Gehälter 2007 Manager vergrößern den Abstand weiter
Frankfurt am Main - Bei den Arbeitnehmern ist der Aufschwung im vergangenen Jahr nicht angekommen, bei den Führungskräften in den obersten Etagen schon. Deutschlands Top-Manager haben 2007 kräftig Kasse gemacht und auch weit größere Einkommenssteigerungen erzielt als die einfachen Angestellten.
Für die von Gewerkschaftern und Politikern kritisierten "Gehaltsexzesse" sieht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in ihrer am Dienstag veröffentlichten Studie trotzdem "bis auf wenige Ausnahmen keine Anhaltspunkte". Schärfere Gesetze, etwa um eine Höchstmarke für die Gehälter der Wirtschaftselite festzuschreiben, seien nicht nötig, betonte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker in Frankfurt. Er mahnte jedoch: "Managergehälter in zweistelliger Millionenhöhe bringen sozialen Unfrieden in unser Land - darüber sollten wir nachdenken."
Nach DSW-Berechnungen kassierte ein Vorstandsmitglied der 30 im Dax gelisteten Konzerne für das abgelaufene Geschäftsjahr durchschnittlich 2,92 Millionen Euro. Das waren 7,75 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die tariflichen Grundvergütungen der Beschäftigten in Deutschland stiegen dagegen jahresbezogen nur um 2,2 Prozent, wie sich aus der Bilanz des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung ergibt.
Spitzenverdiener in diesem Kreis war erneut Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann, dessen Bezüge sich auf 13,98 (Vorjahr: 13,2) Millionen Euro summierten. Dabei profitierte Ackermann von dem Rekordgewinn seines Instituts. Auf den Plätzen folgten Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 10,01 (4,5) Millionen Euro und Linde-Chef Wolfgang Reitzle mit knapp 8,06 (5,9) Millionen Euro Gesamtvergütung. Schlusslicht unter den Dax-Vorstandsvorsitzenden war laut DSW Wolfgang Klein von der Postbank , der auf 1,531 Millionen Euro kam.
Auch bei den - erstmals von der DSW untersuchten - MDax-Unternehmen gab es im Schnitt ein kräftiges Gehaltsplus. Bei den 50 mittelgroßen Unternehmen verdiente ein durchschnittliches Vorstandsmitglied 1,48 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Bezüge um 8,34 Prozent. Top-Verdiener unter den MDax-Vorständen ist nach den DSW-Zahlen Puma-Chef Jochen Zeitz mit einem Gesamtgehaltspaket von 7,2 Millionen Euro.
Im internationalen Vergleich sehen die Aktionärsschützer in deutschen Vorstandsetagen keinen Grund zur Klage: Mit einem Fixgehalt von 3,825 Millionen Euro verdiene ein durchschnittlicher Dax-Vorstandschef deutlich mehr als seine Kollegen in Frankreich (2,3 Millionen Euro), der Schweiz (2,99 Millionen Euro) und den USA (3,03 Millionen Euro).
Allerdings kommen Chefs großer Konzerne in der Schweiz und den USA in deutlich größerem Umfang in den Genuss aktienorientierter Gehaltsbestandteile, so dass etwa der Spitzenverdiener im US-Leitindex Dow Jones , George David von United Technologies, für das Geschäftsjahr 2007 auf umgerechnet 27,8 Millionen Euro Jahressalär kam.
Obwohl immer mehr Unternehmen individualisiert ausweisen, was ihre Vorstände verdienen, sehen die Aktionärsschützer noch Fragezeichen: Nach ihren Vorstellungen sollten die Konzerne beispielsweise genauer darlegen, nach welchen Größen sich der Teil des Gehalts richtet, der variabel ist. Beispiel TUI : Bei dem Tourismuskonzern kletterte die variable Barvergütung der Vorstände binnen Jahresfrist um 164 Prozent. Berechnet wird das unter anderem nach "persönlichen Bemessungsfaktoren", wie der an der DSW-Studie beteiligte Münchner Wirtschaftswissenschaftler Gunther Friedl erläuterte: "Welche dies genau sind, bleibt allerdings das Geheimnis der TUI-Führung." Zum Vergleich: Die Gewinne der Dax-Konzerne legten im Geschäftsjahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich knapp 18 Prozent zu.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnen die Aktionärsschützer allerdings damit, dass die Vergütung der Dax-Vorstände deutlich sinken wird: Finanzkrise, Konsumflaute und gedämpfte Konjunktur drücken auf die Gewinne der Unternehmen, an die zu einem Großteil die Bezahlung der Manager gekoppelt ist.
mik/dpa/AP