Gefahr USA IWF-Direktor warnt vor globaler Rezession
Frankfurt am Main - Globale Ungleichgewichte wie das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA oder der Zahlungsbilanzüberschuss der Schwellenländer könnten zu einer weltweiten Rezession führen, schrieb der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo de Rato, in einem Beitrag für die "Börsen-Zeitung". In letzter Zeit seien die Risiken für den weltweiten Wohlstand gewachsen. Diese Situation werde ein zentrales Thema bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank Ende der Woche in Singapur sein.
In seiner heute in Singapur veröffentlichten Studie über die Stabilität der weltweiten Finanzmärkte (Global Financial Stability Report) schreibt der IWF-Direktor noch detaillierter zu dem Thema. Grundsätzlich sei das Weltwirtschaftsklima zwar günstig, heißt es auch da. Ein Risiko sei jedoch ein möglicher stärkerer Inflationsdruck, der eine stärkere geldpolitische Straffung als bisher erwartet zur Folge haben könnte.
Das globale Wachstum könne zudem durch eine ausgeprägte wirtschaftliche Abkühlung in den USA verlangsamt werden, die durch eine rasche Abschwächung der bislang boomenden Immobilienmärkte begleitet werden könnte. Nach Jahren ungewöhnlich robusten Wachstums bei niedriger Inflation könnte die Reaktion der Finanzmärkte auf ungünstigere Rahmenbedingungen zu einer Verstärkung der Risiken führen.
Der IWF fordere von den USA "eine fiskalpolitische Konsolidierung und Maßnahmen zur Förderung der privaten Ersparnisbildung", schrieb de Rato in der "Börsen-Zeitung". Die asiatischen Schwellenländer dagegen sollten "Maßnahmen zur Förderung der Inlandsnachfrage und zur Stärkung des Einflusses der Marktkräfte" ergreifen.
Eine Möglichkeit für den IWF sei die Erweiterung der bilateralen Gespräche des IWF mit den Regierungen und multilaterale Konsultationen. Außerdem wolle der IWF neue Kreditprogramme für Schwellenländer auflegen. "Wir prüfen die Einführung eines neuen Finanzierungsinstruments, das zur Krisenprävention in Schwellenländern beitragen soll, wenn diese mit externen Schocks konfrontiert werden." Diese Kreditfazilitäten, die ebenfalls Gegenstand der Tagung in Singapur sein dürften, werden dem Blatt zufolge aber von der deutschen Delegation abgelehnt.
ase/dpa-AFX