Fraport Aufsichtsrat hat Geheimnisse ausgeplaudert
Frankfurt am Main - Die Fraport-Geschäftsführung geht mit dieser Anzeige in die Offensive. In der Vergangenheit war das Unternehmen stark unter Beschuss geraten. Allein in den vergangenen Monaten standen die Frankfurter Flughafen-Betreiber mit Korruptionsvorwürfen, hohen Verlusten bei Auslandsbeteiligungen und dem Bestreben, die Management-Gehälter extrem zu erhöhen, in den Schlagzeilen.
Die Ursache für die negativen Schlagzeilen sehen die Verantwortlichen in gezielten Indiskretionen. Wie ein Sprecher der Fraport sagte, richtet sich der Verdacht gegen den Aufsichtsrat. Es seien wiederholt Informationen an die Öffentlichkeit gelangt, die ausschließlich diesem Gremium zur Verfügung standen. Damit sei gegen das Aktiengesetz verstoßen worden. Aufsichtsratsmitglieder seinen zu Stillschweigen verpflichtet und dürften Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse nicht weiter geben. Wer genau, die Interna ausgeplaudert haben könnte, ist unklar. Der Aufsichtsrat setzt sich aus 20 Mitgliedern zusammen. Unter Verdacht stehen dürften auch enge Mitarbeiter dieses Kreises.
Die Strafanzeige beziehe sich insbesondere auf vertrauliche Unterlagen, die das verlustreiche Flughafen-Projekt in der philippinischen Hauptstadt Manila betreffen, teilte das Unternehmen mit. Der Aufsichtsrat hatte im März 1999 über eine Beteiligung des Flughafens Frankfurt an einem neuen Terminal in Manila beraten. Durch die Weitergabe von Informationen sei in der Öffentlichkeit der Eindruck entstanden, das "Ja" zur Beteiligung sei gegen den Rat einzelner Aufsichtsratsmitglieder erfolgt. Nach Darstellung des Unternehmens waren aber alle Vorbehalte schließlich entkräftet worden. Es scheint, als wolle der Vorstand mit der Verantwortung für die Verluste in Manila nicht alleine dastehen.
Das Manila-Projekt bereitet Fraport schon seit langem Ärger. Erst im vergangenen Monat hatte ein Aktionär eine Anfechtungsklage gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung initiiert. Die M+M Vermögensverwaltungsgesellschaft, hinter der Wirtschaftsprüfer Georg Wengert steht, wirft dem Fraport-Vorstand vor, bestens informiert in den Millionenverlust mit dem Airport-Terminal auf den Philippinen gelaufen zu sein.
Die mit der philippinischen Regierung 1997 geschlossenen Verträge zu Bau und Betrieb des Terminals wurden inzwischen wegen Korruptionsverdachts seitens der Philippinen für nichtig erklärt. Vorstand und Aufsichtsrat seien durch ein Gutachten auf diese Gefahr hingewiesen worden. Dennoch habe das Kontrollgremium - mit Roland Koch an der Spitze - der Beteiligung zugestimmt. Kläger Wengert geht von "mindestens 450 Millionen Euro" aus, auf die sich der vorläufige Schaden für Fraport inzwischen belaufe.