Fusionsdebakel: Gezerre um Breuers Zukunft - DER SPIEGEL
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Fusionsdebakel Gezerre um Breuers Zukunft

Geht er oder geht er nicht? In der Frankfurter Bankenszene ist die Zukunft des Deutsche-Bank-Chefs Rolf Breuer Gesprächsthema Nummer eins. Nach der Fusionspleite mit der Dresdner Bank nimmt der Druck auf Breuer trotz aller Vertrauensbezeugungen täglich zu.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Selbst die besten Kenner der Bankenlandschaft wollen derzeit keine Wette abschließen: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand, der dieses Ding in den Sand gesetzt hat, auf seinem Posten bleiben kann", sagen die einen im Aufsichtsrat des Kreditinstituts. "Ein Rücktritt entspricht nicht der Tradition der Deutschen Bank, auch andere wurden nach schwerem Fehlverhalten gehalten", lautet die Gegenposition.

"Eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats der Deutschen Bank ist nicht vorgesehen." Mit diesem Hinweis wollte der Branchenprimus am Montag sämtlichen Spekulationen über den Breuer-Rücktritt ein Ende bereiten. Unterdessen wurden jedoch die Forderungen nach einer außerordentlichen Sitzung des Kontrollgremiums immer drängender. Die Vorsitzende der Gewerkschaft HBV, Margret Mönig-Raane, äußerte sich verwundert, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Hilmar Kopper nicht selbst zu einer außerordentlichen Sitzung eingeladen hat. Planmäßig treffen sich die Kontrolleure erst am 9. Juni.

Die HBV-Chefin, die dem Aufsichtsrat angehört, geht aber noch nicht so weit wie die Konkurrenzgewerkschaft DAG, die sich für einen vorzeitigen Rücktritt von Breuer ausspricht. "Erst müssen Hintergründe und Ursachen der geplatzen Fusion mit der Dresdner Bank lückenlos dargestellt werden", sagte Mönig-Raane. Wenn das Kontrollgremium umfassend im Bilde sei, könne über Konsequenzen entschieden werden.

Übereinstimmung herrschte zum Wochenauftakt nur in einem Punkt: Die letzte Entscheidung liegt bei Kopper und seinem Kollegen Ulrich Cartellieri. Die langjährigen Top-Manager im Vorstand der Deutschen Bank und designierte CDU-Schatzmeister bilden zusammen mit der Arbeitnehmervertreterin Heidrun Förster das Präsidium im Aufsichtsrat. Beide gelten als Strategen, die eher langfristig denken und sich nicht von Turbulenzen des Tagesgeschäfts aus der Ruhe bringen lassen.

Auch in früheren Fällen, die der Deutschen Bank erhebliche Image-Einbußen einbrachten, habe die Spitze des größten europäischen Geldhauses Geschlossenheit demonstriert. Bei der Milliarden-Pleite der Frankfurter Metallgesellschaft (MG) auf Grund hochspekulativer Öltermingeschäfte wurden Ronaldo Schmitz erhebliche Versäumnisse als MG-Aufsichtsratsvorsitzender angekreidet. Je stärker allerdings der Druck wurde, umso mehr wurde Schmitz durch den Korpsgeist des Vorstandes gestützt.

Auch bei den plötzlich auftauchenden Milliardenlöchern des Bauriesen Holzmann kam der Deutsche-Bank-Vorstand Carl von Boehm-Bezing in Erklärungsnotstand. Die Position des Holzmann-Chefkontrolleurs musste er zwar aufgeben, es folgte aber kein Rücktritt aus dem Vorstand der Deutschen Bank.

Der 62-jährige Breuer hat noch einen Vertrag bis zur Hauptversammlung 2002. Die knapp zwei Jahre kann sein Vorgänger Kopper nutzen, um in Ruhe den Generationswechsel an der Spitze des Branchenführers zu organisieren. Dabei gilt es, im Innern die Fraktionskämpfe zu dämpfen und nach außen das lädierte Image wieder aufzupolieren.

Wolf Pampel