GELDANLAGE Ganz normaler Vorgang
Für gut verdienende Bundesbürger, die nicht so recht wissen, wohin mit ihrem überschüssigen Geld, steht Ernst Willner stets zu Diensten. »Geld habe ich immer gebraucht«, versichert der Spezialist für die Anlage von anderer Leute Kapital.
Das Geld braucht Willner für seine Mega-Petrol(MP)-Gesellschaften. Den Kapitalanlegern verspricht er in seinen Prospekten eine »risikoarme Investition im ertragsstarken Erdöl- und Erdgasgeschäft in den USA«. Bisher zeichneten Hunderte von Geldgebern -- vom Bankdirektor bis zum Bauern -- rund 200 Millionen Mark an Kommandit-Einlagen bei Willners MP.
In letzter Zeit aber fließt das Geld nicht mehr so reichlich herein. Das Geschäft verdorben hat Willner der Düsseldorfer Informations-Dienst »Kapital-Markt intern«. »KMI«-Autor Heinz Gerlach machte bei Mega Petrol »eine der schlimmsten Anlage-Affären der letzten zehn Jahre« aus.
Willner weist diese Anschuldigungen entrüstet von sich und vermutet dahinter eine »Kampagne« neidischer Konkurrenten bei anderen Ölbohr-Fonds: »Ich habe einen Namen zu verlieren.«
Bisher allerdings bürgte Willners Name nicht gerade für Erfolg im Geldanlage-Geschäft.
Der Sproß einer Ingolstädter Unternehmerfamilie versuchte sich zunächst in der Schiffahrt. Die Cosima-Reederei, eine von Willner gegründete Abschreibungsgesellschaft, geriet wegen sinkender Charter-Frachten und Überkapazitäten in der Branche Mitte der siebziger Jahre zeitweilig in Schwierigkeiten. Noch heute lasten auf Willner über 20 Millionen Mark an Mit-Haftung und Bürgschaften für Staatszuschüsse, die Cosima über Wasser hielten. Auch der zweite Anlauf ins Reederei-Geschäft mißlang.
Die »erste bayerische Linienreederei« war schon kurz nach der feierlichen Schiffstaufe in Triest am Ende.
Der glücklose bayrische Reeder hatte aber schon wieder ein Bein an Land. Seine Mega Montan sammelte fleißig Kapital für den Uran-Abbau in Kanada; den anlagewilligen Kunden versprach Willner eine »Vervierfachung der eingesetzten Geldmittel«. Doch der erwartete Uran-Boom blieb aus, der Vertrag mit dem kanadischen Partner Denison Mines wurde »in gegenseitigem Einvernehmen aufgehoben«.
Dennoch -- für Ernst Willner war wenig später die Zeit für »eine unternehmerische Sternstunde« reif. Mitte 1979 schloß der Bayer mit der amerikanischen Filiale der Bow Valley namens einer Mega Petrol (USA) einen Partnerschaftsvertrag über die Ausbeutung von Öl- und Gasfeldern in den US-Staaten westlich des Mississippi.
Deutsche Kapitalanleger konnten inzwischen in drei nacheinander aufgelegten MP-Gesellschaften als Kommanditisten (Mindesteinlage: 20 000 Mark) einsteigen, eine vierte Sammlung soll ab nächste Woche weitere 60 Millionen Mark einbringen.
Auf den ersten Blick scheinen Willners Beteiligungsangebote attraktiv. Schon in der Anfangsphase der Investition wird den Kommanditisten laut Gesellschaftsvertrag -- etwa bei der dritten Mega-Petrol-Gesellschaft -- eine Verzinsung von 20 Prozent zugesichert. Im März dieses Jahres verkündete Willner gar: »Mega Petrol (USA) will 1981 rund 30 Prozent ausschütten.«
Andere Fonds-Manager -- so die Initiatoren der Münchner Ardeco oder des Kölner Prominex-Fonds -- versprachen ihren Anlegern erst mal vor allem hohe steuermindernde Verluste im Ölgeschäft. Die Steuerspar-Masche dieser Abschreibungsgesellschaften -eine verwegene Konstruktion mit sogenannten Bohrdarlehen -- hat bei den Finanzämtern allerdings keine Chance mehr; den Anlegern drohen beträchtliche Steuernachzahlungen.
Doch auch die zunächst für zwei Jahre garantierte »Zinsausschüttung« S.133 bei Mega Petrol hat ihre Tücken. Für die Sicherheit der Zinszahlungen sorgen die Kapitalanleger nämlich laut Vertrag selber. Als »Verfügungsmöglichkeiten« über die »Einzahlungen von Kommanditisten« sind -- neben den Bohr-Investitionen und einer Pauschale von 30 Prozent für »Kosten der Gesellschaft« -- auch »Zahlungen für Ausschüttungen an Gesellschafter« vorgesehen.
»Kapital-Markt intern« hat daher »keine Zweifel«, daß Willner die hohen Ausschüttungen »zu großen Teilen aus dem zufließenden Kapital bestreitet« -- ein »modifiziertes Schneeballsystem«, wie Kapital-Markt-Autor Gerlach schreibt.
Der Mega-Mann dagegen versichert, daß er für die Zinsen gar nicht auf das Kommanditisten-Kapital angewiesen sei: »Sämtliche Ausschüttungen« kämen »ausschließlich aus Verkaufserlösen von Öl und Gas in Nordamerika«.
Auf seiner Pressekonferenz, die er gern unter das Motto »Nichts ist erregender als die Wahrheit« stellt, läßt Willner stolz verbreiten: »Aus den Ölquellen, an denen die Mega Petrol (USA) beteiligt ist, sprudeln schöne Gewinne.«
Was auch immer da sprudelt, bestimmt sind es keine Gewinne. Der erste USA-Fonds von MP hatte nach der in den Staaten geschriebenen Bilanz für 1980 rund 3,1 Millionen Dollar mehr Kosten als Einnahmen.
Willner errechnet sich seine »Netto-Erträge« denn auch anders. Von den Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft zieht er nur die »Betriebskosten« und die amerikanische »Windfall-Profit«-Steuer ab; die übrigen Aufwendungen deklariert er zu »Investitionen«. Die rund 1,4 Millionen Dollar, die nach dieser Rechenmethode in die Mega-Kasse geflossen seien, entsprächen just den Ausschüttungen des letzten Jahres.
Ob die Rechnung dieses Jahr auch so glatt aufgeht, scheint fraglich. Seinen Kommanditisten ist Willner mit »Ausschüttungen« von über 37 Millionen Mark für 1981 im Wort. Aus den USA wurden bisher aber erst 2,4 Millionen Dollar überwiesen. Ende September sollen es laut Willner insgesamt mindestens sechs Millionen Dollar sein.
Die Differenz von über 20 Millionen Mark, das räumt inzwischen auch Willner ein, ist aus den Produktionserträgen für das letzte Quartal nicht zu decken. Darum will der bayrische Ölbohrer nun für etwa sechs Millionen Dollar Konzessionsgelände der Mega Petrol verkaufen. Willner hält den Verkauf »für einen ganz normalen Vorgang«.
Einigen Geschäftspartnern wird bei Willners Methoden langsam mulmig. Mitte letzten Jahres bereits wollte die Bayerische Landesbank von dem Anlagehelfer wissen, wie er denn in seinem Zeichnungsprospekt »über die Zahlung von Zinsen aus eingezahlten Kommanditeinlagen aufgrund der in den nächsten Jahren bis zur Reinvestitionsphase zu geringen Produktionserträge« zu informieren gedächte. Der Bank scheinen Willners Versprechungen offenbar allzu groß geraten.
Das bayrische Staats-Institut -- Präsident ist Ex-Finanzminister Ludwig Huber -- hat allen Grund zur Vorsicht. Die Landesbank gibt nämlich Mega-Kommanditisten Kredite für ihre Einzahlungen bei Willner. Anlageberater werben daher gern mit dem Namen der renommierten Bank für die Sicherheit des Mega-Engagements.
Doch darauf sollten die Kapitalanleger nicht zuviel geben. Die Bank übernimmt »keine Haftung für die steuerliche und wirtschaftliche Konzeption des Fonds« und verläßt sich nur auf die »persönliche Bonität des Zeichners«. Im Klartext: Platzt der Mega-Deal, gedenkt die Großbank, sich an den Kommanditisten schadlos zu halten.
Große Begeisterung klingt nun nicht mehr aus den gewundenen Erklärungen der Landesbank, die laut Willner eine Kreditlinie von 50 Millionen Mark für die Mega-Finanzierung eingeräumt hat: »Soweit MP-Zeichner in Kenntnis der jetzigen Veröffentlichungen solche Finanzierungen wünschen, würden wir nach heutigem Erkenntnisstand Finanzierungen wie oben beschrieben bis auf weiteres durchführen.«
Nur der bayrische Ölmagnat, ein »für Dritte unberechenbarer, erfolgreicher Unternehmer« (so das letzte Mega-Rundschreiben), ist weiterhin unverzagt: »Ich brauche mich nicht zu verstecken.«