Ford-Spekulationen: Fort von der Börse? - DER SPIEGEL
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Ford-Spekulationen Fort von der Börse?

Bill Ford, Chef des Autoherstellers Ford, nährt in einem Interview mit dem "Business Week Magazine" Gerüchte um den geplanten Umbau des Konzerns. Im Raum stehen eine Kooperation mit Nissan und Renault, ein Verkauf der Marke Jaguar - und eventuell sogar eine Abkehr vom Aktiengeschäft.
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Detroit - "Bei Ford   werden derzeit viele Szenarien durchgespielt", wird eine anonyme Quelle in der "USA Today" zitiert. Einige Experten vermuten nun, dass Ford einen Rückzug aus dem Aktiengeschäft plane. Damit könnte der Autokonzern die dringend notwendigen Restrukturierung vollziehen – und sich dem kritischen Auge der Analysten entziehen.

Die Voraussetzungen für eine so genannte "Privatisierung" sind so gut wie nie. Laut Experten ist der Aktienkurs des Unternehmens derzeit deutlich unterbewertet. Die Kosten für den Rückzug von der Börse wären mit 13,3 Milliarden Dollar (10,6 Milliarden Euro) äußerst niedrig.

Mit ihrem Einfluss bestimmt die Familie die strategische Ausrichtung des angeschlagenen Konzerns. Die Familie Ford besitzt nur rund fünf Prozent aller Umlaufaktien, aber 40 Prozent aller stimmberechtigten Aktien. Bill Ford, Chef des Autoherstellers und Urenkel des Gründers Henry, sagte in einem Interview mit dem "Business Week Magazine", dass der Konzern derzeit nach sinnvollen Kooperationen Ausschau halte. Ford soll bereits Nissan-Renault   Vorsitzenden Carlos Ghosn auf eine mögliche Zusammenarbeit angesprochen haben, meldete das "Wall Street Journal". Nissan-Renault befindet sich momentan noch in Kooperationsgesprächen mit General Motors  . Sollten diese Gespräche scheitern, wäre der Weg frei für Ford.

Auch Gerüchte über den Verkauf der Nobelmarke Jaguar halten sich hartnäckig. Der britische Baumaschinenhersteller JCB will Jaguar übernehmen. Bedingung für die Briten ist aber eine Trennung der Jaguarmarke von Land Rover.

Ford hatte Jaguar 1989 für 1,6 Milliarden Pfund (2,3 Milliarden Euro) gekauft, aber mit der Marke bislang kein Geld verdient. Ende letzten Jahres hatte Ford Jaguar eine Finanzspritze von 1,2 Milliarden Euro verpassen müssen, um dort Verlusten auszugleichen. Neben Jaguar macht Ford auch der Umsatzrückgang in der Pickup-Sparte zu schaffen. Im ersten Halbjahr hat Ford dadurch insgesamt einen Verlust von 1,4 Milliarden Dollar eingefahren. "Wir stehen vor radikalen Veränderungen", meint Ford daher selbstkritisch. Zu den Gerüchten verweigert der Konzern aber jede Stellungnahme.

bay/AP/dpa