Freenet-Fusion Mobilcom hebt Bilanzschatz
Hamburg - Mehrere Aktionäre haben mehr als zwei Stunden den Beginn der Aussprache über die Rede von Vorstandschef Thorsten Grenz in Hamburg verhindert. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Dieter Vogel, musste einen Anteilseigner mit Hilfe des Sicherheitsdienstes aus dem Saal entfernen lassen und sprach Verwarnungen aus.
Die Aktionäre sollten über die Verschmelzung von Mobilcom mit der Internet-Tochter Freenet abstimmen. Der geplante Zusammenschluss der Unternehmen wird zu einem Bilanzgewinn zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro führen. Das ergebe sich durch die Aufdeckung stiller Reserven im Zuge der Fusion, sage Mobilcom-Chef Thorsten Grenz vor den Aktionären.
"Lassen Sie mich klarstellen, dass keinerlei Vorentscheidung darüber getroffen ist, wie ein entsprechender Bilanzgewinn verwendet werden soll", erklärte Grenz. Darüber werde die Hauptversammlung der neuen Aktiengesellschaft Telunico zu entscheiden haben, die aus Mobilcom und Freenet gebildet werden soll. Grenz wird das Unternehmen verlassen. An seiner Stelle wird Freenet-Chef Eckhard Spoerr die fusionierte Gesellschaft führen.
IG Metall warnt vor dünner Finanzbasis
In den vergangenen Wochen hatten sich Mobilcom-Beschäftigte und die Gewerkschaft IG Metall wiederholt besorgt über die finanzielle Basis des Unternehmens geäußert und vor dem Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt. Mitarbeiter fürchten, dass die amerikanische Investmentgesellschaft Texas Pacific Group (TPG) als Großaktionär die geplante Fusion zur Ausschüttung einer Sonderdividende von bis zu einer Milliarde Euro nutzt und so das Unternehmen schwächt. TPG hatte solche Pläne zurückgewiesen.
Der Finanzinvestor wurde auf der umstrittenen Liste des SPD-Chefs Franz Müntefering als "Heuschrecke" bewertet. Das Unternehmen hatte zuletzt durch seinen harten Sanierungskurs bei der deutschen Sanitäranlagenfirma Grohe und dem britischen Flug-Cateringunternehmen Gate Gourmet für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Nach dem Ausstieg von France Telecom ist TPG mit derzeit 27,3 Prozent an Mobilcom beteiligt und damit der Ton angebende Anteilseigner.
Unterdessen genehmigte das Bundeskartellamt die Fusion von Mobilcom und Freenet. Die Wettbewerbshüter teilten heute auf ihrer Internetseite mit, dass es keine Einwände gegen den geplanten Zusammenschluss erhebe. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht genannt. Die Entscheidung war erwartet worden, da Freenet zuvor bereits Teil von Mobilcom war.