Gebot für Gillette Procter & Gamble plant Megafusion
Cincinatti - Mit einem Umsatz von mehr als 60 Milliarden Dollar würde P&G nach einer Gillette-Übernahme den Abstand zum niederländisch-britischen Konkurrenten deutlich vergrößern. Unilever kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 48 Milliarden Dollar.
Procter & Gamble produziert unter anderem Produkte wie Pampers und Ariel und würde durch den Zukauf seine Produktpalette um die Rasierermarken Braun und Gillette sowie um Marken wie Duracell und Oral B erweitern.
P&G sieht vor, dass 60 Prozent der Übernahme mit eigenen Aktien und 40 Prozent in bar gestemmt werden. Die Gillette-Aktionäre sollen 0,975 P&G-Aktien pro Anteilsschein erhalten. Basierend auf den Aktienkursen vom 27. Januar entspreche dies einem Aufschlag von 18 Prozent auf die Gillette-Aktie. Mit einem Gesamtwert von 57 Milliarden Dollar wäre der Kauf die teuerste Transaktion in der Unternehmensgeschichte von Procter & Gamble.
6000 Stellen sollen entfallen
Wegen der höheren Marktmacht und den Erlössynergien erhöhte Procter & Gamble direkt seine Umsatzprognosen. Auch der Gewinn könnte durch die erwarteten Einspareffekte in Zukunft schneller steigen als bisher prognostiziert.
Wie die beiden Unternehmen am Freitag in Cincinnati und Boston mitteilten, sollen nach einem Zusammenschluss rund 6000 Stellen oder vier Prozent gestrichen werden. Gemeinsam beschäftigen Procter & Gamble und Gillette derzeit rund 140.000 Menschen.
Aktienrückkauf angekündigt - Buffett zufrieden
Procter & Gamble kündigte zudem ein 18 bis 22 Milliarden Dollar schweres Aktienrückkaufprogramm bis Mitte 2006 an. Warren Buffet, Chef des größten Gillette-Aktionärs Berkshire Hathaway, bezeichnete die Übernahme als "Traumgeschäft".
Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway hält derzeit 96 Millionen Gillette-Aktien. Das sind rund 10 Prozent der ausstehenden Anteile.
Insgesamt bezifferte P&G die Umsatz- und Kostensynergien auf 14 bis 16 Milliarden Dollar. Durch den Zusammenschluss werde sich das Umsatzwachstum beschleunigen. Die Zielbandbreite werde von vier bis sechs Prozent auf fünf bis sieben Prozent erhöht.
Außerdem ermögliche die Fusion noch weiteres Potenzial für das Gewinnziel. Derzeit peilt das Unternehmen ein jährliches Gewinnplus im zweistelligen Prozentbereich an.
Abschluss bis Herbst 2005
Derzeit habe P&G 16 Marken mit einem jährlichen Umsatz von mehr als einer Milliarde Dollar. Durch die Übernahme von Gillette, das unter anderem auch ein Forschungszentrum in Deutschland betreibt, würden fünf neue hinzukommen. Derzeit produziert P&G in 106 Werken in 41 Ländern.
Gillette unterhält 31 Fabriken in 14 Ländern. Da sich nur wenige Marken der beiden Unternehmen überschneiden, ist Procter & Gamble zuversichtlich, die wettbewerbsrechtlichen Fragen in den USA und Europa zu lösen. Nach der erwarteten Zustimmung der Aktionäre der beiden Gesellschaften bis Mitte Mai rechnet P&G bis zum Herbst 2005 mit dem Abschluss der Transaktion.
185 Milliarden Dollar Börsenwert
Gillette hatte im vergangenen Jahr nach Analystenschätzungen 2,3 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 10,3 Milliarden Dollar erzielt. Procter & Gamble erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2003/04 (Juni 2004) einen Überschuss von 6,48 Milliarden Dollar bei einem Erlös von 51,41 Milliarden Dollar. P&G hatte im Jahr 2003/04 unter anderem die deutsche Wella AG gekauft.