France Télécom Realitätsverlust bei Michel Bon
Paris - Der französische Telefonriese hat im Jahr 2001 einen Rekordverlust von 8,28 Milliarden Euro geschrieben. Das Minus ergibt sich vor allem aus Rückstellungen in Milliardenhöhe bei den Anteilen an der deutschen MobilCom sowie am britisch-amerikanischen Kabelbetreiber NTL. Zum Abbau des Schuldenberges in Höhe von 60,7 Milliarden Euro kündigte France Télécom Verkäufe von Beteiligungen an. Unter anderem will sich das mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Unternehmen von seiner Beteiligung am italienischen Telefonanbieter Wind trennen.
Es ist das erste Mal seit dem Börsengang 1997, dass France Télécom rote Zahlen schreibt. Das Unternehmen führt dies ausschließlich auf Sonderbelastungen zurück. Ohne diese hätte das Nettoergebnis bei einem Plus von 1,9 Milliarden Euro gelegen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen stieg gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent auf den Rekordwert von 12,32 Milliarden Euro. Im Jahr 2000 hatte das Unternehmen noch einen Nettogewinn von 3,66 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Michel Bon: Die Bilanz ist gesund
France-Télécom-Chef Michel Bon bezeichnete die Bilanzen seines Unternehmens als "gesund" und stellte für das laufende Jahr zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz in Aussicht. Die Bilanzen würden nun von den Effekten der "Seifenblase" auf dem Telekommunikationsmarkt bereinigt.
France Télécom investierte vier Milliarden Euro bei MobilCom sowie acht Milliarden Euro bei NTL. Beide Investitionen sind von der Geschäftsführung jedoch inzwischen als "enttäuschend" bezeichnet worden. Die Rückstellungen für den Anteilserwerb bei MobilCom (28,5 Prozent) belaufen sich nun auf 3,19 Milliarden Euro und für die NTL-Anteile (18,3 Prozent) auf 4,58 Milliarden Euro.
Streit mit MobilCom
Mit dem deutschen Partner MobilCom liegt das französische Unternehmen seit Wochen über Kreuz. Bon bezeichnete das Verhalten von MobilCom-Chef Gerhard Schmid am Donnerstag als "geschäftiges Getue". Bei dem Streit geht es unter anderem darum, wieviel Geld France Télécom für den Aufbau des UMTS-Netzes von MobilCom in Deutschland zuschießen soll. Wegen seiner Milliarden-Schulden will France Télécom den Forderungen des deutschen Partners nicht nachkommen.
Neueste Episode des öffentlich ausgetragenen Streits: Schmid will seinen MobilCom-Anteil von 33 Prozent mit sofortiger Wirkung an France Télécom verkaufen - eine im Vertrag festgeschriebene Put-Option gebe ihm das Recht dazu. Die Franzosen sehen das natürlich anders: Schmid könne erst Ende 2003 verkaufen.
Eine Kapitalerhöhung zum Abbau des Schuldenberges wird derzeit ausgeschlossen. France Télécom kündigte stattdessen unter anderem den Verkauf seiner Anteile am italienischen Unternehmen Wind (26,6 Prozent) sowie Verkäufe im Satellitengeschäft an.
Das zu 54 Prozent vom Staat gehaltene Unternehmen ging seit dem Börsengang 1997 ähnlich wie die Deutsche Telekom weltweit auf Einkaufstour, um sich auf dem globalen Telekommunikationsmarkt zu positionieren. Unter anderem wurde für 34,5 Milliarden Euro das britische Mobilfunkunternehmen Orange gekauft. Die Mobilfunktochter machte im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 4,5 Milliarden Euro, die Sonder-Rückstellungen belaufen sich auf 3,635 Milliarden Euro.