Führungskrise IG Metall zieht Gewerkschaftstag vor
Frankfurt am Main - In einer Empfehlung an den Gesamtvorstand fordert das oberste Führungsgremium der IG Metall einen Sondergewerkschaftstag, wie der scheidende Vorsitzende Klaus Zwickel im Anschluss an die Sitzung bekannt gab. Formell kann nur der Gesamtvorstand einen entsprechenden Beschluss fällen, eine Zustimmung gilt aber als sicher. Das Sondertreffen soll am 30. und 31. August stattfinden.
"Damit ist der Weg frei, endlich die lähmende Blockade und unverständliche öffentliche Debatte auf sehr transparente und demokratische Weise zu beenden", sagte Zwickel. Die zehn Mitglieder des Geschäftsführenden Vorstandes hätten dies als besten Weg für eine schnelle Lösung gesehen und dem Gesamtvorstand eine entsprechende Empfehlung gegeben. Dieser soll am 23. Juli darüber entscheiden und einen Personalvorschlag machen.
Auch Peters für vorgezogenen Gewerkschaftstag
Ursprünglich sollte die neue Führung Mitte Oktober auf einem Gewerkschaftstag in Hannover gewählt werden. Aus mehreren Bezirken war aber in den vergangenen Tagen der Ruf nach einem Sonder-Gewerkschaftstag laut geworden, weil die zweitgrößte deutsche Gewerkschaft derzeit aufgrund schwerer Zerwürfnisse ihrer Führung nach der Streikniederlage in Ostdeutschland faktisch handlungsunfähig ist.
Auch der bisher einzige Kandidat für den Chefposten und derzeitige stellvertretende Vorsitzende Jürgen Peters hatte sich am Wochenende dafür ausgesprochen, dem Druck der Basis nachzugeben. Peters ist allerdings höchst umstritten und wurde bereits von Zwickel vergeblich zum Verzicht aufgefordert. Offen ist bislang, ob und wer aus dem Lager baden-württembergischen Bezirksvorsitzenden Berthold Huber möglicherweise gegen Peters antritt. Huber war von seiner Kandidatur für den Stellvertreterposten zurückgetretenen. Peters wird seit dem Scheitern des Streiks in Ostdeutschland von seinen innergewerkschaftlichen Gegner scharf kritisiert.
Neumann-Kandidatur unwahrscheinlich
In IG-Metall-Kreisen hieß es, eine Kandidatur des am Wochenende für den Vorsitz ins Spiel gebrachten Arbeitsdirektors von Audi, Horst Neumann, sei äußerst unwahrscheinlich. "Das mag ein gut gemeinter Vorschlag sein, aber das schließe ich aus", sagte ein hochrangiger süddeutscher IG Metall-Funktionär am Montag der Agentur Reuters. "Für diese Funktion sollte er sich nicht bewerben." Ein Audi-Sprecher sagte lediglich: "Das ist eine reine Medienspekulation, die wir nicht kommentieren." Neumann war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Bayerns IG Metall-Chef Werner Neugebauer sprach sich unterdessen dafür aus, den künftigen Chef der Gewerkschaft in jedem Fall in den eigenen Reihen zu suchen. "Wir brauchen keine externe Besetzung, wir brauchen jemand, der die Organisation kennt", sagte er, ohne aber Namen zu nennen. Zugleich wandte er sich gegen eine öffentliche Personaldebatte: "Diese Diskussion wird man intern führen müssen." Wer auf einem außerordentlichen Gewerkschaftstag gegen Peters antrete hänge auch davon ab, welche Strategie dieser nun wähle, ob er sich etwa im Rahmen einer Tandemlösung zur Wahl stelle.