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TABAK Gegen den Trend

Schweden-Snus, ein weltweit florierender Modetabak, darf in Deutschland nicht mehr verkauft werden. *
• aus DER SPIEGEL 5/1988
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Amerikaner finden die neue Art, Tabak zu genießen, einfach schick, Schweden wie Dänen sind ganz versessen darauf, auch die Briten kommen allmählich auf den Geschmack.

Seit Tabakqualm zunehmend aus Bahnen und Bussen, Wirtshäusern und Wohnstuben verbannt wird, nehmen Raucher ihre tägliche Nikotinration unauffällig zu sich. Zigarette? Nein, danke. Das Zeug wird jetzt gelutscht.

Die Rezeptur kommt aus Schweden und heißt Snus: ein Gemisch aus gemahlenem Tabak mit einer Spur Salzwasser, ein wenig Anis oder einem Schuß Madeira. Unter Markennamen wie »Catch Mini« oder »Skoal Bandits« wird der Stoff mundgerecht in kleinen Gramm-Beutelchen angeboten.

In Deutschland fanden sich bislang nicht viele Käufer. Vergeblich versuchte die staatseigene Stockholmer Svenska

Tobaks AB »Catch Mini« vor allem Jugendlichen in der Werbung als »umweltfreundliche Alternative« anzudienen. Mehr als ein paar tausend Stammkunden, vorwiegend in Norddeutschland, kamen hierzulande nicht zusammen.

Die wenigen werden demnächst vergeblich das abgepackte Lutschzeug verlangen. Von Anfang dieser Woche an dürfen die Schweden ihre Snus-Sorte »Catch Mini« in der Bundesrepublik nicht mehr verkaufen. Das Bonner Gesundheitsministerium hat den weiteren Vertrieb der Ware untersagt, aus gesundheitlichen Gründen.

So harmlos, wie die Snus-Macher vorgeben, ist der Lutschtabak offenbar nicht. Amerikanische Mediziner vermuten, daß ständige Tabaklutscherei Ursache für allerlei Krankheiten sein kann - für Zahnfleischbluten wie für Mundkrebs.

Alarmiert wurden die Bonner Experten Ende vergangenen Jahres durch die in Tokio tagende Weltkonferenz Rauchen und Gesundheit. Dort hielten Wissenschaftler rauchlosen Tabak - ob gelutscht, gekaut oder geschnupft - für ähnliches Teufelszeug wie die Zigarette selbst.

Noch kurz zuvor hatten Beamte im Gesundheitsministerium Snus als gesündere Alternative zur krankmachenden Tabakqualmerei angesehen. »Catch Mini« sollte gar bei offiziellen Antiraucher-Kampagnen eingesetzt werden. Das Berliner Institut für angewandte Gesundheitsforschung (Sinag) meldete sich schriftlich bei den Stockholmer Snus-Produzenten; die Skandinavier sollten »angemessene Mengen von Probepackungen und Werbematerial« an das Institut schicken.

Der Lutschtabak und die dazugehörige Reklame, versprach Sinag, würden »bei Sport- und Gesundheitsveranstaltungen einem größeren Publikum« angeboten. Für den rauchlosen Tabak sei mit solchen Aktionen »sowohl eine positive Imagebildung als auch eine große Werbewirkung« zu erwarten.

Doch dazu kam es nicht. Das von Bonn finanzierte Gesundheitsinstitut mußte seine Bemühungen einstellen, die Schweden bekamen Verkaufsverbot für ihre Snus-Fertigpackungen.

Damit stellen die Deutschen sich gegen den internationalen Trend. Im Stammland Schweden wächst die Zahl der Tabaklutscher im gleichen Maße, wie die Zahl der Raucher sinkt. Unter jungen Menschen gibt es in manchen Gegenden bereits mehr Snuser als Zigaretten-Konsumenten.

In den USA greifen ebenfalls vorwiegend Schüler und Studenten zu »Catch Mini« oder zu dem stärkeren »Skoal Bandits« des heimischen Herstellers US Tobacco. An vielen High-Schools gehen bereits vier von zehn Schülern während Sport und Unterricht auf den neuen Tabak-Trip.

Auch die deutsche Jugend ist vor der weltweiten Snus-Welle noch nicht sicher. Die Schweden wollen den seit Anfang der Woche wirksamen Vertriebsstopp nicht widerstandslos hinnehmen. Sie haben sich erst mal zu einem »klärenden Gespräch« in Bonn angemeldet.

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