Führungswechsel: Johannes Teyssen wird neuer E.on-Chef - DER SPIEGEL
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Führungswechsel Johannes Teyssen wird neuer E.on-Chef

Bei Deutschlands größtem Energiekonzern hat künftig Johannes Teyssen das Sagen: Der E.on-Aufsichtsrat bestimmte die bisherige Nummer zwei des Unternehmens zum Nachfolger von Wulf Bernotat. Dessen Vertrag läuft Ende April 2010 aus.
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Hamburg - Der Aufsichtsrat der E.on AG hat am Montagabend Johannes Teyssen mit Wirkung zum 1. Mai 2010 zum Vorsitzenden des Vorstands des Energiekonzerns bestellt. Teyssen wird Nachfolger von Wulf Bernotat, dessen Vertrag am 30. April 2010 endet und der das Unternehmen dann sieben Jahre lang geführt hat. Bernotat werde sich auf der E.on-Hauptversammlung am 6. Mai 2010 von den Aktionären verabschieden, teilte das Unternehmen mit.

Künftiger E.on-Chef Teyssen: Ab Mai 2010 an der Spitze des Konzerns

Künftiger E.on-Chef Teyssen: Ab Mai 2010 an der Spitze des Konzerns

Foto: ddp

Teyssen, der das Tagesgeschäft führt, ist unter anderem auch für das geplante Sparprogramm verantwortlich, mit dem der Düsseldorfer Konzern seine Kosten dauerhaft um 1,5 Milliarden Euro pro Jahr bis 2011 senken will. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Ver.di werden infolge des Sparprogramms gut 2000 Arbeitsplätze in Deutschland ausgegliedert oder gestrichen.

Der künftige Konzernchef Teyssen kennt den Konzern im Detail. Der promovierte Jurist ist bereits seit zwei Jahrzehnten für E.on beziehungsweise für Vorgängergesellschaften tätig. Seit 2004 gehört er dem Vorstand an, seit 2008 ist er Stellvertreter von Vorstandschef Bernotat. Der Konzernchef hatte in der Hauptversammlung Anfang Mai mitgeteilt, dass er für eine Vertragsverlängerung über das Frühjahr 2010 hinaus nicht zur Verfügung stehe. Bernotat wird im kommenden Jahr 62 Jahre alt und will sich dann nach eigenen Aussagen neuen beruflichen Aufgaben stellen.

Nach Ansicht von Aktionärsschützern agieren Bernotat und Teyssen bereits seit längerem wie ein Doppelsitze. "Ich habe den Eindruck, dass es keine Differenzen gibt, sonst hätte das Problem Personalabbau jetzt nicht gelöst werden können", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Thomas Hechtfischer. Eine Nominierung von Teyssen für den Vorstandsvorsitz komme nicht überraschend. "Er sollte Bernotat entlasten. Da hat schon alles darauf hingedeutet, das wird der kommende starke Mann sein bei E.on", erläuterte Hechtfischer. Der Wechsel an der Konzernspitze erfolge unaufgeregt und geräuschlos.

Wettbewerbshüter haben Verschlankung verordnet

Als E.on-Chef muss Teyssen nun weiter am einheitlichen Energiekonzern schmieden: Sein Vorgänger Bernotat kaufte europaweit Unternehmensteile zu, die nun in das Unternehmen integriert werden müssen. Dieser Konzern machte im vergangenen Jahr 86 Milliarden Euro Umsatz und hatte 93.500 Beschäftigte.

Im Zuge der Integration muss Teyssen, der mit einer US-Bürgerin verheiratet ist und vier Kinder hat, auch abspecken: Die deutschen genauso wie die europäischen Wettbewerbshüter haben die Macht des E.on-Konzerns kritisiert und ihm eine Verschlankung verordnet. Die Stadtwerke-Tochter Thüga wechselt nun angeblich für drei Milliarden Euro den Besitzer, weitere Aktivitäten sollen folgen. Außerdem muss Eon einen Teil seines Übertragungsnetzes verkaufen, und auch die Gastochter Eon-Ruhrgas ist im Visier der Kartellbehörden.

Nach Angaben von Ver.di werden durch das Sparprogramm des Konzerns rund 1000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen und weitere gut 1000 Arbeitsplätze des IT-Bereichs ausgelagert. Der Konzern selbst nennt keine Zahlen. E.on hat allein in Deutschland rund 40.000 Beschäftigte. Unternehmensleitung, Betriebsrat und Gewerkschaften haben sich darauf verständigt, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind. Das sieht ein am Wochenende veröffentlichtes Eckpunktepapier vor.

E.on hatte im vergangenen Jahr einen bereinigten operativen Gewinn (EBIT) von knapp 9,9 Milliarden Euro erzielt. Der Nettogewinn sank wegen hoher Abschreibungen aber um 79 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro.

wit/dpa/ddp/AP/Reuters