France Télécom MobilCom bleibt ein Quell des Ärgers
Frankfurt am Main - Ursprünglich hatten die Franzosen nur das Aktienpaket, das knapp 50 Prozent der MobilCom-Anteile umfasst, von Firmengründer Gerhard Schmid übernehmen wollen. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" bewertet das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel das Vorhaben jedoch nicht wie von den Vertragspartnern geplant als "Kauf der Schmid-Anteile", sondern als Übernahme.
Die Konsequenz: France Télécom muss den Kleinaktionären und auch Schmids Ehefrau ebenfalls 22 Euro pro Aktie anbieten. Hintergrund ist das neue Übernahmegesetz, das ab dem Erwerb von 30 Prozent der Anteile an einer Gesellschaft ein öffentliches Übernahmeangebot des Bieters für alle Anteile fordert. Die Franzosen hatten indes gehofft, die Bestimmung durch die Einbindung verschiedener Banken verhindern zu können.
Grund des geplanten Paketerwerbs durch die Banken ist der Streit zwischen MobilCom-Chef Schmid und seinem Großaktionär France Télécom um den Aufbau des neuen UMTS-Mobilfunknetzes. Schmid hatte sich schließlich mit den Franzosen darauf geeinigt, aus seiner Firma auszusteigen und seine Anteile an ausgewählte Finanzhäuser zu verkaufen. Angeblich will die Pariser Telekommunikationsgesellschaft das Paket später von den Banken erwerben. Die France Télécom liegt jetzt bereits mit einem MobilCom-Anteil von 28,5 Prozent nur knapp unter der Grenze für ein öffentliches Pflichtangebot.
Schmid hält 39,7 Prozent an der Büdelsdorfer Firma und kommt mit den Anteilen seiner Ehefrau auf 49,9 Prozent. Abzüglich des Aktienpakets der France Télécom ergibt sich ein Streubesitz von 21,6 Prozent an der am Neuen Markt der Frankfurter Börse gelisteten MobilCom, die einst als Schwergewicht und Star des Wachstumssegments galt.
Die Schmids sollen für ihre Aktien angeblich 22 Euro je Stück und damit insgesamt mehr als 720 Millionen Euro für ihre Anteile erhalten. Bereits seit Bekanntwerden des voraussichtlichen Ausstiegs Schmids bei der von ihm vor gut zehn Jahren gegründeten Mobilfunk-Gesellschaft wird darüber spekuliert, ob der neue Großinvestor alle Aktionäre auszahlen muss.