Formel 1 Kirch auf verlorenem Posten
London - Aus diesem Grund plane der Internationale Autorennsportverband (FIA), die Rechte schnellstmöglich an eine Gruppe führender Autohersteller zu verkaufen, berichtet die "Financial Times". Dies aber würde die Zukunft von EM.TV komplett in Frage stellen, die 50 Prozent an Ecclestones Treuhandholding SLEC hält.
Laut "Financial Times" besitzt SLEC die Rechte an der Formel 1 bis zum Jahr 2010. Zusätzlich enthält der Vertrag eine Klausel, wonach sich Ecclestone für 360 Millionen Dollar die Übertragungsrechte für weitere 100 Jahre sichern kann. Die Zahlung des Betrages ist aber bereits überfällig.
Deshalb hat die FIA Ecclestone eine letzte Frist bis zum 22. März gesetzt. Im Rahmen einer außerplanmäßigen Hauptversammlung werde die FIA dann über die Vergabe der Vermarktungsrechte neu entscheiden, so die "Financial Times".
Ohne die Formel 1 ist die SLEC wertlos
Sollte die SLEC die langfristigen Rechte verlieren, würde sich ihr Wert enorm reduzieren. EM.TV müsste im Frühling eine Milliarde Dollar für eine Gesellschaft bezahlen, die praktisch keine verwertbaren Rechte mehr besitzt. Für Leo Kirch wäre der Einstieg bei EM.TV unter diesen Umständen wirtschaftlicher Selbstmord. An einer Einigung mit Ecclestone kommt Kirch also nicht vorbei.
Experten schätzen die Aussichten dafür allerdings eher als gering ein. Denn der Formel-1-Mogul sieht den Filmrechte-Händler lieber als seinen Kunden. Kirchs Pay-TV-Sender Premiere nämlich bezahlt viel Geld für die Übertragungsrechte. Wenn der Vertrag nach 2003 neu verhandelt werden muss, könnte Ecclestone mit Kirch als Anteilseigner an der SLEC wohl nur einen wesentlich geringeren Preis durchsetzen. Auch die Automobilhersteller, die sich in der Formel 1 engagieren, sind geschlossen gegen Kirch. Immerhin würde dieser das Geld verdienen, das sie über Jahre hinweg in den Formel-1-Zirkus investiert haben.
Die Reihen stehen geschlossen gegen Kirch
Damit hält Ecclestone alle Trümpfe in der Hand: Ende Februar läuft die Frist ab, in der EM.TV ihre Option für die Übernahme des 25-Prozent-Anteils an der SLEC ausüben kann. Danach bleiben ihm bis zum Ablauf das FIA-Ultimatums noch 22 Tage, um die Verhältnisse der SLEC zu regeln. Ecclestone persönlich würde mit der Aushöhlung der Vermarktungsgesellschaft ohnehin wenig von seinem Einfluss in der Formel 1 verlieren. Als Vizepräsident der FIA hält er nach wie vor alle Fäden in der Hand. Außerdem ist er mit FIA-Präsident Max Mosley seit Jahrzehnten eng befreundet.
Für den Fall, dass Kirch alle Warnsignale in den Wind schlägt, halten sich die Automobilhersteller schon bereit. Unter Leitung von Fiat-Chef Paolo Cantarella als Vorstand der Gesellschaft europäischer Automobilhersteller "European Automobile Manufacturers Association" haben sie der "Financial Times" zufolge die Investmentbank Goldman Sachs Group beauftragt, sie bei dem Rechteerwerb zu beraten.