»Gefragt, gehört, reagiert«
SPIEGEL: Nach einem fast dreimonatigen Gefecht gegen Ihren Konkurrenten Klaus Esser haben Sie am Donnerstag die Mehrheit am Mannesmann-Konzern übernommen. Haben in der Vodafone-Konzernzentrale danach die Sektkorken geknallt?
Gent: Ein einziger ist beim Rückflug nach London im Flugzeug geknallt. Aber ich denke, der Abschluss, den wir jetzt erzielt haben, ist wirklich ein Grund zu feiern. Für uns, für Mannesmann und für deren Aktionäre. Insofern sollten überall in den nächsten Tagen möglichst viele Sektkorken fliegen.
SPIEGEL: Mit Ihrer Attacke auf Mannesmann haben Sie die erste unfreundliche Übernahme in Deutschland geschafft. Fühlen Sie sich nun als ein Held?
Gent: In erster Linie fühle ich mich sehr hungrig und müde. Ich habe den ganzen Tag noch nichts gegessen und die gesamte Woche nur wenige Stunden geschlafen. Aber ernsthaft: Es gibt keinen Grund, sich als Held zu fühlen. Wir sind stolz, weil wir eine hervorragende Geschäftsidee umgesetzt haben, und froh, dass Klaus unseren Plänen vergangenen Donnerstag doch noch zugestimmt hat.
SPIEGEL: Die Einigung, die Sie nun erzielt haben, wäre wohl auch schon vor einigen Wochen möglich gewesen. Warum mussten erst Milliarden für aufwendige Werbekampagnen und das vielköpfige Beraterteam verpulvert werden?
Gent: Klaus wollte sehen, was seine Aktionäre von einer Fusion mit Vodafone Airtouch halten. Er hat sie gefragt, auf sie gehört und entsprechend reagiert. Das war übrigens nur möglich, weil die gesamte Übernahmeschlacht äußerst zivilisiert abgelaufen und zu keiner Zeit in persönliche Diffamierungen abgeglitten ist. Nur so konnten wir wieder miteinander sprechen und schließlich eine Einigung für unsere beiden Unternehmen erzielen.
SPIEGEL: Trotzdem wurde die Schlacht in den letzten Wochen mit aller Härte geführt. Besonders die Arbeitnehmer von Mannesmann sind nun über die Niederlage enttäuscht. Erwarten Sie böse Überraschungen?
Gent: Nein. Wir werden uns alle Mühe geben, die Arbeitnehmer von den hervorragenden Chancen des Konzerns zu überzeugen. Die Zusammenlegung beider Unternehmen wird ein hartes Stück Arbeit. Schon nächste Woche bin ich wieder in Düsseldorf, um mit den Spitzenmanagern Einzelheiten zu besprechen. Dabei wird es auch eine Zusammenkunft mit Arbeitnehmervertretern geben.
SPIEGEL: Wird es bei den von Vodafone gegebenen Arbeitsplatzgarantien bleiben?
Gent: Ja, auf jeden Fall. Wir haben große Aufgaben vor uns. Wir wollen die Stellung als eines der führenden Telekommunikationsunternehmen in der Welt weiter ausbauen und schon bald ganz massiv in das boomende Datengeschäft einsteigen. Dafür brauchen wir wirklich jeden einzelnen Mann.
SPIEGEL: Das gilt auch für den bisherigen Mannesmann-Chef Klaus Esser?
Gent: Unbedingt. Klaus hat uns das Leben in den letzten drei Monaten sehr schwer gemacht und bewiesen, dass er ein äußerst fähiger Manager ist. Jetzt freuen wir uns auf eine konstruktive Zusammenarbeit. INTERVIEW: FRANK DOMEN, KLAUS-PETER KERBUSK