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PREUSSAG Ganz im stillen

In einem Dreiecksgeschäft wurden der Rohstoff-Trust Preussag und die renommierte Familienfirma Deilmann miteinander verbunden.
• aus DER SPIEGEL 48/1981
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Noch mit 83 Jahren setzte sich Carl Deilmann selbst ins Cockpit und steuerte mehrmals in der Woche seinen Privatjet von Montagnola im Tessin zum Firmensitz in Bad Bentheim. Heute, im Alter von 87, steuert der Senior den Jet zwar nicht mehr eigenhändig, doch noch immer fliegt er regelmäßig nach Bentheim, um nach dem Rechten zu sehen.

Wenn sich im nächsten Jahr Carl Deilmann nun endlich in seiner Tessiner Villa »Casa Barbara« zur Ruhe setzt, werden auch seine Söhne Jürgen, 54, und Hans Carl, 58, den Kurs der ertragsstarken Schachtbaugruppe nicht allein bestimmen dürfen. Gerade rechtzeitig setzte der alte Deilmann seinem Nachwuchs einen Aufpasser ins Haus.

Der Bentheimer Patriarch wurde vorletzte Woche mit Preussag-Chef Günther Saßmannshausen handelseinig. Der hannoversche Rohstoffkonzern erwirbt in einer ersten Etappe 25,1 Prozent der im Bohrgeschäft und bei der Öl- und Gasförderung tätigen Deilmann-Gruppe; später kann er seinen Anteil an dem hochprofitablen Unternehmen auf bis zu 70 Prozent aufstocken.

Was auf den ersten Blick wie ein alltäglicher Routine-Aufkauf eines Familienunternehmens durch einen mächtigen Konzern erscheint, entpuppte sich hinter den Kulissen als ein verzwicktes Kungelgeschäft. An dem Handel ist nämlich noch ein Dritter beteiligt.

Der Chef der Westdeutschen Landesbank (WestLB), Friedel Neuber, der nebenher den Aufsichtsrat der Preussag leitet, mischte in den Verhandlungen mit. Er dehnte das Fusionsgeschäft zu einem Deal aus, bei dem Geld- und Aktienpakete hin und her geschoben werden.

Der nicht gerade alltägliche Tauschhandel geht so: Den Preis von über 70 Millionen Mark für die Schachtel an Deilmann zahlt die Preussag nicht an die Familie Deilmann, sondern an die WestLB. Dafür reichen die Düsseldorfer Landesbanker von ihrem 45prozentigen Aktienpaket an der Preussag zehn Prozent an Deilmann.

Als in den letzten beiden Wochen die Kontrollräte von Preussag und WestLB den Aktienhandel genehmigten, glaubte jeder der drei Partner, einen guten Griff gemacht zu haben. Neuber kann mit dem Inkasso aus Hannover seine tiefrote Bilanz aufhellen, Deilmann fand einen starken Kompagnon und Saßmannshausen bekommt eine Firma, die ideal in das Preussag-Programm paßt.

Die Deilmänner, die nach Öl und Gas bohren und Zechen abteufen, können der Preussag zum einen prächtig bei der Erschließung ihrer Pütts, Zinn- und Zinkgruben, Kupfer- und Bleivorkommen helfen. Zum anderen bringen sie in den Verbund ihre außerordentlich rentablen deutschen Öl- und Gasquellen ein.

Daß die Deilmann-Familie mit einem zehnprozentigen Preussag-Paket entschädigt wird, liegt nicht nur im Sinn der Düsseldorfer Banker. Auch die Energiepolitiker sind von dem Handel angetan.

Mehrfach schon bemühten sich ausländische Konzerne um Preussag-Anteile. Nacheinander meldeten der britische Bergbau-Multi Rio Tinto-Zinc und die Ölkonzerne Esso, Shell, Texaco sowie die Deutschland-Tochter der britischen BP ihr Kaufinteresse für das bei der WestLB lagernde Preussag-Paket an. Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen wies jedoch alle Bewerber zurück.

Der bärbeißige Preussag-Chef Saßmannshausen hatte die Abwehrmanöver stets unterstützt. Er mußte befürchten, in die Konzerninteressen der Aufkäufer eingespannt zu werden. Mit der WestLB war Saßmannshausen bestens gefahren, denn die Bank hatte sich nur selten in seine Geschäfte eingemischt und den Besitz nur als reine Geldanlage betrachtet.

Dabei hätte die Bank schon früher liebend gern verkauft, um die Löcher von rund 600 Millionen Mark in ihrer Bilanz zu stopfen. Als Chefkontrolleur Jochimsen Mitte des Jahres sogar ein generelles Verkaufsverbot verhängte, ließ sich Neuber den Trick mit Deilmann einfallen.

Die Kontrolleure genehmigten den Verkaufscoup am Dienstag vergangener Woche allerdings nur unter der Bedingung, daß Neuber mit Deilmann noch einen Zusatzvertrag aushandelt: Für den Fall, daß Deilmann das Preussag-Paket weiterverkaufen will, muß sich der Bentheimer Partner verpflichten, die Aktien zunächst der WestLB »anzudienen«.

Mit dieser Klausel wollen Jochimsen und auch Preussag-Chef Saßmannshausen ausschließen, daß durch die Hintertür, über Bad Bentheim, doch noch ein unerwünschter Konkurrent bei der Preussag einsteigt.

So abwegig ist die Sorge des Ministers und der Manager nicht, daß sich zur WestLB klammheimlich ein weiterer Großaktionär gesellt. Ganz im stillen hat sich nämlich in den letzten Monaten das Münchner Bankhaus Merck, Finck & Co. mehr als zehn Prozent Preussag-Papiere zusammengekauft.

Die Jüngeren in der Deilmann-Sippe, so wird in der Branche kolportiert, würden am liebsten die Verflechtungspläne des Familienoberhauptes mit dem hannoverschen Trust unterlaufen und das Paket meistbietend zu Bargeld machen.

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