Fusionsdesaster Walter gibt Deutscher Bank die Schuld
Frankfurt am Main - Einen Tag nachdem Walter seinen Rücktritt zum Ende des Monats angekündigt hat, begründete er den Abbruch der Fusionsgespräche damit, dass die Verhandlungen nicht mehr partnerschaftlich gewesen seien. Die Gespräche seien eindeutig am Verhalten des größeren Partners gescheitert. Die Deutsche Bank sei nicht bereit gewesen, den Zusammenschluss auf der verabredeten Basis "einer Fusion unter gleichen Partnern" zu gestalten, sagte Walter während der Bilanzpressekonferenz.
Die Deutsche Bank habe diese Grundsätze insbesondere bei dem Integrationsprozess des Investmentbanking nicht einhalten wollen. Sie habe vielmehr den Verkauf des Londoner Investmenthauses der Dresdner Bank ganz oder in Teilen verlangt. Aus diesem Grund habe der Vorstand der Dresdner Bank am Mittwoch einstimmig beschlossen, den begonnenen Fusionsprozess mit sofortiger Wirkung zu beenden.
Bereits unmittelbar nach der Entscheidung des Dresdner-Vorstandes habe er den Aufsichtsratsvorsitzenden gebeten, ihn von seinem Amt zu entbinden, sagte Walter und trat damit Gerüchten um seinen Rücktritt entgegen. Es war spekuliert worden, dass der Großaktionär Allianz Walter den Rücktritt nahe gelegt habe. "Bei dieser Gelegenheit möchte ich allen Unterstellungen, dass ich nicht aus freien Stücken gehandelt hätte, in aller Deutlichkeit widersprechen", so Walter in Frankfurt.
Auf die Frage, ob er wisse, was die Allianz mit ihrem Aktienpaket an der Dresdner Bank vorhabe, antwortete Walter, dass es deren ureigenste Entscheidung sei. Er blicke aber mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft der Bank.
Die Dresdner Bank hat in den ersten beiden Monaten des Jahres 2000 ihren Konzerngewinn vor Steuern um 60 Prozent auf 500 Millionen Euro gesteigert. Der Provisionsüberschuss verbesserte sich nach Walters Darstellung um 57 Prozent. Auch im Handel habe das Institut um 20 Prozent auf 370 Millionen Euro zulegen können.
Dieses "Superergebnis" der ersten beiden Monate könne allerdings nicht auf das Gesamtjahr hochgerechnet werden, betonte Walter. Nicht zuletzt die Turbulenzen durch die gescheiterte Fusion mit der Deutschen Bank dürften in der Sparte Investmentbanking zu rückläufigen Erträgen führen.
Hinsichtlich der "Zukunftsplattform Retailgeschäft 2000" sei die Aufstellung schon überprüft, aber noch keine Vorstandsbeschlüsse gefasst worden. Im Investment Banking sei auch der März sehr gut verlaufen, so dass das erste Quartal insgesamt positiv gewesen sei, berichtete Walter, der als Vorstandssprecher zum Monatsende von Bernd Fahrholz abgelöst wird.