Fusionsgerüchte Schluckt Pfizer den Pharmariesen Warner-Lambert?
New York - Der US-Pharmakonzern Pfizer wird wahrscheinlich am Montag die Übernahme des amerikanischen Pharmariesen Warner-Lambert für 87 Milliarden Dollar bekannt gegeben. Dies berichtete die "New York Times" am Wochenende. Die Verwaltungsräte der drei Unternehmen wollten nach Angaben der Zeitung noch am Sonntag über die Transaktion abstimmen. Es gebe allerdings keine Garantie für einen Abschluss. Die Firmen nahmen keine Stellung zu dem Zeitungsbericht.
Bei einer Fusion würde der größte amerikanische und der zweitgrößte Pharmakonzern der Welt entstehen. Pfizer hat 2,75 eigene Aktien je Warner-Lambert-Anteil offeriert. Ursprüngliche hatte Pfizer ein feindliches Übernahmeangebnot von 2,5 eigenen Aktien je Warner-Lambert-Aktie angeboten.
Der US-Pharmakonzern American Home Products Corp, der ursprünglich mit Warner-Lambert fusionieren wollte, soll sich nach Darstellung der Zeitung mit einer Abstandssumme von 1,8 Milliarden Dollar zufrieden erklärt haben.
Das weltgrößte Pharmaunternehmen wird die britische Glaxo SmithKline. Das Unternehmen entsteht durch den geplanten Zusammenschluss der britischen Pharmafirmen Glaxo Wellcome und SmithKline Beecham.
Die Warner-Lambert-Aktien hatten zum Wochenschluss um 1,0625 Dollar auf 94,5625 Dollar zugelegt. Die Pfizer-Aktien stiegen um 0,125 Dollar auf 33,75 Dollar und die American Home-Aktien gaben um 2,1875 Dollar auf 45,50 Dollar nach.
Pfizer hatte im vergangenen Jahr 16,2 Milliarden Dollar umgesetzt und 3,2 Milliarden Dollar verdient. Das Unternehmen hat Viagra als wichtiges Hauptprodukt, ein Medikament gegen Potenzstörungen. Warner-Lambert hatte für 1999 einen Umsatz von 12,9 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1,7 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der wichtigste Bestseller ist Lipitor, ein Cholesterin-Medikament.
Pfizer war bereits am Lipitor-Vertrieb beteiligt. Einer der Hauptgründe für den Warner-Lambert-Kauf dürfte die Sicherung von Lipitor sein, dessen Umsatz in diesem Jahr auf weit über vier Milliarden Dollar steigen dürfte.
Am 4. November hatten Warner-Lambert und American Home eine Fusion im Wert von rund 70 Milliarden Dollar vereinbart. Noch am gleichen Tag konterte Pfizer mit seinem ursprünglichen feindlichen Übernahmeangebot von 82,4 Milliarden Dollar für Warner-Lambert.
American Home und Warner-Lambert hatten auch mit dem Waschmittel-und Verbraucherproduktriesen Procter & Gamble über eine mögliche Dreierfusion verhandelt, um sich gegen Pfizer zur Wehr zu setzen. Diese Diskussionen waren jedoch geplatzt, weil die Procter & Gamble-Aktien auf Grund der Fusionsgerüchte scharf eingebrochen waren.