Fußball-Bundesliga Vermarktung total
Hamburg - Zum ersten Mal hat die Bundesliga innerhalb einer Saison mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt - und landet im europäischen Ligen-Vergleich dennoch nur auf dem dritten Platz. Die Umsatz-Champions spielen im Mutterland des Fußballs: Umgerechnet 1,7 Milliarden Euro setzte die englische Premier League in der Saison 2001/2002 um - Europarekord. Da kann selbst die zweitplazierte Serie A im fußballverrückten Italien mit einem Umsatz von rund 1,13 Milliarden Euro nicht annähernd mithalten.
1,04 Milliarden Euro haben die 18 Vereine der Fußball-Bundesliga in der Saison 2001/2002 erwirtschaftet, berichtet eine Studie der Unternehmensberatung "Deloitte & Touche". Weil die Zahlen auf den Ende 2002 veröffentlichten Jahresberichten der Vereine beruhen, liegen die Daten für die vergangene Saison noch nicht vor.
Die magische Zahl "1 Milliarde" kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen: Das Unternehmen Bundesliga steckt in der Krise. Für die vergangene und die laufende Saison dürften die ehemals zweistelligen Wachstumsraten durch eine runde Null ersetzt werden, prophezeit Stephan Ludwig von "Deloitte & Touche". Der Grund: Die Bundesliga hing und hängt immer noch am Tropf der TV-Gelder. Solange die Millionen von Rechteinhaber Leo Kirch flossen, ging das gut. Noch in der Saison 2000/2001 zahlte Kirch für die Rechte 355,55 Millionen Euro. Dann ging er finanziell zu Boden - und riss die Liga mit.
Statt den vereinbarten 360 Millionen Euro flossen in der Folgesaison 81 Millionen weniger aus München. Das Desaster schien so groß, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder gar laut über eine staatliche Subvention der vermeintlich Not leidenden Vereine nachdachte, damit die Millionengagen für Stars wie Michael Ballack aufgebracht werden könnten. Vergangene Saison zahlte Sat 1 bereits nur noch 80 Millionen Euro, die Rechte an der laufenden Spielzeit kaufte die ARD für 65 Millionen Euro.
Mit dem Nullwachstum hat die Liga noch einmal Glück gehabt. Denn nur die gestiegenen Einnahmen aus Sponsoring, Ticketverkauf und Stadionvermarktung haben verhindert, dass jetzt rote Zahlen auf dem Papier stehen. Gerade noch rechtzeitig haben viele Vereine wie etwa der HSV oder der 1. FC Köln ihre Stadien modernisiert und ihr Merchandising-Geschäft ausgebaut. Die Clubs scheinen nun gewillt, einen Grundsatz zu beherzigen, der zwar nicht unbedingt für den sportlichen Kick auf dem Rasen, wohl aber für dessen ökonomischen Hintergrund gilt: Von England lernen heißt Siegen lernen.
Während die TV-Gelder in der Saison 2000/2001 bei den deutschen Erstligavereinen noch durchschnittlich bis zu 45 Prozent der Einnahmen ausmachten, sind in England die Anteile der Einnahmen aus Ticketverkauf und Merchandising, Sponsoring und Fernsehrechten annähernd gleich verteilt.
Die Stadien mit den teuersten Logen
| Stadion | Verein | Logenanzahl | Euro/Saison |
|---|---|---|---|
| BayArena | Bayer Leverkusen | 10 | ab 115.000 |
| Gottlieb-Daimler- Stadion | VfB Stuttgart | 42 | ab 82.000 |
| Olympiastadion | Hertha BSC Berlin | 88 | ab 65.000 |
| AOL-Arena | Hamburger SV | 50 | ab 61.000 |
| Westfalen- stadion | Borussia Dortmund | 11 | ab 56.000 |
| Arena "Auf Schalke" | FC Schalke 04 | 72 | ab 45.000 |
| Fritz-Walter- Stadion | 1. FC Kai- serslautern | 9 | ab 35.000 |
Anfang der neunziger Jahre begannen die Briten, scheinbar nebensächliche Einnahmequellen bis zum letzten auszureizen. Etwa bei den Spieltags-Erlösen: Durch den Verkauf von Tickets, Logen und Fastfood erzielen die Clubs der Premier League 322 Millionen Pfund - dreimal soviel wie die Bundesligavereine, bei denen diese Einnahmen laut Ludwig nur 17 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen.
Die Zeit drängt: Nach dem Kirch-Crash ging der Anteil der TV-Gelder an den Klubeinnahmen laut "Kicker" auf knapp 39 Prozent zurück, für die aktuelle Saison dürfte er noch niedriger ausfallen.
Die Vereine sollten sich laut Ludwig wieder auf die eigenen Werte besinnen - und wiederum nach England schauen: Die Stadien der Premier League sind zu über neunzig Prozent ausgelastet, das sind zwanzig Prozent mehr als in der Bundesliga. Für den Kauf von Dauerkarten gibt es Wartelisten. Fußball ist in England ein knappes Gut: Weil die dortigen Stadien viel weniger Plätze als die deutschen haben, hätten die Engländer ein "exklusives Produkt" geschaffen, sagt Ludwig. Weil die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt, können die britischen Klubs beliebig an der Preisschraube drehen.
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Bei aller marktwirtschaftlichen Ausrichtung - Fußball müsse immer noch Volkssport bleiben, sagt Ludwig. Die "Hardcore-Fans" dürfe man durch zu hohe Preise nicht verärgern. Doch hinsichtlich der Besucher von "Business"-Logen verschiedener Preiskategorien wie in England rät er den Vereinen, richtig zuzuschlagen: "Die werden wohl kaum eine Sitzblockade vor der VIP-Lounge veranstalten."