Führungswechsel bei der Dresdner Bank: Walter folgt Fahrholz - DER SPIEGEL
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Führungswechsel bei der Dresdner Bank Walter folgt Fahrholz

Dresdner-Bank-Vorstandschef Bernd Fahrholz ist zurückgetreten. Der ehemalige Chef der Deutschen Bank 24, Herbert Walter, soll als sein Nachfolger den Umbau der Dresdner Bank vorantreiben.
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Frankfurt am Main/München - Ein Sprecher des Mutterkonzerns Allianz bestätigte heute den Rücktritt des Dresdner-Chefs. Nachfolger werde Herbert Walter, der einst die Deutsche Bank 24 leitete.

Über den Rücktritt des Dresdner-Chefs war angesichts der Milliardenverluste der Bank schon seit Monaten spekuliert worden. Allein im dritten Quartal hatte die Dresdner knapp eine Milliarde Euro zum Konzernverlust von 2,5 Milliarden beigetragen. Im vierten Quartal sind nach Analystenschätzungen noch einmal Verluste von 500 Millionen Euro angefallen.

Diekmann macht reinen Tisch

Viele Beobachter hatten trotzdem damit gerechnet, dass Fahrholz frühestens im Sommer seinen Platz räumen würde. Der designierte Allianz-Chef Michael Diekmann drang aber offenbar darauf, den Wechsel zu beschleunigen. Diekmann wird Ende April die Nachfolge von Henning Schulte-Noelle antreten, der an die Spitze des Allianz-Aufsichtsrats wechselt.

Der 55-jährige Jurist Fahrholz war nach dem Scheitern der Fusionspläne mit der Deutschen Bank Anfang 2000 als Nachfolger von Bernhard Walter an die Spitze der Dresdner aufgerückt. Als der Großaktionär Allianz die Bank Mitte 2001 dann für rund 24 Milliarden Euro vollständig übernahm, wurde Fahrholz Stellvertreter Schulte-Noelles. Der Dresdner Bank verordnete Fahrholz einen strikten Sparkurs. Bis Ende 2003 sollen 11.000 Stellen abgebaut sein. Der Dresdner-Vorstand wurde bereits radikal umbesetzt.

Ende des Firmenkunden-Geschäfts?

Der Vertrag mit dem wahrscheinlichen Nachfolger Herbert Walter sei zwar noch nicht unterschrieben, erfuhr der SPIEGEL aus den Aufsichtsratskreisen. Bei der Deutschen Bank sei Walters Wechsel aber bereits in einem internen Schreiben bekannt gegeben worden, melden die Nachrichtenagenturen Reuters und vwd. Zu Walters Nachfolger soll demnach Rainer Neske bestimmt werden, zuletzt Vize-Vorstandssprecher der Deutsche Bank Privat- und Geschäftskunden AG.

Walter ist als ehemaliger Chef der Deutschen Bank 24 ein ausgewiesener Fachmann für das Filialgeschäft. Er war zuletzt im erweiterten Konzernvorstand der Deutschen Bank hauptsächlich für das Privatkundengeschäft in Europa sowie kleinere Firmenkunden zuständig. Nach dem Ende der Deutschen Bank 24 sah Walter offenbar nur noch geringe Karrierechancen bei seinem alten Arbeitgeber.

Immenser Erfolgsdruck

Bei der Dresdner Bank wird Walter vermutlich die engere Integration der Bank in den Gesamtkonzern vorantreiben. Unter seiner Führung wird sich die Dresdner voraussichtlich stärker auf das Privatkundengeschäft konzentrieren und andere Bereiche verkleinern, abgeben oder schließen. Manche Beobachter rechnen damit, dass sich die Allianz vollkommen vom Firmenkundengeschäft trennen wird. Eine leichte Aufgabe hat Walter nicht vor sich: Die Vorgabe der Allianz, die Bank-Tochter solle schon im laufenden Jahr operativ wieder die Gewinnzone erreichen, gilt angesichts des schwierigen Marktumfeldes als sehr ehrgeizig.

So wird wohl der Druck auf die Allianz, noch größere Sanierungserfolge vorzuweisen, trotz des Fahrholz-Rücktritts weiter zunehmen: Nach Einschätzung von Analysten wird der Konzern am Donnerstag für das Jahr 2002 einen historischen Verlust melden. Grund sind immense Abschreibungen auf Wertpapiere, Belastungen durch die Dresdner Bank und die "Jahrhundertflut".

Gerüchte über Kapitalerhöhung

Von der Wirtschaftsagentur vwd befragte Analysten rechnen im Durchschnitt mit einem Verlust nach Steuern von 1,5 Milliarden Euro, verglichen mit einem Gewinn von 1,62 Milliarden im Vorjahr. Dementsprechend gehen Marktbeobachter davon aus, dass der Allfinanzkonzern neben dem Rücktritt des Dresdner-Chefs weitere einschneidende Maßnahmen ankündigen wird.

Möglich sei, dass die Allianz ihren 43-Prozent-Anteil am Nivea-Hersteller Beiersdorf bald verkaufe. Durch diese Transaktion könnten stille Reserven von über drei Milliarden Euro gehoben werden. An den Finanzmärkten halten sich darüber hinaus hartnäckig Gerüchte über eine Kapitalerhöhung.

Von Wolfgang Reuter und Matthias Streitz