Ford: Das gigantische Spar- und Streichprogramm - DER SPIEGEL
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Ford Das gigantische Spar- und Streichprogramm

Noch mehr Fabriken machen dicht, 35.000 Stellen fallen weg, die Modell-Palette schrumpft: Selten hat sich ein Auto-Konzern eine so schmerzhafte Sanierung verordnet wie Ford. Das aber dürfte nicht die letzte Hiobsbotschaft sein, die Konzernchef Bill Ford verkünden muss.
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New York - Explodierende Kosten und sinkende Marktanteile haben Ford in die Krise getrieben, Qualitätsprobleme und der Skandal um tödliche Reifenpannen haben das Image zerrüttet. Zuletzt waren, wie gut informierte Kreise berichten, die Verluste förmlich explodiert und im Geschäftsjahr 2001 auf rund 2,5 Milliarden Dollar hochgeschnellt. Die genauen Zahlen will Ford am 17. Januar vorstellen.

Jetzt schon reagiert Ford-CEO William Clay Ford Jr. aber mit dem größten Reform- und Sparprogramm seit zwei Jahrzehnten. Auf seiner Streichliste stehen 35.000 Jobs, 22.000 davon in Nordamerika. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts sollen fünf Fabriken geschlossen werden, die vier Ford-Modelle Escort, Cougar, Villager und Continental werden nicht mehr gebaut. So soll der zweitgrößte Autokonzern der Welt wieder profitabel werden. Im vierten Quartal wird Ford wegen der Kosten des Restrukturierungsprogramms 4,1 Milliarden Dollar abschreiben.

Zum zweiten Mal in einem halben Jahr kündigte Ford zudem an, die Dividenden zu kürzen. Sie fallen um 33 Prozent auf zehn Cent je Aktie. Auch die Produktionskapazitäten werden drastisch abgebaut: Sie sinken von derzeit 5,7 Millionen Fahrzeugen jährlich auf 4,8 Millionen Stück. Neben den fünf zu schließenden Fabriken werden nach den Worten von Ford-Präsident Nick Scheele elf umgerüstet, in neun von ihnen werde die Produktion gedrosselt.

Kein Gehalt für den Chef?

Das hundert Jahre alte Unternehmen verbuchte 2001 seinen ersten Jahresverlust seit 1992, die verkauften Stückzahlen sanken um 5,5 Prozent. Zugleich konnten die Konkurrenten General Motors und Toyota ihre Marktanteile für Lkw und sportliche Mehrzweckautos ausweiten. Der Sparplan schließt auch die Streichung von Bonuszahlungen für Manager ein. Ford Jr. erklärte, er sei bereit, auf sein Gehalt ganz zu verzichten.

Der Autobauer war im vergangenen Jahr wegen fehlerhafter Bridgestone/Firestone-Reifen, mit denen der Ford Explorer serienmäßig ausgestattet war, ins Schleudern geraten. Die Reifen werden in den USA für Verkehrsunfälle mit 271 Todesopfern verantwortlich gemacht. Die Pannenserie und die Konjunkturabkühlung hatten Ford rote Zahlen beschert. Ende Oktober war Vorstandschef Jacques Nasser von Ford Jr. abgelöst worden.

Ford-Sprecher: Kein Stellenabbau in Deutschland

Die deutschen Ford-Standorte sind von der Streichung von weltweit 35.000 Stellen bei dem US-Autobauer nicht betroffen, sagte Unternehmenssprecher Erik Walner am Freitag in Köln. Die 21.500 Arbeitsplätze im Kölner Werk sowie die 6500 Stellen in Saarlouis seien nicht gefährdet. Walner verwies darauf, dass im Gegensatz zur weltweiten Entwicklung Ford in Deutschland seine Verkäufe im vergangenen Jahr gesteigert habe. Auch Verluste habe es voraussichtlich nicht gegeben. Garantieren wollte der Ford-Sprecher das allerdings nicht.