Fußball-WM: Sturmlauf auf die Großbildleinwände - DER SPIEGEL
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Fußball-WM Sturmlauf auf die Großbildleinwände

Wenn es nach dem Wunsch von Franz Beckenbauer ginge, würden zur Fußball-WM 2006 in den Städten überall die Großbildleinwände aus dem Boden wachsen. Doch nicht jeder Traum des "Kaisers" ist erfüllbar. Auf dem Markt für Großbildleinwände herrscht Mangel.
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Berlin - Mindestens 100 Großleinwände brauche man alleine in Deutschland, sagte der Leiter des Berliner Büros zur Fußball-WM, Bernd Schiphorst. "Der Weltmarkt wird im Moment intensiv abgesucht nach diesem kostbaren Gut", sagte er. Neue Wände für die WM anzuschaffen, lohnt sich für die Verleiher jedoch nicht. "Jede Firma, die sich auskennt in der Branche, kauft keine neuen Wände", sagt der Verkaufsleiter der internationalen Verleihfirma XL Video, Hubert Gryson. Sie würden sonst zwischen Oktober und April unbenutzt auf dem Hof stehen, woran jede Firma Pleite ginge. "Ich denke, es wird nicht genügend Leinwände geben". Er könne nur den Leuten empfehlen, sich zu sputen.

Mindestens 60.000 Euro koste eine tageslichtfähige Großleinwand für die vier Wochen der Fußball-WM, erklärte Gryson. Doch gebe es auch Wände für 250.000 Euro. Rund 500 Anfragen habe er bereits im Zusammenhang mit der Fußball-WM gehabt.

Die Verleihfirmen liefern die Wände und die Technik, doch für die Infront-Lizenz und GEMA-Gebühren, Sicherheit und das Programm der Events sind die Veranstalter verantwortlich. "Zwischen Wunschträumen und Realität liegt ein großer Unterschied", meinte Gryson. Bei XL Video müssen die Veranstalter 30 Prozent des Mietpreises sofort anzahlen.

Die Schweizer Sportagentur Infront, der die TV-Rechte für die WM gehören, hat für "public viewing events" in Deutschland bereits 400 Lizenzen vergeben. "Wir erwarten für Deutschland, dass es nach der Auslosung am 9. Dezember noch einmal zu einem kleinen Schub kommt", sagte der Infront-Geschäftsführer für Broadcast Operations, Dominik Schmid. Für nicht-kommerzielle Events gibt es die Lizenz kostenlos.

Für die zwölf offiziellen Fanfeste des Weltfußballverbandes Fifa in den WM-Städten liefert Philips die Großleinwände. Wer eine Großleinwand kaufen will, muss nach Angaben des Herstellers einen sechsstelligen Betrag zahlen. Für sehr große Wände, die Bilder im hoch auflösenden Format liefern, müsse ein Käufer mit deutlich mehr als 100.000 Euro rechnen, sagt der Chef der internen Kommunikation von Philips, Andreas Parchmann. Leihen ist bei Philips nicht möglich.

Zur WM werde es eine einmalige große Nachfrage geben, die der Markt nicht befriedigen kann, befürchtet auch Parchmann. Niemand könne 50 Leinwände einkaufen, um im Anschluss an die WM auf 40 sitzen zu bleiben.

"Es wird kurz vor der WM ein Mangel eintreten", meinte auch der Geschäftsführer der Verleihfirma Screen Visions, Roger Rinke. Er und sein Team bauen im Auftrag von Philips die 1000 bis 1200 Quadratmeter großen Leinwände für die zwölf offiziellen Feste auf. "Es wird für viele Veranstalter eine Riesenenttäuschung".