Fondssparen Banken kassieren kräftig ab
Berlin - Die Mehrkosten dabei sind erheblich: Wer zum Beispiel für 10.000 Euro Fondsanteile eines DWS-Fonds mit Schwerpunkt deutsche Aktien über die Bank kauft, zahlt bis zu 500 Euro Ausgabeaufschlag. Die gleichen Fondsanteile kosten lediglich 180 Euro, wenn man sie direkt an der Börse kauft.
Im Preis enthalten sind 30 Euro Gebühr und der sogenannten Spread: Ein Aufschlag, der für den Kauf an der Börse fällig wird und im genannten Beispiel 1,5 Prozent betragen würde. Einen solchen Aufschlag berechnet übrigens auch eine Fondsgesellschaft, dort fällt er jedoch normalerweise wesentlich höher aus. Die Kosten für ein Direktinvestment liegen damit 64 Prozent unter denen der Fondsgesellschaft. Und das ist kein Einzelfall. Eine Ersparnis in dieser Größenordnung kann auch bei vielen anderen Fonds erreicht werden.
Nach einer Untersuchung der Stiftung Warentest sind die Banken aber gar nicht daran interessiert, ihren Kunden beim Sparen zu helfen. Es gibt nämlich Kreditinstitute, bei denen Anleger keine Möglichkeit haben, ihre Fondsanteile direkt an der Börse zu kaufen. Die Dresdner Bank etwa lässt das bei hauseigenen Fonds nicht zu. Und die Citibank bietet diese Option der Untersuchung zufolge generell nicht an.
Voraussetzung für den Handel an der Börse ist ein Depot, in dem die Wertpapiere aufbewahrt werden können. Besonders günstig sind die Depots vieler Direktbanken, die oft zum Nulltarif oder gegen eine geringe Gebühr geführt werden und außerdem attraktive Zinsen für Tagesgelder anbieten. Bei den Direktbanken liegen zudem die Kosten für den Kauf an der Börse oft um mehr als 50 Prozent unter denen der großen Filialbanken - es ist also reichlich Luft zum Sparen.
Auch Broker und Direktbanken sind billiger
Wem der Kauf an der Börse zu aufwändig oder heikel ist, der kann dennoch sparen. Fondsanteile können auch über Fondsbroker oder Direktbanken mit einem satten Rabatt auf den Ausgabeaufschlag gekauft werden. Der beträgt oft zwischen 50 und 100 Prozent. Diese Alternative ist vor allem für Dauersparer interessant, die jeden Monat kleinere Beträge in Fondsanteile investieren wollen. In diesem Fall lohnt der Kauf an der Börse nicht, weil dort Mindestgebühren fällig werden, die höher sind als der reguläre Ausgabeaufschlag. Gibt es auf den Aufschlag aber Rabatt, fließt mehr Geld in den Sparvertrag und die Rendite legt deutlich zu.
Beim Verkauf muss auch die Börse nicht immer zwingend die günstigste Wahl sein, denn die Rückgabe von Fondsanteilen an die Fondsgesellschaft ist in der Regel kostenlos, während an der Börse Gebühren fällig werden. Hier lässt sich also mit der Rückgabe an die Fondsgesellschaft Geld sparen, auch wenn die Papiere über die Börse gekauft wurden.
Ein Problem ist dabei, dass die Rückgabe meist einige Tage dauert. Gerade bei volatilen Papieren kann es sein, dass der Kurs in der Zwischenzeit stark schwankt und ein Gewinn aufgezehrt wird. Der Rat der Experten von der Stiftung Warentest: Wer in besonders exotischen Märkten investiert und schnell auf Marktentwicklungen reagieren muss, um Verluste zu vermeiden, sollte den Verkauf über die Börse in Erwägung ziehen und lieber die Gebühren in Kauf nehmen.
Von Oliver Mest, ddp