Fördererhöhung Opec will Irak-Schock vermeiden
Wien - Schon jetzt liegt der Preis für Rohöl bei fast 30 Dollar pro Barrel, im Falle eines Irak-Krieges dürfte er weiter steigen. Auch der Rückgang der Fördermenge durch den lang anhaltenden Generalstreik in Venezuela führt zu einer Verknappung des Angebotes. Vor diesem Hintergrund haben die Ölminister der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) am Sonntag eine Erhöhung der Förderung beschlossen - das maximales Förderlimit von 23 Millionen Barrel pro Tag soll auf 24,5 Millionen Barrel steigen. Die zusätzliche Menge von 1,5 Millionen Barrel (1 Barrel entspricht 159 Liter) wird auf die zehn Opec-Staate außer Irak aufgeteilt, den bereits vereinbarten Quoten entsprechend.
Praktisch wird damit allerdings der Rückgang der Förderung durch den Streik in Venezuela nicht einmal aufgefangen. Dieser wird auf rund zwei Millionen Barrel pro Tag geschätzt. Die Aufstockung der Förderung um 1,5 Millionen Barrel dürfte nach Ansicht von Experten ohnehin nicht erreicht werden, weil einige der Opec-Mitglieder ihre Förderkapazitäten nicht ausdehnen und daher ihre höhere Quote nicht ausnutzen können.
Ölpreis auf Zwei-Jahres-Hoch
Entscheidend für das Angebot dürfte die Erhöhung der Produktion in Saudi-Arabien sei, das den weitaus größten Anteil an der Opec-Förderung hat. Der saudi-arabische Ölminister Ali El Naimi sagte, er wolle einen Anstieg des Ölpreises auf ein Niveau verhindern, das der Weltwirtschaft schade. Saudi-Arabien habe bereits seine Förderung erhöht. Aus seiner Sicht gebe es keine Verknappung. Sein Land habe dies auch nie zugelassen.
In den vergangenen zwei Monaten waren die Ölpreise wegen des Streiks in Venezuela und wegen der Gefahr einer Unterbrechung der Ölexporte aus dem Nahen Osten im Falle eines Krieges in Irak um rund 25 Prozent gestiegen. Er erreichte jüngst mit 33,60 Dollar je Barrel ein Zwei-Jahres-Hoch. Am vergangenen Freitag kostete ein Barrel der marktführenden Nordsee-Sorte Brent in London zuletzt 29,68 Dollar.
Druck der USA und eigenes Interesse
Der Ölminister Saudi-Arabiens bestätigte zugleich Berichte, wonach das Königreich innerhalb von zwei Wochen seine Ölfördermenge auf zehn Millionen Barrel pro Tag hochfahren könnte. Derzeit wird die Ölförderung des Königreichs auf knapp über acht Millionen Barrel täglich geschätzt. Auch eine Steigerung der Förderleistung auf 10,5 Millionen sei innerhalb von 90 Tagen möglich. Nach seinen Angaben verfügen innerhalb der Opec derzeit auch die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Nigeria und Algerien über freie Förderkapazitäten. Mit höheren Exporten will das Ölkartell nach Einschätzung von Experten nicht vornehmlich auf den Druck der USA und der westlichen Verbraucherländer reagieren. Das Kartell versuche vielmehr aus Eigeninteresse, mit höheren Ausfuhren eine erneute deutliche Verteuerung des Öls über 30 Dollar je Barrel zu verhindern und den Preis wieder in die angestrebte Spanne zwischen 22 und 28 Dollar zu bringen.
Drei Fünftel des weltweiten Bedarfs
Schließlich hatten sich die Ölpreis-Schocks der siebziger und Neunziger Jahre negativ auf die Opec selbst ausgewirkt. Diesen war jeweils eine konjunkturelle Abkühlung gefolgt, begleitet von schwindender Nachfrage der Verbraucherländer nach Öl und damit wieder sinkenden Preisen.
Darüber hinaus geht es der Opec den Experten zufolge auch um die Verteidigung von Marktanteilen gegen Energieträger wie Erdgas und andere Brennstoffe sowie gegen Förderländer außerhalb der Opec wie Russland, Mexiko, Norwegen oder Großbritannien. Bisher decken die Opec-Ölexporte etwa 60 Prozent des weltweiten Bedarfs.