Führungswechsel UBS-Chef Wuffli überraschend abgelöst
Zürich - Zur Begründung verwies die UBS auf einen vor Jahresfrist geäußerten Wunsch von Verwaltungsratschef Marcel Ospel nach einem Generationenwechsel. Der heute 57-jährige UBS-Präsident habe in absehbarer Zeit von seinem Amt zurückzutreten wollen und Wuffli zum Nachfolger vorgeschlagen. Nach sorgfältiger Evaluation habe der Verwaltungsrat aber beschlossen, diesem Vorschlag nicht zu folgen.
"Der Verwaltungsrat sieht die automatische Ämternachfolge nicht als zwingend, sondern sucht unvoreingenommen nach der in seiner Einschätzung jeweils besten personellen Konstellation für die Bank", heißt es in der UBS-Mitteilung. Vor diesem Hintergrund habe der Verwaltungsrat Ospel gebeten, sich für mindestens eine weitere dreijährige Amtsperiode als vollamtlicher Präsident zur Verfügung zu stellen. In der Folge hätten der Verwaltungsrat und Wuffli entschieden, den Generationenwechsel auf die operative Führung zu beschränken.
Rohner ist allerdings nur sieben Jahre jünger als Wuffli. Zudem wirft sein abrupter Abgang Fragen auf. Der Verwaltungsrat dankte Wuffli "für seinen außerordentlichen Beitrag zum Wachstum von UBS, insbesondere der substanziellen Erweiterung der Franchise, zur Positionierung des Konzerns und zum Aufbau der starken Marke UBS".
Wufflis Stellvertreter, der 42-jährige Marcel Rohner, wurde zum Nachfolger ernannt. Der 42 Jahre alte Rohner hatte die Privatkundensparte geleitet, die eine besonders wohlhabende Klientel bedient. Er half bei der Expansion dieses Bereichs in Staaten wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Rohners Funktion als Chef des Private Banking beim größten Vermögensverwalter der Welt übernimmt der 47-jährige Raoul Weil, der schon bisher Mitglied der Konzernleitung war.
Rückschläge im Geschäft
Das "Wall Street Journal", das den Wechsel in der Nacht zum Freitag vorab meldete, verwies auf Rückschläge im Geschäft der UBS in den letzten Monaten und auf den Abgang von erfolgreichen Händlern. Der Wechsel scheine auch darauf abzuzielen, den Spekulationen über eine Aufspaltung des Bankenkonzerns ein Ende zu setzen.
Die UBS hatte im vergangenen Frühling den hauseigenen Hedge-Fund Dillon Read Capital Management nach nur einem Jahr wieder aufgelöst. Die Probleme im US-Hypothekarmarkt bescherten der Einheit einen Verlust 150 Millionen Franken (90 Millionen Euro); hinzu kommen Restrukturierungskosten von schätzungsweise 300 Millionen Dollar (220 Millionen Euro).
Strategieänderung dementiert
Die Bank wies Spekulationen zurück, der Personalwechsel könnte eine Strategieänderung vorbereiten. "Es gab keine Meinungsverschiedenheiten über die Strategie", sagte Sprecher Cristoph Meier. Die Bank bleibe bei ihrer Ausrichtung als integriertes Institut.
Wufflis Ernennung zum Konzernchef war ähnlich überraschend und abrupt gewesen wie sein Abgang. Er hatte am 18. Dezember 2001 mit sofortiger Wirkung den Briten Luqman Arnold als Konzernchef abgelöst. Vorangegangen war dem Vernehmen nach ein Machtkampf zwischen Arnold und Ospel, der damals wegen der Swissair-Krise unter Druck stand.
Wuffli und Ospel galten lange als ideales Team, gerade auch wegen ihrer unterschiedlichen Charaktere. Seit 2003 zeigte die Gewinnkurve der UBS steil nach oben. Analysten monierten in jüngster Zeit aber immer wieder die stark gestiegenen Kosten.
mik/AP/Dow Jones/Reuters