Führungskrise Rewe-Chef Egner muss gehen
Düsseldorf - Es lag schon den ganzen Tag in der Luft. Der Aufsichtsrat von Rewe beriet über die Zukunft des Konzerns, und Vorstandschef Achim Egner dürfte in den Gesprächen nicht allzu gut weggekommen sein. Nach Informationen des Fachblattes "Lebensmittelzeitung" hatten sich bereits Ende vergangener Woche mehr als ein Dutzend hochrangiger Manager bei Aufsichtsratschef Klaus Burghard über Egners Führungsstil beschwert. Der Konzernchef sei nicht mehr zu halten, resümierte das Blatt. Bei Rewe heißt es jetzt, der Aufsichtsrat sei der Bitte Egners nach Auflösung seines Vertrags nachgekommen.
Tatsächlich dürfte es ein schlichter Rausschmiss gewesen sein. Egner war als Branchenfremder erst im April 2005 zu dem Genossenschaftsbetrieb gekommen, um dort gründlich aufräumen. Er wolle bei dem Handelsriesen mit seinen 260.000 Mitarbeitern "mit eisernem Besen kehren", erklärte er damals. Der Konzern sollte von Grund auf modernisiert und internationalisiert werden.
Inzwischen ist von den damaligen Vorstandsmitgliedern nur noch einer im Amt, auch in der zweiten und dritten Managerebene gab es zahlreiche Umbesetzungen. Egner setzte auf starke Auslandsexpansion - nach seinem Willen sollten in den kommenden Jahren 50 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands generiert werden statt wie bisher 32 Prozent. Den Super- und Verbrauchermärkte hatte Egner zudem eine Verjüngungskur verordnet. Zu seinen Reformvorhaben gehörte auch das Umflaggen der konzerneigenen Lebensmittelketten Minimal, HL, Otto Mess und Stüssgen auf den Namen REWE.
Bei seinen Aufräumarbeiten habe Egner zu wenig Rücksicht auf die gewachsenen Strukturen bei Rewe genommen, motzten hochrangige Manager jedoch. Er habe sich über Hierarchien und Einwände im eigenen Haus hinweggesetzt und sich zum Unmut der Belegschaft vor allem auf externe Berater gestützt, schrieb die "Lebensmittelzeitung". In der vergangenen Woche habe sich der seit Monaten schwelende Konflikt dann zum handfesten Krach entwickelt.
Bei Rewe geht es schon lange rund
Doch der Abgang Egners ist auch ein Armutszeugnis für den Konzern. Seit dem Rücktritt des langjährigen Unternehmenschefs Hans Reischl im April 2004 ist die Führungsspitze bei Rewe nicht mehr zur Ruhe gekommen. Reischls Nachfolger Dieter Berninghaus musste nach nur knapp sechs Monaten wegen Untreuevorwürfen zurücktreten - er wurde deswegen sogar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und zieht, wie heute bekannt wurde, jetzt in den Verwaltungsrat des Schweizer Discounters Denner ein.
Nach dem Abgang von Berninghaus übernahm zunächst ein Dreigestirn aus den Vorstandsmitgliedern Gerd Burse, Josef Sanktjohanser und Hans Schmitz die Leitung des Konzerns. Bereits sechs Monate später beendete Europas drittgrößter Lebensmittelhändler aber auch das Experiment mit der Dreifach-Spitze und berief den früheren Debitel-Manager Egner im April 2005 zum neuen Rewe-Vorstandssprecher.
Nun soll Vorstandskollege Alain Caparros Egners Platz einnehmen. Der gebürtige Franzose ist für das Auslandsgeschäft der Gruppe und für die Discounttochter Penny zuständig. Er gilt als ausgewiesener Handelsexperte. Neu in den Konzernvorstand rückt Frank Hensel auf, der bislang Vorstandsmitglied bei der umsatzstärksten Auslandstochter in Österreich war. Er soll nun den Wareneinkauf stärken. Zudem gehören dem Konzernvorstand weiter Josef Sanktjohanser, Norbert Fiebig und Stephan Fanderl an.
Rewe ist mit europaweit 260.000 Beschäftigten nach Metro das zweitgrößte Handelsunternehmen Deutschlands. Der Mammutkonzern erzielte 2005 einen Rekordumsatz von 41,7 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) sank um 3,5 Prozent auf 524,6 Millionen Euro. Rewe ist zum einem Zentrale für zahlreiche Filialketten wie den Minimal-Supermärkten oder dem Discounter Penny, zum anderen ist er Dienstleister für selbstständige REWE-Kaufleute. Darüber hinaus ist der Konzern drittgrößter Touristikanbieter Deutschlands (ITS, Dertours).
ase/AP/dpa-AFX/reuters