Gasproms Preispläne: Neue Gaskrise bahnt sich an - DER SPIEGEL
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Gasproms Preispläne Neue Gaskrise bahnt sich an

Entsetzen in Europa: Der russische Gasproduzent Gasprom will seine Exportpreise im kommenden Jahr um bis zu 15 Prozent erhöhen. Vor allem die baltischen Staaten und Weißrussland treffen die Pläne hart. Deutsche Versorger bemühen sich jedoch, der Aufregung entgegenzuwirken.
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Moskau/Essen - Bei E.on Ruhrgas herrscht Verwirrung: "Wir haben mit Gasprom langfristige Gasbezugsverträge, in denen der Preis an Wettbewerbsenergien gebunden ist. Damit folgen auch die Importpreise für russisches Gas der Ölpreisentwicklung", betonte der deutsche Importeur. Der Ölpreis war in den vergangenen Wochen aber deutlich gesunken, was Gas-Preiserhöhungen aber eigentlich ausschließt. Anfragen von Gasprom in Hinblick auf weitere Preiserhöhungen seien bei Ruhrgas nicht bekannt, hieß es denn auch.

Auch deutsche Politiker meldeten sich umgehend zu Wort: "Gasprom nimmt Europa in den Würgegriff", erklärte die energiepolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Gudrun Kopp. Diese Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen sei ein Resultat einer verfehlten Energiepolitik der vergangenen Jahre. Die Grünen-Vizefraktionsvorsitzende Bärbel Höhn warnte gar vor den "Vorwehen eines neuen Gas-Kartells". Die Bundesregierung müsse die Pläne als nochmaligen Warnschuss verstehen und endlich in großem Umfang in die Energieeinsparung einsteigen und die Erneuerbaren Energien stärker ausbauen.

Selbst russische Experten zeigten sich von den Berichten über geplante Preiserhöhungen für Gasexporte vor dem Hintergrund der Ölpreis-Prognosen überrascht. Die Gasprom-Pläne - über die die russische Wirtschaftszeitung "Wedomosti" berichtet hatte - machten einen "aggressiven" Eindruck, urteilte die Investmentbank Deutsche UFG in Moskau. Doch es scheint zu stimmen: Das konzerninterne Gasprom-Budget sehe die Preisrunde für 2007 vor, bestätigten Unternehmenskreise. Europäische Versorger sollen demnach statt durchschnittlich 250 Dollar je 1000 Kubikmeter Gas künftig 293 Dollar zahlen.

Die deutschen Energieversorger beruhigten allerdings: Deutschland würden die Pläne nicht besonders treffen. Deutsche Abnehmer bezahlen derzeit schon rund 290 Dollar pro tausend Kubikmeter. Ruhrgas betonte deshalb, die Gaspreise für Regionalversorger und Stadtwerke würden zum Jahresanfang 2007 wie geplant gesenkt.

Wingas - ein gemeinsames Unternehmen von Gasprom und Wintershall - erklärte, das Unternehmen habe die Importverträge mit Gasprom vorzeitig bis 2030 verlängert. Die Preise, die das Unternehmen an der deutschen Grenze für russisches Erdgas zur Versorgung seiner Kunden bezahle, seien in diesen langfristigen Importverträgen geregelt. Der Westen Europas befinde sich bereits auf einem hohen Preisniveau. Bei der Ankündigung von Gasprom gehe es wohl eher um die Anhebung der Preise in einigen osteuropäischen Ländern.

Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird mit Gas beheizt. Beim Gaspreis für private Haushalte entfallen 74 Prozent auf Produktion, Speicherung und Transport. Die restlichen 26 Prozent machen nach Branchenangaben Steuern und Abgaben aus. Ein Drittel der deutschen Versorgung stammt aus Russland.

Weißrussland drohte mit Abbruch der Beziehungen

Hart treffen wird der Preisanstieg dagegen die baltischen Republiken und Weißrussland. Laut "Wedomosti" soll Weißrussland statt bislang 46 Dollar pro tausend Kubikmeter im kommenden Jahr 200 Dollar zahlen. Lettland, Litauen und Estland will Gasprom im kommenden Jahr 220 Dollar bis 260 Dollar pro tausend Kubikmeter berechnen. Die baltischen Staaten würden ab 2007 den "europäischen Durchschnittspreis" zahlen, sagte dazu ein Gasprom-Sprecher der Zeitung.

Sollte Gasprom diese Pläne wirklich umsetzen, könnte das zu erheblichen Verwerfungen führen. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hatte seinem Hauptverbündeten bereits im Frühjahr im Falle drastischer Gaspreis-Erhöhungen mit dem Abbruch der Beziehungen gedroht.

Bereits Ende 2004 hatte es eine Krise mit internationalen Dimensionen gegeben, als Gasprom die Gaspreise für die Ukraine extrem heraufsetzte und dem Land im Rahmen des daraus entstehenden Konflikts zwischenzeitlich den Gashahn zudrehte.

Gasprom wird trotzdem Verluste machen

Mit den Preiserhöhungen will der vom Kreml kontrollierte Gasprom-Konzern im kommenden Jahr seine Exporteinnahmen um etwa 20 Prozent auf die Rekordhöhe von 46 Milliarden Dollar steigern. Die Exportmenge für die Abnehmer in Europa solle dafür außerdem von 151 Milliarden Kubikmeter auf knapp 158 Milliarden Kubikmeter erhöht werden.

Doch selbst wenn die ehrgeizigen Umsatzziele erreicht werden: Dem Gasgiganten droht einmal mehr ein Gesamtdefizit. Ursachen dafür sind die staatlich geregelten Billigtarife für den russischen Inlandsmarkt sowie eine nach Ansicht von Kritikern äußert ineffiziente Konzernführung.

Erst in der Vorwoche hatte Präsident Wladimir Putin eine Angleichung der subventionierten russischen Inlandspreise an das Weltmarktniveau vor der Präsidentenwahl 2008 abgelehnt. Nach "Wedomosti"-Angaben soll der russische Gaspreis im kommenden Jahr aber immerhin um 15 Prozent auf umgerechnet 49 Dollar je 1000 Kubikmeter erhöht werden.

Der Kreml dementierte unterdessen jüngste Berichte über mögliche Lieferengpässe für russisches Gas in den kommenden Jahren auf Grund der mangelhaften Erschließung neuer Vorkommen. Die Regierung werde den Inlandsverbrauch von Gas reduzieren, kündigte Putins Berater Igor Schuwalow in einem Interview mit der Londoner "Financial Times" an. Die heimische Industrie solle verstärkt auf Wasserkraft, Atomkraft und Kohle zurückgreifen. Russland bleibe der verlässlichste Energielieferant für die Europäische Union, sagte Schuwalow.

ase/AFP/dpa/Reuters