G8-Gipfel Schröder scheitert mit Hedgefonds-Regeln
Berlin - Wie deutsche Regierungskreise erklärten, werden sich die sieben führenden Industrieländer und Russland nicht auf ein Dokument zur stärkeren Kontrolle der hoch spekulativen Hedgefonds verständigen. Bundeskanzler Gerhard Schröder werde sich jedoch dafür aussprechen, dass eine Harmonisierung der Regeln zur Beobachtung und Kontrolle der Fonds sinnvoll wäre, hieß es weiter.
Noch vor einer Woche hatte sich Schröder bei einem Besuch in Washington optimistisch gezeigt, beim G8-Gipfel ein solches Regelwerk zu konkretisieren. "Wir stimmen mit der Forderung nach Transparenz mit wichtigen Vertretern der US-Administration überein", hatte der Bundeskanzler vor der amerikanischen Handelskammer erklärt. Dabei gehe es um die Herstellung von Transparenz bei Hedgefonds, wie sie in den USA zum Teil bereits Normalität sei.
Hedgefonds waren in Deutschland im Zuge der Kapitalismusdebatte in die Kritik geraten. SPD-Chef Franz Müntefering hatte Vertreter der Branche mit "Heuschrecken" verglichen, die Firmen "abgrasen" und dann weiterziehen. Auch der Sturz von Börsenchef Werner Seifert durch Anleger unter Führung des Hedgefonds TCI hatte Forderungen nach einer stärkeren Überwachung laut werden lassen.
Der Gipfel der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G8) findet von Mittwoch bis Freitag etwa 70 Kilometer nördlich von Edinburgh statt. Zu den Hauptthemen, die Premierminister Tony Blair als Gastgeber auf die Agenda gesetzt hat, gehören die Entwicklungshilfe für Afrika und der globale Klimawandel.