geht selbst davon aus, lediglich einen Bruchteil dieser Wettausgaben für ihr Online-Angebot zu gewinnen. Man rechnet großzügig mit 30 Prozent. Doch damit reduziert sich das angekündigte Potenzial gleich auf 240 Millionen Mark.
Da der Vorstandsvorsitzende von fluxx.com auf der Hauptversammlung am Donnerstag für 2002 eine Umsatzplanung in der Größenordnung von 100 Millionen Mark bekannt gab, sieht man die Chancen wohl tatsächlich deutlich niedriger. Was soll also eine Unternehmensmeldung, die dem Anleger suggeriert, er könne mit zusätzlichen 800 Millionen Mark Umsatz bei web.de und fluxx.com rechnen?
Hat man dort noch nicht gelernt, was es an der Börse für den eigenen Kursverlauf bedeutet, unerfüllbare Erwartungen zu wecken? Der zeitweilige Anstieg des Aktienkurses um zwei Drittel im Tagesverlauf nach der Meldung spiegelt jedenfalls die hohen Erwartungen der Anleger wider. Die unglücklichen Aktionäre, deren Interesse an fluxx.com so weit ging, die Hauptversammlung zu besuchen, konnten nicht einmal von diesem Hype profitieren, denn deren Anteile waren naturgemäß während der Teilnahme an der Versammlung bei der Bank "hinterlegt", also blockiert.
Die somit reduzierte Anzahl der handelbaren Aktien trug sicher auch zur kurzfristigen Kursexplosion bei. Also war die Meldung gleich zweifach ungeschickt platziert. Und ein Hinweis darauf, dass die Kooperation erst später im Jahr gestartet werden soll, wäre ebenfalls angebracht gewesen.
Torsten Wolf, vwd