Folgenschwere Reform: Shell und Royal Dutch verschmelzen - DER SPIEGEL
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Folgenschwere Reform Shell und Royal Dutch verschmelzen

Nach über 100 Jahren bekommt der britisch-niederländische Ölkonzern Royal Dutch/Shell eine neue, einheitliche Struktur, die Aktien der beiden Teilunternehmen werden zusammengefasst. Die Veränderung hat Folgen: Indizes müssen umgebaut werden – und Fonds ihre Bestände anpassen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die Entscheidung ist gefallen: Der niederländisch-britische Konzern ändert seine Unternehmens- und Aktienstruktur. Die Aktionäre der Royal Dutch Shell haben auf der Hauptversammlung der Fusion mit der Shell Transport & Trading zugestimmt. Damit haben sie das Ende der rund 100 Jahre alten Doppelstruktur des Unternehmens besiegelt.

Das fusionierte Unternehmen wird Royal Dutch Shell heißen und in London gelistet sein. Das Listing in Amsterdam wird beendet, in Den Haag bleiben aber das Hauptquartier und der Steuersitz. Die Zusammenführung der Aktien ist für den 20. Juli geplant. Das hat Folgen für die Zusammensetzung wichtiger europäischer Aktienindizes.

Die führenden Dow Jones Eurozone-Indizes beispielsweise spiegeln ausschließlich den Kursverlauf jener Aktien wider, deren Firmen ihren Sitz und Hauptnotiz in Euroland haben. "Da jedoch die neue Royal Dutch Shell die Rechtsform einer britischen PLC-Firma haben wird, spielt die Aktie des Unternehmens künftig weder für die Eurostoxx-Börsenbarometer noch für die entsprechenden Branchenindizes sowie für den Bluechipindex Eurostoxx 50   eine Rolle", sagt Klaus Stabel, Chefanalyst der Frankfurter ICF Kursmakler Gesellschaft.

Nachrücker gesucht

Die Wirkung auf Europas Topaktienindex ist nicht zu unterschätzen. Royal Dutch rangierte bisher im Stoxx 50 mit einer Marktkapitalisierung in Höhe von 110 Milliarden Euro auf Rang sechs der Indexschwergewichte, Shell mit einer Kapitalisierung von 76 Milliarden Euro Gegenwert auf Platz zehn.

Damit nicht genug. Royal Dutch/Shell plant zwar, mit den künftigen Klasse-A- und Klasse-B-Aktien zwei verschiede Anteilsscheine an der Börse zu platzieren. In den Stoxx-Aktienindizes dürfen aber von jeder Firma nur ein Anteilsschein gelistet werden. "Deshalb wird die neue Aktie des Ölriesen auch noch aus dem Auswahlindex Stoxx 50 fallen, der eigentlich genau für jene Firmen gedacht sind, die ihren Sitz zwar in Europa haben, nicht aber in Euroland", sagt Stabel.

Nach Expertenmeinung gibt es bereits Favoriten für die Nachfolge des Royal-Dutch/Shell-Konzerns in den beiden wichtigsten europäischen Aktienindizes. Als Nachrückkandidat für den EuroStoxx 50 gelten derzeit vor allem Renault-   oder Schneider-Electric-Aktien  . Dagegen könnten Sanofi-Synthelabo-Anteilsscheine   in den Stoxx 50 aufgenommen werden.

Illustre Premierengesellschaft

Die Indexumbauten haben auch für die Portfolioverwalter großer Investmenthäuser folgen. Fonds, die ihre Depots beispielsweise nach dem Vorbild der beiden Stoxx-Indizes zusammenstellen, müssen die neuen Aktien in den Indizes in entsprechender Menge kaufen. Aber auch jene Fondsmanager werden ihr Depot umbauen, die sich an Indizes für rein britische Aktien wie dem FTSE 100 orientieren, zu denen Royal-Dutch/Shell-Titel demnächst gehören werden.

"Es sind deshalb noch Milliardenkäufe durch Indexfonds notwendig, damit sie die Marktkapitalisierung des neu entstehenden Unternehmens im FTSE 100 und anderen britischen Indizes angemessen berücksichtigten", meint ein Londoner Vermögensverwalter, der ein 15 Milliarden Euro schweres Pensionsfonds-Portfolio verwaltet.

Ob die neuen Royal Dutch/Shell-Aktien schon bei der nächsten Indexumgestaltung in den britischen Vorzeigeindex FTSE 100 aufgenommen werden kann, ist zwar noch nicht entschieden. Falls es klappt, wird Royal Dutch/Shell sein FTSE-Debut aber zusammen mit dem wichtigsten Börsenneuling der vergangenen Jahre feiern: dem Online-Glücksspielbetreiber PartyGaming.

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