Gary Winnick: Der Dollar-Jongleur - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Gary Winnick Der Dollar-Jongleur

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gary Winnick, Verkäufersohn aus New York, galt lange als einer der spendabelsten Konzernherren der USA - zumindest, wenn es um Schecks für Politiker ging. 2,8 Millionen Dollar gab sein Unternehmen, der Glasfasernetzbetreiber Global Crossing, im Wahlkampfjahr 2000 an beide Parteien, mehr noch als Enron. Winnick spielte mit Bill Clinton Golf, honorierte eine Rede George Bush Seniors mit Aktienoptionen. Genutzt hat all das wenig: Ende Januar flüchtete sich sein Unternehmen in den Gläubigerschutz, es war die viertgrößte Pleite der US-Geschichte. Pläne, Global an reiche Retter aus Fernost zu verkaufen, haben sich seither zerschlagen.

Großzügig war Winnick auch bei der Auslegung des Bilanzrechts. Im Jahr 2000 begann sein Unternehmen, Umsätze durch leere Tauschaktionen aufzublasen. Global mietete bei einem Konkurrenten Netzkapazitäten, oft genug wurden sie gar nicht gebraucht. Der Konkurrent kaufte bei Global Kapazitäten für einen ähnlichen Preis zurück. An den Bargeld-Beständen der Partner änderte das nichts. Beide aber konnten den Verkauf sofort als Umsatz verbuchen, den Kauf als Investition über einen Zeitraum von vielen Jahren abschreiben. Ein Fünftel des Umsatzes soll zeitweilig durch solche Scheingeschäfte entstanden sein, die Wertpapieraufsicht und die Bundespolizei ermitteln.

Manch Anleger, der auf Winnicks Visionen hereinfiel, steht vor dem Ruin, er selbst hat einen guten Schnitt gemacht. Seine Residenz in Bel Air, "Casa Encantada" genannt und angeblich die teuerste Einfamilien-Villa der USA, wird ihm wohl bleiben. Ebenso wie die 735 Millionen Dollar, die er durch Verkäufe von Global-Aktien erlöst hat, rechtzeitig vor dem Crash. Dass der kommen würde, war Gary Winnick offenbar frühzeitig klar.