Folgen der Wirtschaftskrise: Managern droht Schockstarre - DER SPIEGEL
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Folgen der Wirtschaftskrise Managern droht Schockstarre

Weltweit kämpfen Unternehmen gegen den Abschwung. Doch in den Firmen gibt es Zweifel am eigenen Krisenmanagement. Eine Umfrage der Strategieberatung Booz zeigt, dass in vielen Chefetagen ein Mangel an Weitsicht und tiefe Verunsicherung herrscht.
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München/Brüssel/Berlin - Weltweit wird die Lage für viele Unternehmen dramatisch: Banken und die Autoindustrie kämpfen bereits gegen die Krise. Auch weitere Wirtschaftszweige wie der Maschinenbau, die Medien oder die IT-Branche geraten in den Krisenstrudel.

Bank-Manager (von Lehman Brothers): Hang zum Altbewährten

Bank-Manager (von Lehman Brothers): Hang zum Altbewährten

Foto: Getty Images

Jetzt bräuchten die Unternehmen vor allem eins: Führungsstärke. Doch eine Umfrage der Strategieberatung Booz & Company unter 830 internationalen Managern der obersten Führungsebene - davon 133 aus dem deutschsprachigen Raum - vom vergangenen Dezember zeigt, dass es ausgerechnet hier mangelt.

Zwar beurteilen 75 Prozent der befragten Manager die finanzielle Situation ihrer Unternehmen noch immer positiv. Nur 20 Prozent befürchten eine Verschlechterung der Lage. Und jeder zweite Top-Manager geht sogar davon aus, sich im Zuge der Krise einen Wettbewerbsvorteil verschaffen zu können.

Doch intern herrscht Skepsis gegenüber dem eigenen Krisenmanagement. Der Umfrage zufolge beschäftigen sich 65 Prozent der aktuell finanziell angeschlagenen Unternehmen trotz Finanzkrise und drohender Kreditklemme nur unzureichend mit Aufbau und Erhalt ihrer Liquidität. Selbst ein Viertel der solide aufgestellten Unternehmen lässt Wachstumspotentiale ungenutzt und geht Investitionen, Expansionen und Akquisitionen nicht konsequent genug an.

Laut Booz ist das ein Beleg für den Mangel an Weitsicht in den Chefetagen: "Strategisch agierende CEOs verfolgen auch in einem schwierigen Marktumfeld einen antizyklischen Wachstumsplan, um gegenüber dem Wettbewerb gestärkt aus der Krise hervorzugehen", argumentiert Stefan Eikelmann, Sprecher der Geschäftsführung von Booz & Company im deutschsprachigen Raum.

Auch Top-Manager deutscher Unternehmen klagen über Mängel im eigenen Krisenmanagement. Ausgerechnet den Führungsgremien angeschlagener Unternehmen droht offenbar die Schockstarre. Es herrscht erhebliche Verunsicherung und laut Booz ein "gefährlicher Hang" zum Altbewährten. 62 Prozent der Manager sind dort nicht von ihrem Krisen- und Cash-Management überzeugt.

"Oft fehlt es an Mut und Durchsetzungskraft, notwendige Maßnahmen wie Kostensenkungen und Restrukturierungen konsequent anzugehen", sagt Booz-Experte Eikelmann. Das Ausmaß der Krise sei so immens, dass sich viele Unternehmenslenker am sichersten fühlten, wenn sie in gewohnter Weise weiter agierten. "Doch was bisher funktioniert hat, ist künftig keine Erfolgsgarantie mehr", warnt Eikelmann.

Deutschland droht schwere Rezession

Die Haltung erscheint umso dramatischer, da Deutschland eine schwere Rezession droht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde 2009 im Vorjahresvergleich um 2,3 Prozent schrumpfen, teilte die EU-Kommission am Montag in ihrem neuen Konjunkturgutachten mit. Finanzminister Peer Steinbrück erklärte, die vorgelegten Zahlen stimmten ungefähr mit denen überein, die die Regierung am Mittwoch im Jahreswirtschaftsbericht präsentieren wolle.

Außerdem erwartet die Bundesregierung laut Agenturberichten einen Anstieg der Arbeitslosenzahl im Jahresverlauf um 500.000 auf rund 3,5 Millionen. Beim Export rechnet die Bundesregierung - nach zweistelligen Zuwachsraten in den Vorjahren - in diesem Jahr mit einem Einbruch um 8,9 Prozent.

Wenn die Exporte tatsächlich wie prognostiziert um rund neun Prozent zurückgehen, stehen einige Industriezweige in Deutschland vor erheblichen Problemen. Die Einbrüche können durch staatliche Stützungsaktionen und tarifliche Zugeständnisse der Gewerkschaften bestenfalls abgefedert werden, erklären die Booz-Experten.

Manager sollten ihre Krisenabwehr daher unabhängig von Konjunkturpaketen und Rettungsplänen betrieben, heißt es bei Booz. "CEOs sollten nicht auf Hilfe von außen spekulieren", sagt Deutschland-Chef Eikelmann.

suc/dpa-AFX